5 Minuten Lesezeit 17 Dez. 2020
Photo of young woman carrying Christmas tree after shopping

Wie wirkt sich COVID-19 auf das Weihnachtsgeschäft aus?

Von Martin Gröli

Leader Consumer Goods & Retail Assurance | Switzerland

As globally responsible audit partner, he has been managing international audit mandates for many years. In private life, he is passionate cook, plays the piano and practices yoga.

5 Minuten Lesezeit 17 Dez. 2020

Weihnachten steht vor der Türe –die umsatzstärkste Zeit des Jahres für den Schweizer Detailhandel. Dieses Jahr klopft aber auch COVID-19 mit an. Fluch oder Segen für das Weihnachtsgeschäft? Wir haben nachgefragt.

In Kürze

  • Trotz Corona, das Weihnachtsgeschäft boomt wie eh und je: Das geplante Budget für Weihnachten beträgt so viel wie noch nie, eingekauft wird nach wie vor bevorzugt im stationären Handel.
  • Zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken gehören auch 2020 Spielwaren, Geschenkgutscheine und Lebensmittel, Reisen und Veranstaltungsbesuche hingegen verlieren deutlich.
  • Männer und kinderlose Paare möchten mehr ausgeben, Frauen weniger. Zürcher sind grosszügig, Tessiner sparsam.

Händeschütteln ist passé, die Maske unser ständiger Begleiter, die virtuelle Welt das neue Normal – die COVID-19-Pandemie hat unser Leben dieses Jahr mächtig auf den Kopf gestellt. Mit Blick auf das bevorstehende Weihnachten ist bei manchen die Stimmung gedämpft, bei anderen ist sie zuversichtlich. Einig sind sich aber wohl alle, es wird ein besonderes Weihnachten. Und das Weihnachtsgeschäft? Fällt es wie so manch anderes Corona zum Opfer oder ist der Geschenkedrang umso grösser?

Vieles ist anders, manches ist gleich

Um darauf eine Antwort zu finden, führte EY eine repräsentative Studie durch. Im Zeitraum zwischen dem 11. November und dem 7. Dezember 2020 liessen wir 400 Konsumentinnen und Konsumenten in allen Landesteilen der Schweiz telefonisch durch ein unabhängiges Marktforschungsinstitut befragen – mit dem Ziel, detaillierte Auskunft über geplante Käufe von Weihnachtsgeschenken zu erhalten. Das generelle Konsumverhalten in der Vorweihnachtszeit war dabei nicht Gegenstand der Umfrage. Und siehe da: Auch wenn COVID-19 vieles verändert hat, einiges scheint Bestand zu haben. Der Kauf von Weihnachtsgeschenken ist bei den Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten auch dieses Jahr fix eingeplant.

Ein pralles Weihnachtsbudget wie noch nie

Klar, die Vorfreude auf die Festtage und das vorweihnachtliche Shopping-Erlebnis sind aufgrund der aktuellen Umstände und Einschränkungen etwas getrübt – das sagen auch sieben von zehn Befragten. Das Weihnachtsshopping lassen sich die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten aber nicht verderben – im Gegenteil: Das geplante durchschnittliche Budget für Weihnachtsgeschenke beträgt dieses Jahr gemäss unserer Weihnachtsstudie 327 Franken pro Person, so viel wie noch nie in den letzten zehn Jahren. Der bisherige Höchststand wurde 2018 mit 310 Franken verzeichnet. Angesichts der unsicheren Zeiten überrascht diese Zahl auf den ersten Blick vielleicht etwas, auf den zweiten Blick aber ist sie nachvollziehbar, haben wir doch wegen der COVID-19-Pandemie ein aussergewöhnlich anspruchsvolles Jahr erlebt; viele Menschen machen sich Sorgen um die Zukunft oder haben Angehörige verloren. Trotz oder gerade wegen dieser schwierigen Zeit möchten sie sich und ihren Familien jetzt an Weihnachten etwas Gutes tun.

Unterschiede beim Geschlecht und den Regionen

Treiber für das hohe Budget sind vor allem Männer. Sie wollen durchschnittlich 393 Franken ausgeben; ihre Konsumbereitschaft ist gegenüber 2018 um 65 Franken gestiegen. Im Vergleich dazu shoppen Frauen mit einem durchschnittlichen Budget von 264 Franken deutlich bescheidener; ihre Konsumbereitschaft nahm um 27 Franken ab gegenüber dem Jahr 2018. Familien mit Kindern haben ein Geschenkebudget von 399 Franken und Singles eines von 221 Franken – ihre Budgets sind relativ konstant geblieben seit 2018. Anders sieht das bei kinderlosen Paaren aus. Ihr durchschnittliches Budget beträgt dieses Jahr 366 Franken, plus 59 Franken gegenüber 2018. Unterschiede gibt es auch zwischen den verschiedenen Regionen in der Schweiz: Mit 356 Franken sind die Konsumentinnen und Konsumenten der Region Zürich besonders grosszügig. Am sparsamsten sind mit durchschnittlich 150 Franken die Tessinerinnen und Tessiner.

Spielwaren top, Reisen flop

Ähnlich wie in den Jahren zuvor führen auch 2020 Spielwaren die Geschenkehitliste an, für die im Durschnitt 58 Franken ausgegeben werden, gefolgt von Geschenkgutscheinen und Geld (57 Franken), Lebensmittel und Süsswaren (46 Franken), Bücher (27 Franken) und Kosmetika (24 Franken). Dass Gesellschaftsspiele zu den meistgekauften Artikeln gehören, überrascht angesichts der anhaltenden Pandemie nicht – auch nicht, dass Reisen und Veranstaltungsbesuche deutlich weniger verschenkt werden. Ebenfalls unverändert bleibt der Zeitpunkt des Weihnachtsshoppings: 59% der Befragten kaufen ihre Geschenke wie bis anhin im Dezember.

Offline statt online

Etwas unerwartet zeigt sich jedoch die Art des Shoppings. Zweifelsohne hat die Digitalisierung mit der Corona-Pandemie einen riesigen Schub erlebt. Die virtuelle Welt hielt bei jeder und jedem in einer Form Einzug. Wir arbeiteten remote, unsere Kinder wurden im Homeschooling unterrichtet und wir kauften online ein. Umso erstaunlicher ist es, dass das Weihnachtsshopping im stationären Handel trotz COVID-19 einen noch immer sehr hohen Stellenwert einnimmt. 61 Prozent der 400 befragten Konsumentinnen und Konsumenten gaben an, die Weihnachtsgeschenke auch dieses Jahr in Warenhäusern, Einkaufszentren und Fachgeschäften zu kaufen. Nur hier können die Produkte direkt beurteilt werden und bei Bedarf steht eine fachkundige Beratung bereit – Argumente, die nach wie vor ziehen. Lediglich zehn Prozent der Befragten bevorzugen Online-Einkäufe. Zwar bleibt im Internet die haptische, sinnliche und emotionale Wahrnehmung auf der Strecke, dafür können Online-Einkäufe rund um die Uhr und von Zuhause aus erledigt werden, was gerade jetzt dem Schutz der Gesundheit dienlich ist. Von beiden Möglichkeiten Gebrauch machen wiederum 29 Prozent der Befragten. Die Studie zeigt damit deutlich: Trotz Corona und trotz Digitalisierungsschub, die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bleiben ihrem Verhalten hinsichtlich Weihnachtsgeschenke auch im 2020 treu.

COVID-19: Unterstützung in unsicheren Zeiten

Wir helfen Ihnen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, um die Kontinuität ihrer Abläufe zu sichern und Widerstandsfähigkeit aufzubauen.

Mehr erfahren

Kontaktieren Sie uns

 

Was immer getan werden muss, um Ihr Unternehmen zu unterstützen ​–​ wir stehen für Sie bereit.

 

Kontaktieren Sie uns

Fazit

Die COVID-19-Pandemie hat dieses Jahr vieles verändert, nicht aber das Weihnachtsshopping. Die repräsentative Studie von EY über geplante Käufe von Weihnachtsgeschenken zeigt, Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bleiben ihrem Verhalten treu: Das Budget für die Weihnachtsgeschenke ist auch dieses Jahr grosszügig – grosszügiger denn je – und eingekauft wird nach wie vor hauptsächlich im stationären Handel.

Über diesen Artikel

Von Martin Gröli

Leader Consumer Goods & Retail Assurance | Switzerland

As globally responsible audit partner, he has been managing international audit mandates for many years. In private life, he is passionate cook, plays the piano and practices yoga.