Pressemitteilung

23 Dezember 2020 Wien, AT

EY-Analyse Automotive Bilanzen Q3 2020

US-Autokonzerne erholten sich im dritten Quartal am stärksten.

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Nina Eggenberger

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Sarah Mauracher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

  • Nur noch relativ leichte Einbußen gegenüber VorjahreszeitraumAbsatz und Umsatz der 17 größten Autokonzerne der Welt haben sich im dritten Quartal deutlich erholt: Umsatz gegenüber dem zweiten Quartal um 53 Prozent gestiegen, Absatz um 46 Prozent
  • Nur noch relativ leichte Einbußen gegenüber Vorjahreszeitraum
  • Neue Lockdowns werden voraussichtlich nicht zu Unterbrechungen der Lieferketten führen: „Die Unternehmen haben gelernt, mit der Situation umzugehen“

Nach einem massiven Umsatz- und Absatzeinbruch im zweiten Quartal liefen die Geschäfte der 17 größten Autokonzerne der Welt im dritten Quartal erheblich besser: Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorquartal um 53 Prozent, der Neuwagenabsatz kletterte – ebenfalls gegenüber dem Vorquartal – um 46 Prozent. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum ergibt sich hingegen immer noch ein leichtes Minus: Beim Umsatz und beim Absatz rangierten die Top-Autokonzerne jeweils um fünf Prozent unter dem Niveau des dritten Quartal 2019.

Auffallend gut haben sich im dritten Quartal die US-Autokonzerne entwickelt: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum kletterte ihr Umsatz um ein Prozent, während die deutschen Autobauer ein Minus von vier Prozent meldeten und die japanischen Konzerne sogar um 12 Prozent weniger umsetzten als im Vorjahreszeitraum. 

Beim Gewinn gelang den US-Konzernen sogar ein Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 99 Prozent – die vier US-Konzerne im Ranking (Ford, Tesla, General Motors und FCA) wiesen im dritten Quartal das stärkste Gewinnwachstum aller Autokonzerne auf. General Motors war zudem mit einem operativen Gewinn von 4,2 Milliarden Euro der gewinnstärkste Autobauer – vor Toyota (4,1 Milliarden Euro) und Volkswagen (3,2 Milliarden Euro).

Beim Pkw-Absatz haben sich im dritten Quartal hingegen die deutschen Autobauer am besten entwickelt: Sie verzeichneten einen Absatzrückgang um nur ein Prozent, während die US-Hersteller einen Rückgang um drei Prozent verbuchten. Die japanischen Autobauer verkauften acht Prozent weniger Autos als im Vorjahreszeitraum, bei den französischen Herstellern betrug der Rückgang sogar neun Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 17 größten Autokonzerne der Welt, die das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY quartalsweise erstellt.

„Die Zahlen zum dritten Quartal hatten Hoffnung gemacht, dass sich die finanziellen Auswirkungen der Pandemie eingrenzen lassen,“ sagt Gerhard Schwartz, Leiter Industrial Products bei EY Österreich: „Einen Einbruch bei Umsatz, Gewinn und Absatz wie im zweiten Quartal hatte es noch nie gegeben – im dritten Quartal konnten die meisten Konzerne hingegen in die Gewinnzone zurückkehren.“ 

Das vierte Quartal wird nach Schwartz‘ Einschätzung allerdings erneut starke Einbußen bringen: „Die Lage verschlechtert sich in den meisten großen Märkte, es gibt wieder teils massive Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die Pkw-Verkäufe gehen derzeit deutlich zurück.“ Gerade Europa wird erneut besonders stark betroffen sein, so Schwartz: „In vielen europäischen Ländern werden die Showrooms geschlossen. Das wird erneut zu massiven Absatzeinbußen und erheblichen finanziellen Belastungen sowohl aufseiten der Autohersteller als auch beim Autohandel führen.“

Gerhard Schwartz weiter: „Die Unternehmen haben gelernt, mit der Situation umzugehen, eine erneute Unterbrechung der Lieferketten und ein Stillstand der Produktion ist nicht zu erwarten. Wenn aber der Neuwagenabsatz ganz oder teilweise zum Erliegen kommt, wird ein erneuter branchenweiter Gewinneinbruch im Milliardenbereich kaum zu vermeiden sein.“ Als hilfreich erweise sich dabei einmal mehr der chinesische Markt, der sich anhaltend positiv entwickele.

Gute Entwicklung in China stärkt vor allem deutsche Autobauer

Im dritten Quartal erwies sich der chinesische Absatzmarkt somit einmal mehr als wichtigster Stützpfeiler der Autobranche – und gerade auch der deutschen Hersteller. „Alle drei deutschen Autokonzerne konnten im dritten Quartal in China zulegen, während der Absatz in den anderen Regionen massiv einbrach. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Autobauer kletterte dadurch im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 35,7 auf 39,2 Prozent“, stellt Schwartz fest. Im zweiten Quartal 2020 war die Bedeutung Chinas allerdings noch größer gewesen: Zwischen April und Juni dieses Jahres waren 51 Prozent aller von den deutschen Autokonzernen verkauften Neuwagen an Kunden in China übergeben worden.

Die deutschen Autokonzerne konnten zudem überdurchschnittlich stark von der Markterholung in China profitieren: Ihr Absatz legte dort um neun Prozent zu, während der chinesische Gesamtmarkt nur um sieben Prozent stieg.

General Motors im dritten Quartal mit höchster Marge

General Motors war im dritten Quartal mit einer Marge von 13,7 Prozent der profitabelste Autokonzern der Welt vor Tesla und Suzuki (jeweils 8,7 Prozent). Die niedrigsten Margen wiesen drei asiatische Konzerne auf – Mitsubishi (minus 8,5 Prozent), Hyundai (minus 1,1 Prozent) und Mazda (minus 1,0 Prozent). Die deutschen Autokonzerne bewegen sich mit Margen von 7,6 Prozent (Daimler), 7,3 Prozent (BMW) und 5,4 Prozent (Volkswagen) im internationalen Mittelfeld.

„Im dritten Quartal haben sich die US-Autokonzerne trotz eines gesunkenen Absatzes beim Gewinn bemerkenswert gut entwickelt“, konstatiert Schwartz. Er führt dies einerseits auf einen straffen Sparkurs, vor allem aber auf die hohe Nachfrage nach teuren und margenstarken Pick-ups und SUVs gerade auf dem nordamerikanischen Markt zurück. 

Immerhin 11 der 17 untersuchten Hersteller konnten seit Jahresbeginn den eigenen Börsenwert steigern – allen voran Tesla, dessen Börsenwert von rund 75,4 Milliarden US-Dollar auf gut 600 Milliarden US-Dollar (Stichtag: 15. Dezember) hochschnellte. Damit ist Tesla der mit Abstand höchstbewertete Autokonzern der Welt – obwohl das Unternehmen beim Umsatz im dritten Quartal des laufenden Jahres nur den vierzehnten Platz belegt. Toyota (213 Milliarden Euro), Volkswagen (96 Milliarden Euro), Daimler (75 Milliarden Euro), General Motors (60 Milliarden Euro) und BMW (58 Milliarden Euro) folgen im Ranking nach Börsenwert auf den Plätzen zwei bis sechs.

„Beim Börsenwert spielen derzeit Gewinn-, Umsatz- und Verkaufszahlen der Autokonzerne nur noch eine untergeordnete Rolle“, beobachtet Schwartz. „Bemerkenswert ist vor allem der enorme Abstand vom höchstbewerteten Autokonzern – Tesla – zu den übrigen Unternehmen, der allerdings auch nicht mit aktuellen Verkaufszahlen im Elektrosegment erklärt werden kann.“ So zeigt ein Blick auf die Neuzulassungen in Deutschland im laufenden Jahr, dass der Volkswagenkonzern bei Elektroautos einen Marktanteil von 33 Prozent hat, vor Renault (17 Prozent), Daimler (10 Prozent) und Tesla (9 Prozent) – und dabei sind Plug-in Hybride noch nicht eingerechnet. „Die kommenden Jahre werden enorme Umwälzungen auf den Automärkten bringen – angetrieben nicht zuletzt durch ambitionierte Emissionsvorgaben. Die Zukunftsfähigkeit der Autokonzerne wird zumindest von Investoren immer mehr an der Leistungsfähigkeit bei alternativen Antrieben festgemacht“, so Schwartz. „Elektroautos kommen inzwischen auf zweitstellige Marktanteile, wir sehen eine immer breitere und attraktivere Modellauswahl, enorme Investitionen der Unternehmen und massive staatliche Unterstützungsmaßnahmen. Die Karten in der Autoindustrie werden gerade neu gemischt – und man darf gespannt sein, welche Unternehmen zukünftig noch als führend angesehen werden.“

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