Pressemitteilung

8 Februar 2022 Wien, AT

EY Start-up Investment Barometer Österreich 2021

Drei Viertel des Risikokapitals kommen von ausländischen Investor:innen

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Sarah Mauracher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Nina Eggenberger

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Verwandte Themen Startups Wachstum
  • Drei Viertel des Risikokapitals für österreichische Start-ups kommen von ausländischen Investorengruppen
  • Gesamtwert der Investitionen in österreichische Start-ups steigt 2021 auf die neue Rekordhöhe von 1,23 Milliarden Euro – rund fünf Mal so viel wie 2020
  • An 55 Prozent der Finanzierungsrunden waren österreichische Investor:innen beteiligt – ein Drittel wurde rein von heimischen Geldgeber:innen getragen
  • Bei großen Finanzierungsrunden spielen heimische Investor:innen aber kaum eine Rolle: Mehr als 75 Prozent des Risikokapitals kommen von rein ausländisch besetzten Investorengruppen
  • „Je größer die Runde, desto weniger sind österreichische Investor:innen beteiligt: Bei den sechs größten Deals war kein:e heimische:r Investor:in involviert
  • „„Positives Momentum des Start-up Ökosystems mit dringend notwendigen Anreizen für Risikokapital-Investitionen von Privatpersonen und institutionellen Investor:innen nutzen“

2021 war ein Rekordjahr für Start-ups in Europa und auch in Österreich: Heimische Jungunternehmen erhielten in 131 Finanzierungsrunden Kapitalspritzen in Höhe von 1,23 Milliarden Euro – fast fünf Mal so viel wie im gesamten bisherigen Rekordjahr 2020. Dominiert wird diese Entwicklung insbesondere von den großen Runden für die beiden „Unicorns“ GoStudent und Bitpanda, die gemeinsam mehr als die Hälfte der Gesamtsumme lukrieren konnten. 

An knapp mehr als jeder zweiten (55 %) Finanzierungsrunde waren österreichische Geldgeber:innen beteiligt – rund ein Drittel (32 %) wurde sogar rein von heimischen Investor:innen getragen. An einem Viertel (24 %) waren nur ausländische Investorengruppen beteiligt, bei 22 Prozent wurden keine Angaben zu den Investorengruppen veröffentlicht. Beim Finanzierungsvolumen dominieren ausländische Geldgeber:innen: Mehr als 75 Prozent des Risikokapitals kommen von rein ausländisch besetzten Investorengruppen.

Das sind die Ergebnisse des Start-up Investment Barometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY in Zusammenarbeit mit der Austrian Angel Investors Association (AAIA) und der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO). Berücksichtigt wurden veröffentlichte Finanzierungsrunden in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.

„Der globale Start-up Boom hat 2021 auch in Österreich zu neuen Rekordmarken geführt: Noch nie wurde so viel Geld in heimische Start-ups investiert und noch nie gab es so viele Millioneninvestments. Das ist einerseits Resultat eines starken Reifeprozesses des heimischen Start-up-Ökosystems, andererseits ein Spiegelbild der günstigen Großwetterlage mit viel Liquidität, niedrigen Zinsen und attraktiven Renditen in Europa“, so Florian Haas, Leiter des Start-up-Ökosystems bei EY Österreich.

„Die Euphorie darf aber nicht kaschieren, dass in Österreich nach wie vor kaum Risikokapital vorhanden ist, was ausländische Investorengruppen mit gut gefüllten Kassen auf den Plan ruft. Österreichische Start-ups stehen auf ihrem Wachstumskurs früher oder später vor der Situation, dass sie das für ihre Skalierung und Internationalisierung benötigte Kapital nur jenseits der Landesgrenzen lukrieren können. Gerade bei Finanzierungsrunden ab dem zweistelligen Millionenbereich ist die Abhängigkeit von Geldgeber:innen aus Übersee groß, da es in Österreich kaum Wachstumsfinanzierer:innen gibt. Aktuell gilt: Je größer die Runde, desto weniger Österreich“, so Haas weiter.

Österreichische Investor:innen geben Starthilfe, ausländische Geldgeber:innen finanzieren Wachstum

Bei frühphasigen Investmentrunden sind dementsprechend auch klar heimische Investorengruppen führend: Nur in Pre Seed-Finanzierungsrunden (78 %) stellten sie jeweils die Mehrheit der Kapitalgeber:innen. In der Seed-Phase machen österreichische Investorengruppen knapp weniger als die Hälfte (45 %) der beteiligten Geldgeber:innen aus. Mit Anstieg der Runde sinkt der Anteil an heimischen Investor:innen weiter: Bei Series-A-Finanzierungsrunden liegt der Anteil bei knapp mehr als einem Drittel (36 %), bei Series-B- (14 %), Series-C- (keine) und Series-D-Finanzierungsrunden (29 %) liegt der Anteil 2021 deutlich niedriger.

An keiner der vier Finanzierungsrunden in der Größenordnung von mehr als 100 Millionen Euro, bei denen Angaben zu den Investor:innen vorliegen, war ein:e Inlandsinvestor:in beteiligt. Auch bei den drei Abschlüssen im Umfang zwischen 50 und 100 Millionen Euro lag der Anteil österreichischer Investor:innen mit zwölf Prozent sehr niedrig. Lediglich bei kleineren Finanzierungsrunden im Umfang von bis zu einer Million Euro waren mehrheitlich österreichische Geldgeber:innen beteiligt: So hatten hier immerhin 80 der 109 verzeichneten Investor:innen ihren Hauptsitz in Österreich. Die sechs größten Finanzierungsrunden des Jahres gingen gänzlich ohne österreichische Beteiligung auf Investorenseite über die Bühne.  

„Während die Anschubfinanzierung in Österreich insbesondere über Business Angels hervorragend funktioniert, sind heimische Investor:innen bei Millioneninvestments außen vor, während insbesondere Venture Capital Fonds aus den USA und UK sich auf ihrer Einkaufstour Anteile an Österreichs Top-Start-ups sichern. Das positive Momentum des Start-up Ökosystems in Österreich muss genutzt werden, um dringend notwendige Anreize für Risikokapital-Investitionen von Privatpersonen und institutionellen Investor:innen auf den Weg zu bringen. Für den Wirtschaftsstandort ist es essenziell, dass wir diese innovativen Unternehmen, ihr intellektuelles Kapital und auch die hochqualifizierten Arbeitsplätze in Österreich halten. Die aktuelle Aufbruchstimmung ist auch hier punktuell bereits bemerkbar: 2021 wurden wieder größere Fonds in Österreich aufgelegt“, so Haas.

„Unsere heimischen Business Angels unterstützen Start-ups hervorragend bei der Frühphasenfinanzierung. Zusätzlich werden über die gut ausgeprägte Förderlandschaft weiteres Kapital und Ressourcen für junge Unternehmen zur Verfügung gestellt. Fehlende notwendige politische Rahmenbedingungen und Instrumente, wie z.B. steuerliche Erleichterungen für Investor:innen und ein Dachfonds, erschweren allerdings den Zugang zu Wachstumskapital in Österreich“, kommentiert Laura Egg, Managing Director der Austrian Angel Investors Association (AAIA).

„Solange hier fast ausschließlich ausländische Investor:innen zum Zug kommen, fließt auch bei einem Exit der Großteil der Gewinne nicht nach Österreich zurück und kann somit nicht hier reinvestiert werden. Weiters verlagern sich auch zunehmend die wirtschaftliche Leistung und die Schaffung von Arbeitsplätzen zu anderen Standorten. Solange dieser Kreis der Wertschöpfung nicht in Österreich geschlossen werden kann, wird die langfristige Wirtschaftsleistung leiden“, so Egg.

Nina Wöss, Vorstandsvorsitzende der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO), ergänzt: „Das EY Start-up Investment Barometer zeigt, dass es Österreich nicht an spannenden Investment-Targets mangelt. Die Anzahl und Höhe der Investmentrunden sprechen eine klare Sprache und zeigen das Potential des Standorts. Zugleich zeigen die Zahlen einmal mehr, dass am heimischen Kapitalmarkt ein großes Defizit an Wagniskapital besteht. Wollen wir die heimischen Leitbetriebe von morgen aufbauen und nachhaltig Arbeitsplätze in Österreich sichern, so ist eine Stärkung des vorbörslichen Kapitalmarkts essenziell. Institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen und Banken spielen hier eine tragende Rolle. Was es dafür braucht ist ein Dachfonds sowie die Schaffung von attraktiven rechtlichen Rahmenbedingungen für Fonds-Manager:innen.“

Mehr als die Hälfte der Start-up-Investor:innen kommt aus Österreich

An den 103 Finanzierungsrunden, bei denen die Investor:innen bekannt sind, waren insgesamt (mindestens) 299 Investor:innen beteiligt. Immerhin 151 dieser namentlich bekannten Investor:innen – also 51 Prozent – haben ihren Firmenhauptsitz in Österreich. Am zweithäufigsten waren Investor:innen mit Hauptsitz in Deutschland vertreten (42), auf dem geteilten dritten Rang folgen Investor:innen mit Hauptsitz in Großbritannien und in den USA (jeweils 26). Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern spielen Geldgeber:innen aus Asien hierzulande kaum eine Rolle. 

Österreichische Geldgeber:innen investieren in Hardware und Health

Am größten war der Anteil an heimischen Investorengruppen bei Finanzierungsrunden 2021 im Bereich Hardware, wo immerhin 62 Prozent der hier bei den acht Finanzierungsrunden beteiligten namentlich bekannten Investor:innen aus Österreich stammen. Knapp dahinter folgt der Bereich Health mit 61 Prozent österreichischen Investorengruppen. Am niedrigsten war 2021 der Anteil der Inlandsinvestoren in den Bereichen FinTech und Mobility: Hier hatte jeweils nicht einmal jede:r vierte beteiligte Investor:in seinen Firmenhauptsitz in Österreich.

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EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter:innen an vier Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2020/2021 einen Umsatz von 157 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 280.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie Transaktionsberatung und Managementberatung. 

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at  

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.