Pressemitteilung

12 Februar 2021 Wien, AT

Transaktionswert in der Life Science Branche erreicht im Coronajahr 2020 Tiefpunkt, obwohl finanzielle Mittel vorhanden waren

EY Life Science Firepower Index 2020

Pressekontakte
Nina Eggenberger

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Sarah Mauracher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

  • Gesamtvolumen der Deals erreicht 2020 mit 159 Milliarden US-Dollar den niedrigsten Wert seit 2014
  • Die Firepower – also die Mittel für Zukäufe – auf Rekordniveau von 1,47 Billionen US-Dollar
  • Übernahme von Alexion Pharmaceuticals durch AstraZeneca machte rund ein Viertel des Gesamtwertes aus
  • Bei der Hälfte der Deals waren europäische Firmen als Käufer und bzw. oder Verkäufer involviert

Wien, 12. Februar 2021. Die Life-Science-Branche weltweit hat sich 2020 mit Deals zurückgehalten: Das Volumen erreichte mit 159 Milliarden US-Dollar den niedrigsten Wert seit Erhebungsbeginn im Jahr 2014. Damit folgt auf das Rekordjahr 2019 mit einem Dealvolumen von 306 Milliarden US-Dollar ein Einbruch um fast die Hälfte. Die Anzahl der Deals ging ebenfalls deutlich zurück: Nach 105 Deals im Jahr 2019 führten die Biopharma- und Medizintechnikunternehmen weltweit nur noch 89 Deals durch.

Kurz vor Jahresende verhinderte ein Mega-Deal sogar einen noch größeren Einbruch: Die im Dezember verkündete etwa 40 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Alexion Pharmaceuticals durch AstraZeneca machte allein ein Viertel des gesamten Dealvolumens aus. Der US-Biotechkonzern Gilead tätigte mit der 20 Milliarden US-Dollar teuren Übernahme von Immunomedics den zweitgrößten Deal des Jahres.

Der Standort Deutschland entwickelte sich allerdings gegen den globalen Trend: Der Transaktionswert stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 9,8 Milliarden US-Dollar auf 26,7 Milliarden US-Dollar. Der Großteil des Wertes ging auf das Konto des Medizintechnikkonzerns Siemens Healthineers, der für knapp 16,4 Milliarden US-Dollar das US-amerikanische Unternehmen Varian Medical Systems übernahm. Damit überstieg in Deutschland der Dealwert von Medtechunternehmen erstmals denjenigen von Biotech und Big Pharma.

Österreich konnte wie schon im Jahr 2019 auch 2020 keine größere Transaktion in der Pharmabranche verzeichnen. Zwar wurde 2020 das Wiener Unternehmen Themis Bioscience an das US-Unternehmen Merck verkauft, der Transaktionswert wurde allerdings nicht veröffentlicht. Der letzte Deal mit bekanntem Volumen liegt bereits zwei Jahre zurück: 2018 übernahm Boehringer Ingelheim die österreichische ViraTherapeutics GmbH um 245 Millionen Dollar.

Die Zurückhaltung der Branche bei Fusionen und Übernahmen lässt sie bei der Firepower – also jenen Mitteln, die Unternehmen für Zukäufe mobilisieren können – aus dem Vollen schöpfen: Sie lag im vergangenen Jahr auf dem Rekordniveau von 2019 von rund 1,47 Billionen US-Dollar. Davon investierten die Biopharma-Unternehmen 2020 aber lediglich zwölf Prozent und die Medtechunternehmen sogar nur sieben Prozent.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die Finanzdaten der größten Pharma-, Biotech- und Specialty-Pharma-Unternehmen mit einem Mindesttransaktionsvolumen von 99 Millionen Euro bis zum Stichtag 31. Dezember 2020 untersucht wurden. Der „Firepower Index“ von EY misst die Kaufkraft von Biotech- und Pharma-Unternehmen bei M&A-Transaktionen auf der Grundlage ihrer Marktkapitalisierung, Barmittelwerte sowie Verschuldungsfähigkeit.

Erich Lehner, Leiter des Bereichs Life Science bei EY Österreich, zu den Ergebnissen: „Die Life-Science-Branche hat sich 2020 angesichts der Unsicherheiten durch COVID-19 mit Transaktionen zurückgehalten. Aber auch geopolitische Ereignisse wie die bis November noch offene Präsidentenwahl in den USA oder der zunächst ungeklärte Brexit trugen ihren Teil dazu bei. Wir haben schon im zweiten Halbjahr 2020 eine Zunahme der Aktivität gesehen. Vieles spricht jetzt für eine Steigerung der Deals im Jahr 2021. Die Biotech- und Pharmaunternehmen konzentrieren sich immer stärker auf bestimmte Therapien wie Onkologie oder Immunkrankheiten, um stärker von Synergien profitieren zu können. Nicht benötigte Geschäftsfelder werden dagegen veräußert. Dies – zusammen mit viel vorhandener Liquidität bei strategischen Käufern, aber auch bei Finanzinvestoren – schafft im laufenden Jahr zahlreiche Transaktionsgelegenheiten.“

Trend zu Allianzen nimmt weltweit zu

2020 nahm der Trend zur Zusammenarbeit bei den Life-Science-Unternehmen zu: Weltweit stieg der Wert von Allianzen bis Ende November auf einen neuen Rekordwert von 140 Milliarden US-Dollar. Insgesamt kamen 261 Partnerschaften zustande – ebenfalls ein Rekordwert.

„Allianzen verringern das Risiko für die einzelnen Unternehmen, auf hohen Forschungs- und Entwicklungskosten sitzen zu bleiben“, erläutert Lehner. „Gerade in der Wirkstoffentwicklung lassen sich mit Partnern schnellere Ergebnisse erzielen. Aber auch Kooperationen mit Start-ups außerhalb der Branche werden immer sinnvoller, beispielsweise mit innovativen Technologie-Unternehmen. Gerade wenn es um die Erfassung und Auswertung von Daten geht, braucht die Branche Know-how von außen. Wir werden deswegen auch in Zukunft einen starken Trend zur Kollaboration sehen.“

Europäische Life-Science-Firmen bei der Hälfte der Deals involviert

Das bevorzugte Parkett für Deals war 2020 übrigens Europa: Bei der Hälfte (51 %) der Deals – 45 an der Zahl – war eine Pharmafirma mit europäischem Headquarter entweder als Verkäufer und bzw. oder als Käufer involviert. Auch mehr als die Hälfte des gesamten Dealvolumens 2020 wurde in diesem Segment erzielt – nämlich 85 Milliarden US-Dollar. Europäische Firmen waren dabei zumeist als Käufer aktiv – gleich 21-mal schlugen sie am außereuropäischen Markt in 2020 zu, hauptsächlich bei Firmen mit Hauptsitz in den USA.

„Den europäischen Life-Science-Playern ist nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie bewusst, dass wir für einen starken europäischen Standort auch starke europäische Firmen brauchen. Der Zukauf von Know-how, auch außerhalb von Europa, ist ein erster wichtiger Schritt. Wichtig ist es jetzt noch, auch die Produktionsstandorte hier anzusiedeln“, so Lehner.

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EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter an vier Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2019/2020 einen Umsatz von 157 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt rund 300.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Kunden überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung sowie Transaktionsberatung und Managementberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.