2 Minuten Lesezeit 23 Oktober 2020
Parkplatz für eine Elekroauto-Ladestation

Elektroautos: hohe Förderungen und Steuererleichterungen

Von Klaus Pfleger

Partner, International Tax and Transaction Services | Österreich

Als Steuerberater aus Leidenschaft begleitet er seine Kunden bei allen Herausforderungen und Veränderungen. Seine Freizeit verbringt er mit seiner Familie und seinen drei Kindern.

2 Minuten Lesezeit 23 Oktober 2020

Die Anschaffung und der Betrieb von Elektroautos durch Unternehmen werden derzeit umfangreich gefördert. Wir zeigen, was dabei beachtet werden muss. 

Viele große Autohersteller haben schon rein elektrisch betriebene Elektroautos in ihrem Programm. Ein Problem in der Praxis ist die oft noch ungenügende Reichweite. Wer derzeit für seinen Betrieb ein Fahrzeug mit rein elektrischem Antrieb erwirbt, auf den warten für die Anschaffung und den laufenden Betrieb umfangreiche Förderungen und Steuererleichterungen. Für Elektrofahrzeuge mit Bruttoanschaffungskosten von bis zu 60.000 Euro gibt es die folgenden Förderungen und Steuererleichterungen (Stand Oktober 2020):

  • Für die Anschaffung von neuen Elektrofahrzeugen gibt es einen E-Mobilitätsbonus in der Höhe von 5.000 Euro.  Dieser besteht aus einer staatlichen Förderung von 3.000 Euro und 2.000 Euro vom Autohändler. Der Brutto-Listenpreis (Basismodell ohne Sonderausstattung) darf 60.000 Euro nicht überschreiten. Die Registrierung, Antragstellung und Abwicklung erfolgen online. Das Fahrzeug muss mit Strom aus erneuerbaren Energieträgern betrieben werden. Registrierungen müssen bis 31. Dezember 2020 erfolgen. Einen E-Mobilitätsbonus gibt es auch für Privatpersonen. Zusätzlich gibt es auch Förderungen für die Errichtung von Ladeinfrastruktur in Unternehmen.
  • 14 Prozent Investitionsprämie: Seit 1. September 2020 können Betriebe einen Antrag auf Auszahlung einer COVID-19 Investitionsprämie für Unternehmen stellen. Diese wird als Förderprogramm von der aws (Austria Wirtschaftsservice GmbH) abgewickelt. Gefördert wird die Anschaffung von neuen und gebrauchten Elektrofahrzeugen. Der Bruttolistenpreis muss unter 60.000 Euro liegen. Die Bestellung hat bis spätestens 28. Februar 2021 zu erfolgen. Die Antragstellung bei der aws sollte rasch erfolgen (spätestens jedoch bis 28. Februar 2021), da die Fördermittel insgesamt mit 2 Milliarden Euro begrenzt sind. Der Betrieb mit Strom aus erneuerbaren Energien ist keine Voraussetzung für die Förderung. Der Ankauf von bereits davor im Unternehmen genutzten Elektrofahrzeugen (beispielsweise durch Herauskaufen aus einem Leasingvertrag) wird nicht gefördert. Als Besonderheit gilt, dass die Investitionsprämie die steuerliche Abschreibungsbasis nicht reduziert.
  • Im Rahmen der COVID-19 Gesetzgebung wurde das Wahlrecht eingeführt, bestimmte Wirtschaftsgüter (darunter auch Elektrofahrzeuge) degressiv abzuschreiben. Hier wird ein Prozentsatz von bis zu 30 Prozent auf den jeweiligen Buchwert angewendet. Damit erfolgt insbesondere in den ersten Jahren eine wesentlich schnellere Abschreibung. Die 14 Prozent Investitionsprämie reduziert nicht die steuerliche Abschreibungsbasis für die degressive Abschreibung. 
  • Während für Personenkraftwägen und Kombis grundsätzlich kein Vorsteuerabzug zusteht, gibt es für betrieblich verwendete PKW und Kombis mit rein elektrischem Antrieb sowohl für die Anschaffung als auch den laufenden Betrieb den vollen Vorsteuerabzug bei einem Kaufpreis inklusive 20 Prozent Umsatzsteuer von bis zu 40.000 Euro. Liegen die Anschaffungskosten zwischen 40.000 Euro und 80.000 Euro, steht zwar der volle Vorsteuerabzug zu, er ist aber durch eine Eigenverbrauchsbesteuerung insoweit zu neutralisieren, als die tatsächlichen Anschaffungskosten 40.000 Euro übersteigen.
  • Eine weitere steuerliche Begünstigung gilt für die Privatnutzung von arbeitgebereigenen Kraftfahrzeugen: Während der Sachbezug pro Monat sonst 2 Prozent der Bruttoanschaffungskosten von bis zu 48.000 Euro und damit bis zu 960 Euro pro Monat beträgt (bzw. 1,5 Prozent bei geringerem CO2 Emissionswert), beträgt der Sachbezug bei einem CO2-Emissionswert von O Gramm Null. Damit fallen weder Lohnsteuer noch Sozialversicherungsbeiträge an und der Arbeitgeber erspart sich Lohnnebenkosten wie Kommunalsteuer, DB und DZ auf den Sachbezug.
  • Zusätzlich sind Elektrofahrzeuge von der Normverbrauchsabgabe befreit, die sonst bei der erstmaligen Zulassung oder Lieferung von PKWs und Kombis fällig wird. Im laufenden Betrieb sind reine Elektrofahrzeuge von der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit.
  • Die steuerliche Angemessenheitsgrenze von 40.000 Euro für PKW und Kombis bewirkt, dass die von den Anschaffungskosten abhängigen Aufwendungen wie Afa und Leasingraten sowie Kasko- und Haftpflichtversicherung entsprechend zu kürzen sind, wenn die Anschaffungskosten 40.000 Euro übersteigen. Dies gilt grundsätzlich auch für Elektrofahrzeuge. Da die relevanten Anschaffungskosten jedoch aufgrund der umfassenden Förderungen und Steuererleichterungen niedriger sind (relevant ist der Nettoanschaffungspreis ohne Umsatzsteuer und ohne NoVA, abzüglich E-Mobilitätsbonus und Investitionsprämie), werden die Auswirkungen der Angemessenheitsgrenze deutlich gemildert.

Wenn die Bruttoanschaffungskosten 60.000 Euro übersteigen, stehen die Erleichterungen nicht mehr in vollem Umfang zu. Der E-Mobilitätsbonus ist mit einem Bruttolistenpreis von 60.000 Euro begrenzt. Die Investitionsprämie reduziert sich bei einem Bruttolistenpreis von mehr als 60.000 Euro zwar von 14 Prozent auf 7 Prozent, kann aber unabhängig von auch bei noch deutlich höheren Anschaffungskosten beantragt werden. Übersteigen die Bruttoanschaffungskosten 80.000 Euro, steht kein Vorsteuerabzug mehr zu. Die degressive Abschreibung ist mit keiner Anschaffungskostenobergrenze begrenzt. Auch der Sachbezug bei Privatnutzung beträgt bei noch höheren Anschaffungskosten unverändert Null. 

Für gebraucht angeschaffte Elektrofahrzeuge gelten alle oben beschriebenen Erleichterungen mit Ausnahme des E-Mobilitätsbonus, der nur für die Anschaffung von neuen Elektrofahrzeugen in Anspruch genommen werden kann.

Auch für betrieblich genutzte Fahrzeuge mit Plug-in Hybrid und Range Extender gibt es attraktive Förderungen und steuerliche Begünstigungen (Stand Oktober 2020):

  • Wenn die vollelektrische Reichweite mindestens 50 Kilometer beträgt und der Brutto-Listenpreis (Basismodell ohne Sonderausstattung) 60.000 Euro nicht überschreitet, gibt es von staatlicher Seite einen E-Mobilitätsbonus von 1.250 Euro und weitere 1.250 Euro vom Fahrzeughändler. Fahrzeuge mit Dieselantrieb sind nicht förderfähig. Auch hier darf der Strom nur aus erneuerbaren Energieträgern stammen. 
  • Bei Bestellung bis spätestens 28. Februar 2021 kann eine 7 Prozent Investitionsprämie bei der aws beantragt werden. Für die Investitionsprämie muss die vollelektrische Reichweite 40 Kilometer betragen und der Brutto-Listenpreis (Basismodell) darf 70.000 Euro nicht übersteigen. Auch hier sollte die Antragstellung rasch erfolgen (spätestens jedoch bis 28. Februar 2021), da die Fördermittel insgesamt mit 2 Milliarden Euro begrenzt sind. Die Investitionsprämie reduziert die steuerliche Abschreibungsbasis nicht.
  • Eine degressive Abschreibung ist für Hybridmodelle nicht möglich. Hier hat der Gesetzgeber offenbar bewusst nur Fahrzeuge mit rein elektrischem Antrieb begünstigt.
  • Im Bereich der Umsatzsteuer gibt es keinen Unterschied zu Fahrzeugen mit reinem Verbrennungsmotor und damit auch keinen Vorsteuerabzug für die Anschaffung, für Leasing und den laufenden Betrieb.
  • Aufgrund des geringeren CO2-Emissionswertes kommt in der Regel nur der 1,5 Prozent Sachbezug für die Privatnutzung von arbeitgebereigenen Kraftfahrzeugen zur Anwendung. Dies macht Hybridmodelle auch als Firmenautos mit Privatnutzung attraktiv.
  • Hybridfahrzeuge sind zwar nicht von der Normverbrauchsabgabe befreit, aufgrund der geringeren CO2 Emissionen fällt in der Regel aber keine Normverbrauchsabgabe an, was die Anschaffung günstiger macht. Die motorbezogene Versicherungssteuer fällt nur für den verbrennungsmotorischen Anteil an. 

Fazit

Die Anschaffungskosten von Elektroautos sind in der Regel deutlich höher als von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Die höheren Anschaffungskosten und die begrenzte Reichweite haben bislang viele Betriebe von der Anschaffung von Elektroautos abgehalten. Durch die umfangreichen Steuererleichterungen und Förderungen ist die betriebliche Anschaffung von Elektroautos nun deutlich attraktiver geworden. Besonders attraktiv sind Elektroautos, wenn sie von Mitarbeitern auch privat genutzt werden dürfen. In deutlich geringerem Umfang gibt es für Betriebe auch steuerliche Begünstigungen und Förderungen für Hybridfahrzeuge.

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Von Klaus Pfleger

Partner, International Tax and Transaction Services | Österreich

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