5 Minuten Lesezeit 27 Februar 2020
Mann geht durch ein Ährenfeld

Wie sich das Klima im Mittelstand wandelt

Von Gunther Reimoser

Country Managing Partner | Österreich

Berater und Prüfer aus Leidenschaft. Lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in seinem Heimatort Perchtoldsdorf. Passionierter Fußballer, Läufer und Mountainbiker.

Co-Autoren
5 Minuten Lesezeit 27 Februar 2020

Die Stimmung im österreichischen Mittelstand ändert sich spürbar – auch was das Thema Nachhaltigkeit betrifft.

Österreichs mittelständische Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung im Hinblick auf den Klimawandel bewusst und sehen Nachhaltigkeit als Chance für das eigene Geschäft. Zwei Drittel sind der Meinung, dass ihr Betrieb durch verstärkte Nachhaltigkeitsinitiativen geschäftlich profitieren kann. Die Auswirkungen auf das Geschäftsmodell sind hingegen noch nicht absehbar, hier herrscht große Uneinigkeit im österreichischen Mittelstand: Ungefähr gleich viele Unternehmen sehen den Klimawandel als Chance bzw. Risiko. Nur jedes dritte Unternehmen setzt bereits auf eine Nachhaltigkeits- und Klimastrategie, fast ein Fünftel will eine solche Strategie in den nächsten zwei Jahren entwickeln.  

Zwar gewinnt das Thema Nachhaltigkeit immer mehr an Zuspruch, allerdings sind die Unternehmen noch unschlüssig, wie sie das Potenzial am besten nutzen können. Wichtig ist, dass Klimaschutz nicht nur eine Modeerscheinung bleibt, sondern Teil der Wirtschafts- und Standortpolitik jedes Staates, Teil der Strategie jedes Unternehmens und Teil des Lebens jedes Menschen wird. Unternehmen müssen ihre Strategie ebenso wie ihr Risikomanagement unter Ökologisierungsaspekten weiterentwickeln und umgestalten. Bereits jetzt sehen sich Österreichs Unternehmen in der Verantwortung und treffen in vielen Fällen bereits erste Maßnahmen, um ihren Teil beizutragen.

EY Mittelstandsbarometer 2020

69%

der Unternehmen sind der Meinung, dass sie von Nachhaltigkeitsaktivitäten geschäftlich profitieren können.

Besonders hoch werden die Chancen durch Nachhaltigkeit in den Branchen Tourismus und Industrie eingeschätzt. Nur sechs Prozent der an der Umfrage teilgenommenen Unternehmen gaben an, dass sich eine Steigerung der Nachhaltigkeitsinitiativen nicht auf das Geschäft auswirken würde.

Österreichs Unternehmen brauchen eine Nachhaltigkeits- und Klimastrategie

Immerhin 35 Prozent der Mittelstandsunternehmen in Österreich verfügen bereits über eine eigene Nachhaltigkeits- oder Klimastrategie. Weitere 19 Prozent der Unternehmen planen, diese innerhalb der nächsten zwei Jahre zu entwickeln. Vorreiter in diesem Bereich sind die Sektoren Industrie sowie Transport und Verkehr, in denen 66 Prozent bzw. 62 Prozent bereits über eine entsprechende Strategie verfügen oder in den nächsten zwei Jahren die Einführung einer solchen planen. Allerdings gibt fast jedes zweite Unternehmen an, keine Nachhaltigkeits- oder Klimastrategie zu haben und auch in Zukunft keine Entwicklung einer solchen zu planen.

Die Frage, ob Unternehmen Nachhaltigkeitsthemen in ihrer Strategie berücksichtigen sollten, stellt sich mittlerweile nicht mehr. Anleger, Stakeholder und Kunden erwarten zu Recht, dass sich Betriebe ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind und diese auch wahrnehmen. Bei der Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie ist es wichtig, dass diese nicht losgelöst von der Unternehmensstrategie initiiert wird, sondern von Beginn an als integrativer Teil dieser fungiert. Die Zeiten, in denen Nachhaltigkeit ein Nischenthema war, sind definitiv vorbei.

Unklar, wie sich der Klimawandel auf Geschäftsmodelle auswirken wird

Hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels auf das eigene Geschäftsmodell herrscht in Österreich noch ein eher unklares Bild vor. Gut jedes vierte Unternehmen sieht in den Auswirkungen des Klimawandels eine Chance für das eigene Geschäftsmodell, beinahe genauso viele erkennen darin aber ein Risiko. Zudem ist jedes zweite befragte Unternehmen der Ansicht, dass sich der Klimawandel nicht auf das eigene Geschäftsmodell auswirken wird. Auch der Mittelstand in Deutschland ist sich uneins: Zwar gibt hier fast ein Drittel an, durch den Klimawandel eine Chance für das Geschäftsmodell zu erkennen, allerdings sehen auch bei unserem Nachbarn 21 Prozent darin ein Risiko.

Österreichs Unternehmen können die tatsächlichen Konsequenzen des Klimawandels für das eigene Unternehmen zurzeit nur schwer abschätzen. Für viele Betriebe bedeutet der Klimawandel allerdings eine fundamentale Transformation der Wertekultur und der Strategie. Im nächsten Schritt werden Unternehmen ihre Geschäftsmodelle unter nachhaltigen Aspekten weiterentwickeln und nicht vollkommen umkrempeln. Auch das neue Regierungsprogramm sieht zahlreiche Klimainitiativen vor und ist ganzheitlich auf ökologische und nachhaltige Aspekte ausgerichtet. Das wird sich natürlich auch auf die Unternehmen auswirken.

Berichterstattung zu Nachhaltigkeitsagenden und nicht-finanziellen Informationen

Aktuell berichtet nur ein knappes Drittel der Mittelstandsunternehmen umfassend über nicht-finanzielle Informationen oder Nachhaltigkeitsagenden, allerdings planen weitere 16 Prozent die Implementierung solcher Kommunikationsmaßnahmen in den nächsten zwei Jahren. In Deutschland liegt der Anteil jener Mittelstandsunternehmen, die bereits auch nicht-finanzielle Informationen umfassend offenlegen oder über ihre Nachhaltigkeitsagenda berichten mit 51 Prozent deutlich höher. Die Mehrheit der österreichischen Unternehmen zieht aktuell auch nicht in Erwägung, diese Informationen in naher Zukunft zu veröffentlichen.

Zwar ist der Anteil jener, die aktuell oder in naher Zukunft in Österreich über Nachhaltigkeitsagenden und nicht-finanzielle Informationen berichten wollen, erfreulich, allerdings sieht sich eine relativ große Gruppe noch immer nicht unter Zugzwang. Die Stakeholder von Unternehmen, besonders natürlich deren Kunden, informieren sich heute intensiver über die Produkte, die sie kaufen. Je transparenter ich als Unternehmen diesbezüglich kommuniziere, desto mehr komme ich diesem Informationsbedürfnis entgegen.

EY Mittelstandsbarometer 2020

Österreichs Mittelstand ergreift Maßnahmen zum Klimaschutz

Österreichs mittelständische Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung im Hinblick auf den Klimawandel bewusst und treffen bereits Maßnahmen, um zur Problemlösung beizutragen. Auf Rang eins der wichtigsten Maßnahmen steht die Bewusstseinsbildung bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, gefolgt von nachhaltigen Investitionsentscheidungen sowie einer Erhöhung des Anteils von Energie aus erneuerbaren Quellen. Auch beim deutschen Mittelstand rangieren diese drei Maßnahmen unter den Top-3. Hingegen spielen in Österreich Maßnahmen in Bezug auf den Verkehr wie die Ökologisierung des Fuhrparks oder die Reduktion von Reise- und Transporttätigkeiten aktuell eine eher untergeordnete Rolle.

Unsere heimischen Betriebe nehmen ihre gesellschaftliche Funktion wahr und wollen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dabei helfen, die aktuelle Informationsflut einzuordnen und selbst aktiv zu werden. In den nächsten Jahren wird es aber noch weitere Maßnahmen benötigen. Die Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, Österreich bis 2040 klimaneutral zu gestalten. Auch die Wirtschaft wird ihren Teil dazu beitragen. Erste Maßnahmen im Regierungsprogramm sehen beispielsweise ein Anreizsystem für nachhaltigere Fuhrparks oder auch steigende Kosten für Flugreisen vor. Das wird sich stark auf die Maßnahmen auswirken, die Unternehmen zum Klimaschutz treffen.

Fazit

Nachhaltigkeit ist auf dem Vormarsch. Wer jetzt die richtigen Maßnahmen ergreift und damit entsprechend dem gesellschaftlichen Wertewandel arbeitet, wird auch in Zukunft erfolgreich sein.

Über diesen Artikel

Von Gunther Reimoser

Country Managing Partner | Österreich

Berater und Prüfer aus Leidenschaft. Lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in seinem Heimatort Perchtoldsdorf. Passionierter Fußballer, Läufer und Mountainbiker.

Co-Autoren