Pressemitteilung

11 August 2022 Wien, AT

EY Start-up Investment Barometer 1/2022

Drei Viertel des Risikokapitals für österreichische Start-ups kommen von ausländischen Investorengruppen

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Sarah Mauracher

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Nina Eggenberger

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Österreich

Verwandte Themen Startups Wachstum
  • Gesamtwert der Investitionen in österreichische Start-ups im ersten Halbjahr steigt im Vergleich zum Rekordjahr 2021 nochmals um 67 Prozent
  • Zahl der Finanzierungsrunden klettert im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 um 13 Prozent von 67 auf 76 – das Volumen steigt von 529 Millionen Euro auf 881 Millionen Euro
  • An 79 Prozent der Finanzierungsrunden waren österreichische Investor:innen beteiligt – 45 Prozent wurden rein von heimischen Geldgeber:innen getragen 
  • Bei großen Finanzierungsrunden spielen heimische Investor:innen aber eine geringe Rolle: Fast drei Viertel des Risikokapitals kommen von ausländischen Geldgeber:innen 
  • Je größer die Runde, desto weniger sind österreichische Investor:innen beteiligt: Anteil heimischer Geldgeber:innen aber im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen

   Ergebnisse des EY Start-up Investment Barometers

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Nachdem 2021 weltweit alle Rekorde in Hinblick auf Start-up-Finanzierungen geknackt wurden, haben steigende Zinsen, wirtschaftliche Unsicherheiten, Inflation und eine drohende Rezession das Marktumfeld stark eingetrübt. Besonders betroffen davon sind börsennotierte Tech-Unternehmen sowie hoch bewertete Scale-ups oder Unicorns mit Fokus auf ein starkes, schnelles Wachstum. Weltweit haben Unicorns in den vergangenen Monaten aufgrund des schwierigen Marktumfelds für Finanzierungsrunden Mitarbeitende entlassen. Auch in Österreich stellen sich Start-ups auf wirtschaftlich schwierige Zeiten ein.

In den Zahlen für das erste Halbjahr 2022 lässt sich hingegen noch keine Eintrübung des Finanzierungsmarkts für österreichische Start-ups erkennen. Im Gegenteil: Österreichische Start-ups erhielten im ersten Halbjahr 2022 mehr frisches Kapital als je zuvor. Mit insgesamt 881 Millionen Euro wurde das Volumen des Vorjahreszeitraums um 67 Prozent überschritten. Österreichs Start-ups sammelten sogar noch mehr Kapital ein als im bisherigen Rekordzeitraum, dem zweiten Halbjahr 2021. Allerdings vereinigten die zwei großen Finanzierungsrunden von GoStudent mit 300 Millionen Euro sowie TTTech Auto mit 250 Millionen Euro 62 Prozent gesamten Investitionskapitals auf sich. 

Der Anteil an österreichischen Geldgeber:innen in den Finanzierungsrunden ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen: An 79 Prozent der Finanzierungsrunden, bei denen Angaben zu den beteiligten Investorengruppen veröffentlicht wurden, waren heimische Investor:innen beteiligt – im ersten Halbjahr 2021 waren es 71 Prozent. 45 Prozent wurden sogar rein von heimischen Investor:innen getragen, 2021 waren es 44 Prozent. Dennoch stammen drei Viertel (73 %) der Gesamtfinanzierungssumme von rein international besetzten Investorengruppen. Auch hier zeigt sich eine stärkere Beteiligung von heimischen Geldgeber:innen als im Jahr davor, wo sogar 90 Prozent der Investmentsumme von nicht-österreichischen Investorengruppen bereitgestellt wurden.

Das sind die Ergebnisse des Start-up Investment Barometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY in Zusammenarbeit mit der Austrian Angel Investors Association (AAIA) und der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO). Berücksichtigt wurden veröffentlichte Finanzierungsrunden in Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt. 

„In Österreich ist der Start-up-Höhenflug trotz des bereits stürmischen Umfelds auch im ersten Halbjahr 2022 weitergegangen. Noch nie wurde in einem Halbjahr so viel Kapital in Start-ups gesteckt wie heuer. Diese Zahlen dürfen aber nicht zu dem Trugschluss führen, dass der Boom des Rekordjahres 2021 in Österreich ungebremst weitergeht. Viele Finanzierungsrunden wurden bereits 2021 oder in den noch starken ersten Monaten 2022 auf den Weg gebracht und jetzt abgeschlossen. Gerade bei der Wachstumsfinanzierung, die in Österreich immer noch fast ausschließlich durch internationale Investorengruppen getätigt wird, wird sich die starke Zurückhaltung von Risikokapitalgeber:innen in den nächsten Monaten niederschlagen“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.

„Die Devise lautet nach wie vor: Je größer die Runde, desto weniger sind österreichische Investor:innen beteiligt. Allerdings gibt es einen leichten Trend zu einer stärkeren Beteiligung von österreichischen Investorengruppen bei Wachstumsfinanzierungsrunden. Bei der Hälfte der zehn größten Finanzierungsrunden waren heimische Geldgeber:innen beteiligt, auch wenn immer noch drei Viertel des Kapitals von ausländischen Investorengruppen kommen und diese auch den Lead in höheren Wachstumsphasen übernehmen. Gerade auch in Anbetracht der Eintrübung des wirtschaftlichen Umfelds ist eine Stärkung des heimischen Kapitalmarkts und eine Reduzierung der Abhängigkeit von ausländischen Geldgeber:innen essenziell: Viele international tätige Geldgeber:innen sind nervös, die Risikobereitschaft sinkt, ebenso wie die Bereitschaft zu investieren. Gerade in der Wachstumsphase fokussieren Investor:innen auf das eigene Portfolio und werden in den nächsten Monaten sehr zurückhaltend investieren, insbesondere wenn der Fokus nicht in ihren Kernmärkten liegt“, so Haas.

„Österreichische Start-ups stehen auf ihrem Wachstumskurs früher oder später vor der Situation, dass sie das für ihre Skalierung und Internationalisierung benötigte Kapital nur jenseits der Landesgrenzen lukrieren können. Gerade bei Finanzierungsrunden ab dem zweistelligen Millionenbereich ist die Abhängigkeit von Geldgeber:innen aus Übersee groß, da es in Österreich kaum Wachstumsfinanzierer:innen gibt“, führt Haas aus.

Österreichische Investor:innen geben Starthilfe, ausländische Geldgeber:innen finanzieren Wachstum

Bei frühphasigen Investmentrunden sind dementsprechend auch klar heimische Investorengruppen führend: In Pre Seed- (76 %) und Seed-Finanzierungsrunden (56 %), bei denen Angaben zu Investor:innen und der Art der Finanzierungsrunde bekannt sind, stellten sie jeweils die Mehrheit der Kapitalgeber:innen. Das ändert sich, sobald es von der Anschub- zur Wachstumsfinanzierung geht: Liegt der Anteil österreichischer Geldgeber:innen bei Series-A-Finanzierungsrunden noch zumindest bei 47 Prozent, sind es bei Series-B-Runden im ersten Halbjahr 2022 nur zehn Prozent. An den insgesamt sechs Series B-, Series C- und Corporate-Finanzierungsrunden, bei denen Angaben zu den Investor:innen vorliegen, hatte lediglich jede:r zehnte beteiligte Investor:in (Series B) bzw. kein:e Investor:in (Series D und Corporate Series) den Hauptsitz in Österreich.

„Während die Anschubfinanzierung in Österreich insbesondere über Business Angels nach wie vor funktioniert, stehen heimische Investor:innen bei großen Finanzierungsrunden oft nur an der Seitenlinie, während vor allem Venture Capital Fonds aus den USA und UK das Spiel gestalten und sich auf ihrer europäischen Shopping-Tour in Österreichs Top-Start-ups einkaufen. Nur eine nachhaltige Stärkung des heimischen Kapitalmarkts und dringend notwendige Anreize für Risikokapital-Investitionen von Privatpersonen und institutionellen Investor:innen können langfristig die Abwanderung von intellektuellem Kapital und den Verlust von Arbeitsplätzen verhindern“, ergänzt Haas.

„Österreichische Scale-ups haben im 1. Halbjahr 2022 Rekordsummen eingesammelt und wie auch in den vergangenen Jahren dazu auf ausländisches Kapital zurückgreifen müssen. Beim ansteigenden Wachstum dieser Unternehmen wird der Anteil von internationalen Investor:innen am gesamt Finanzierungsvolumen jedes Jahr größer bzw. liegt jetzt schon bei 73 Prozent. Das notwendige Kapital wäre allerdings reichlich vorhanden und wird aktuell von österreichischen Kleinanlegern und institutionellen Investoren wie Banken, Versicherungen, Stiftungen, und Pensionskassen gebunkert. Zusätzlich sollte auch die Anzahl an Investitionen unter zehn Million Euro gesteigert werden, statt zu stagnieren. Hier würden steuerliche Erleichterungen für einen notwendigen Aufschwung sorgen“, kommentiert Laura Egg, Managing Director der Austrian Angel Investors Association (AAIA).

„Angesichts des aktuellen geopolitischen Kontexts und seiner kurz- bis mittelfristigen Perspektiven ist es für Österreich umso wichtiger, einen einfachen und ausreichenden Zugang zu Investitionen für alle innovativen Projekte und Start-ups sicherzustellen, insbesondere in den Bereichen Energie, Gesundheit, Umwelt und IT. Die Schaffung günstiger Bedingungen für Startups sowie Investor:innen ist ein wesentlicher Schritt in eine autonomere und nachhaltigere Zukunft des Landes“, sagt Nina Wöss, Vorstandsvorsitzende der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO).

Bei den Finanzierungsrunden mit einem Finanzierungsumfang von mehr als zehn Millionen Euro waren unter den 39 Investor:innen nur sieben Kapitalgeber mit Hauptsitz in Österreich (18 %). Lediglich bei kleineren Finanzierungsrunden im Umfang von bis zu einer Million Euro waren mehrheitlich österreichische Geldgeber beteiligt: So hatten hier immerhin 45 der 62 verzeichneten Investor:innen ihren Hauptsitz in Österreich (73 %).

Unter den 45 Investor:innen der zehn größten Finanzierungsrunden im ersten Halbjahr 2022 befinden sich 17 Kapitalgeber:innen mit Sitz im angelsächsischen Raum (Großbritannien, USA),17 Kapitalgeber:innen mit Sitz im europäischen Ausland, acht Investor:innen mit Sitz in Österreich und drei Investor:innen mit Sitz im Raum Asien-Pazifik. Die Hälfte der Top-10-Abschlüsse fand ohne Beteiligung österreichischer Kapitalgeber:innen statt, darunter die beiden Top-Deals für GoStudent und TTTech Auto.

Mehr als die Hälfte der Start-up-Investor:innen kommt aus Österreich

An den 67 veröffentlichten Finanzierungsrunden waren insgesamt 176 Investor:innen beteiligt. Immerhin 95 dieser namentlich bekannten Investor:innen (54 %) haben ihren Firmenhauptsitz in Österreich. Am zweithäufigsten waren Investor:innen mit Hauptsitz in Deutschland vertreten (28). Es folgen Investor:innen aus Großbritannien (14) vor Investor:innen aus den USA (13).

Österreichische Geldgeber:innen investieren in Media & Entertainment und Software

Am höchsten war im ersten Halbjahr 2022 der Anteil an Inlandsinvestoren im Bereich Media & Entertainment: Bei den vier Abschlüssen lag der Anteil an österreichischen Kapitalgeber:innen bei 88 Prozent. Zudem waren an allen vier Deals österreichische Investor:innen beteiligt. Im Bereich Software & Analytics, der SaaS, Artificial Intelligence, Virtual Reality, Blockchain, Cloud, Cyber Security sowie Data Analytics umfasst, kommen 69 Prozent der an den 20 Runden beteiligten Investor:innen aus Österreich – damit waren bei 90 Prozent der Finanzierungsrunden in diesem Bereich heimische Geldgeber:innen beteiligt. Am niedrigsten war im ersten Halbjahr 2022 der Anteil der Inlandsinvestor:innen im Bereich Mobility: Hier hatten nur 36 Prozent der beteiligten Investor:innen ihren Firmenhauptsitz in Österreich. Allerdings waren an drei der fünf Abschlüsse Kapitalgeber:innen aus dem Inland beteiligt.

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EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt über 1.000 Mitarbeiter:innen an vier Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2020/2021 einen Umsatz von 157 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 300.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung sowie Transaktionsberatung und Managementberatung. 

Weitere Informationen finden Sie unter www.ey.com/at  

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.