3 Minuten Lesezeit 22 Jänner 2020
Intelligente Glühbirne

Fremde Branchen auch im Energiesektor am Vormarsch

Von

Stefan Uher

Partner, Leiter Energiewirtschaft, Leiter Financial Accounting Advisory Services | Österreich

Ist neben der Wirtschaftsprüfung insbesondere im Bereich Rechnungslegungsberatung tätig. Der ehemalige österreichische Handball-Nationalspieler lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Wien.

3 Minuten Lesezeit 22 Jänner 2020

Welche Geschäftsfelder und Themen für Energieversorger in Zukunft im Fokus stehen sollten.

Wie in vielen anderen Branchen beobachten wir auch im Energiesektor eine zunehmende Verschmelzung verschiedener Industrien. Bisher branchenfremde Akteure wie zum Beispiel Automobilhersteller und Telekommunikationsunternehmen treten in den Markt ein. Umgekehrt eröffnen sich aber auf für Energieversorger neue Geschäftsfelder, beispielsweise im Bereich Elektromobilität. In diesem Bereich sind heute bereits viele Energieversorger aktiv – Tendenz steigend. Für Energieunternehmen ist es deshalb unumgänglich eine agile und innovationsfördernde Unternehmenskultur ganz oben auf der Agenda zu setzen.

Stadtwerkestudie 2019

Trennung Strompreiszonen und Fachkräftemangel erschweren Prognosen

Die Erwartungen der österreichischen Energieversorgungsunternehmen für das aktuelle Geschäftsjahr sind zurückhaltend. Nur 65 Prozent erwarten, auch im laufenden Jahr an den Erfolg im letzten Jahr anknüpfen zu können. Die Trennung der Strompreiszone im Herbst 2018 hat erheblichen Einfluss auf die zurückhaltenden Erwartungen für das diesjährige Geschäftsjahr. Damit ist die Volatilität der Strompreise in Österreich stark gestiegen, eine valide Einschätzung für die weitere Entwicklung fällt dadurch deutlich schwerer.

Zudem tragen ein hoher Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs und Personal zur vorsichtigen Einschätzung der Entwicklung für dieses Jahr bei. Neun von zehn der befragten Energieversorger beschäftigen sich im heurigen Jahr verstärkt mit der Suche nach geeigneten Fachkräften.

Damit liegt die Energiewirtschaft sogar über dem ohnehin schon hohen Durchschnitt der Unternehmen in Österreich. 83 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben gemäß den Ergebnissen des EY Mittelstandsbarometer 2019 große Probleme bei der Suche nach geeignetem Personal. Neben der branchenübergreifenden Thematik des Fachkräftemangels nennen die heimischen Energieunternehmen auch die Optimierung interner Prozesse und Digitalisierung als große Herausforderungen. Diese Einschätzung deckt sich auch mit den Ergebnissen in Deutschland – auch hier rangieren die genannten Themen unter den Top-3-Nennungen.

Neben der Suche nach geeigneten Fachkräften beschäftigt zudem das Thema Digitalisierung die Energieversorger. Digitalisierung wird eindeutig als Zukunftsthema wahrgenommen –zwei Drittel (65%) erkennen darin eine Chance, jeder Fünfte sieht darin hingegen eine Bedrohung. Die Angst vor den Schattenseiten des digitalen Wandels ist auch aus unserer Perspektive angesichts der zunehmenden Anzahl an Cyberattacken, bei denen große Mengen an Daten gestohlen werden, nachvollziehbar.

Stadtwerkestudie 2019

Smart Metering kaum ins Produktportfolio integriert

Österreichische Energieversorger integrieren Smart Metering noch kaum in ihr Produktportfolio. Nur etwa 10 bis 15 Prozent der heimischen Betriebe bieten ihren Kunden aktuell smart-meter-basierte Angebote. Ein Grund für die bislang zurückhaltende Integration von Smart-Meter-Angeboten in Produkte der Energieversorger ist sicherlich die noch niedrige Roll-out-Quote. Ende 2018 waren etwas mehr als eine Million intelligente Messysteme in Österreich installiert. Das entspricht einem Implementierungsstand von unter 20 Prozent. Laut gesetzlichen Vorgaben muss die österreichische Energiewirtschaft bis 2020 80 Prozent der österreichischen Haushalte mit intelligenten Messgeräten für den Stromverbrauch ausstatten.

Dabei beschränken österreichische Energieunternehmen ihr smart-meter-basiertes Produktportfolio zurzeit auf variable Tarife und die Verbrauchsvisualisierung. Auch spartenübergreifende Bündelablesungen sind bereits im Einsatz. Dabei würde Smart Metering weitaus mehr Potenzial bieten, beispielsweise im Hinblick auf die Datenvermarktung. Viele Energieversorger haben datenschutzrechtliche Bedenken – trotzdem sollte dieses Geschäftsfeld nicht völlig ignoriert werden. Denn auch andere Branchen haben bereits beachtliche Potenziale mit scheinbar wertlosen Nutzerdaten heben können.

Fazit

Immer mehr branchenfremde Akteure treten in den Energiemarkt ein, gleichzeitig fordern verschiedenste Themen Österreichs Energiewirtschaft. Unsere Insights helfen Ihnen dabei, auch in Zukunft relevant zu bleiben.

Über diesen Artikel

Von

Stefan Uher

Partner, Leiter Energiewirtschaft, Leiter Financial Accounting Advisory Services | Österreich

Ist neben der Wirtschaftsprüfung insbesondere im Bereich Rechnungslegungsberatung tätig. Der ehemalige österreichische Handball-Nationalspieler lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Wien.