Ein Porträtfoto von Wim Ouboter
Weniger ist mehr.

Wim Ouboter

Wim Ouboter gründete 1999 das Unternehmen Micro Mobility Systems und arbeitet heute mit seinen beiden Söhnen Merlin und Oliver zusammen, um die Welt neu zu mobilisieren. Mittlerweile ist Micro Mobility Systems mit ihren Rollern, E-Scootern und Kickboards die weltweit führende Marke in Sachen Kurzstreckenmobilität. Und die Pionierleistung geht weiter: 2020 präsentierte die Familie den Microlino 2.0, ein kleines Auto für die urbane Mobilität. Damit hat sie den nächsten Trend in der Automobilbranche gesetzt.

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15 April 2021

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15 April 2021

Während das Coronavirus weiterhin die Schlagzeilen, die Politik und die Unternehmensagenden dominiert, beginnt sich eine neue Normalität abzuzeichnen. Die Art und Weise, wie wir die aktuellen Herausforderungen und Chancen angehen, wird den Weg für die Zukunft ebnen. Für Wim Ouboter, CEO und Gründer von Micro Mobility Systems, ist Bescheidenheit nicht erst seit der COVID-19-Pandemie eine Tugend. Warum «The New Normal» immer mehr Freiheiten und Erfüllung fordert und wieso die neue Normalität ein stärkeres Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit schafft, erzählt er im Gespräch mit uns.
Wie stellt sich die aktuelle Situation für deine Firma dar?

Wir sind in der glücklichen Position, dass wir von den aussergewöhnlichen Umständen profitieren. Unsere Produkte werden zurzeit mehr gekauft als noch vor Corona. Das liegt vor allem am stark wachsenden Online-Handel. Unsere Internationalität ist sicherlich ebenfalls ein Vorteil. Hinzu kommt der Trend, dass Menschen immer mehr Marken unterstützen wollen, die eine Botschaft vermitteln. Genau das tun wir mit unseren Produkten. Von der Geschäftsseite her betrachtet können wir uns deshalb nicht beklagen, im Gegenteil.

Hat sich die Art zu arbeiten bei Micro Mobility Services seit der COVID-19-Pandemie verändert?

Durch das Homeoffice sind natürlich deutlich weniger Leute in der Firma in Küsnacht präsent. Das hat Vor- und Nachteile. Ich nutze die Unterbesetzung, um Einzelgespräche mit allen Mitarbeitenden im Büro zu führen – nicht zwingend nur über das Geschäft, gerne auch mal über Gott und die Welt. Ich glaube, das wird sehr geschätzt. Auf der anderen Seite leidet der Teamspirit durch die vielen leeren Plätze vor Ort schon ein wenig. Eine Zoom-Konferenz ist eben doch nicht dasselbe wie in der Gruppe zusammenzusitzen. Immerhin: Dank des internationalen Charakters unserer Firma haben wir schon vor Corona mit Videoanruf-Diensten gearbeitet. Viele unserer Mitarbeitenden und Partner sind sich das also gewohnt.

Ich nutze die Unterbesetzung, um Einzelgespräche mit allen Mitarbeitenden im Büro zu führen.
Wim Ouboter
CEO and founder of Micro Mobility Systems
Was bedeutet für dich «The New Normal»?

Da gibt es mehrere Aspekte. Zum einen zeigt die neue Normalität, dass Menschen immer mehr Freiheit und Flexibilität wollen. Die Möglichkeit des Homeoffice gehört da ganz bestimmt dazu. Arbeitnehmende schätzen es, wenn sie zum Beispiel einen Wochentag fix von zuhause aus arbeiten können. Das gilt besonders für die junge Generation. Ausserdem spüre ich immer mehr, dass Menschen einer Arbeit nachgehen wollen, die sie erfüllt. Die Firma, die hinter einem Job steht, muss eine Vision und eine Mission haben – sie muss für etwas stehen. Heutzutage gilt immer mehr: Man arbeitet nicht einfach nur, um zu arbeiten – man will etwas bewegen. Dieser Trend wird sich meiner Meinung nach festsetzen und in Zukunft noch stärker werden.

Man arbeitet nicht einfach nur, um zu arbeiten – man will etwas bewegen.
Wim Ouboter
CEO and founder of Micro Mobility Systems
Du hast die Stichworte Vision und Mission angesprochen. Wofür steht Micro Mobility Systems?

Nachhaltigkeit ist vielleicht das wichtigste Thema überhaupt auf der Welt. Und Micro Mobility Systems steht für Nachhaltigkeit. Wir haben schon immer unser Bestes gegeben, um möglichst wenig Materialien für die Herstellung unserer Produkte zu verwenden und ressourcenschonend zu arbeiten. Ein weiterer Vorteil unserer Produkte ist deren Langlebigkeit. Die Kickboards und E-Scooter sind über mehrere Jahre im Einsatz. Und wenn doch mal etwas kaputt geht, kommt das Schlagwort «Reparierfähigkeit» zum Tragen. Wir reparieren heute noch Tretroller, die vor zehn Jahren gekauft wurden. So leisten wir unseren Beitrag für die Umwelt und für die nächste Generation. Ich bin überzeugt, dass der Aspekt des Reparierens und der Wiederverwendbarkeit von Produkten in Zukunft an Wichtigkeit gewinnen wird. Hier findet aktuell ein Umdenken statt.

Du siehst die Nachhaltigkeit demnach als zentrales Thema in der neuen Normalität?

Auf jeden Fall. Mit Blick auf unseren Microlino kann ich sagen, mittlerweile hat wirklich jeder Automobilhersteller verstanden, dass er in Elektrofahrzeuge investieren muss. «Downsizing» ist hier ein Schlüsselbegriff. Wir müssen uns bewusst werden, dass weniger mehr ist. Das gilt für unser Unternehmen, die Branche, wie auch für die Gesellschaft überhaupt. Die aktuelle Situation hat der Bescheidenheit und auch der Nachhaltigkeit Auftrieb verliehen. Brauche ich als Firma mit wenigen Mitarbeitenden tatsächlich einen riesigen Bürokomplex? Muss man wirklich mit dem Auto ans andere Ende des Dorfes fahren, genügt nicht auch das Kickboard? Diese Fragen müssen sich auch Wohlhabende stellen. Ferien in einem Bungalow sind doch auch schön. Vielleicht kann man auf die teure Yacht einmal verzichten – das ist gut fürs Gewissen und für die Umwelt. All das sind Fragen und Themen, die uns auch in Zukunft begleiten werden. Sie sind die neue Normalität.

Wir müssen uns bewusst werden, dass weniger mehr ist. Das gilt für unser Unternehmen, die Branche, wie auch für die Gesellschaft überhaupt.
Wim Ouboter
CEO and founder of Micro Mobility Systems
Was hast du mit deinem Unternehmen in den nächsten Jahren vor?

Mittelfristig ist unser grosses Projekt, den Microlino 2.0 in Serie zu bringen. Diese Vision von einem Kleinauto, das seinen Teil für eine bessere Umwelt beiträgt, in die Realität umzusetzen, hat oberste Priorität. Ich will betonen, dass der Coolness-Faktor dabei nicht auf der Strecke bleiben soll und der Microlino für mehr Lebensqualität in den Städten sorgen wird – ganz getreu unserem Slogan «better urban lifestyle». Die Verwirklichung dieses Vorhabens möchte ich noch hautnah miterleben und -gestalten. Danach habe ich vor, das Ruder langsam, aber sicher abzugeben und meinen beiden Söhnen, Merlin und Oliver, zu überlassen. Sie sind bereits heute Teil unseres Management Boards und sitzen bei wichtigen Entscheidungen mit am Tisch. Wenn künftige Unterfangen wie die Finalisierung der Microletta – unser elektrischer Dreirad-Roller – anstehen werden, wird mein Nachwuchs das Steuerrad bestimmt schon übernommen haben, da bin ich sicher. Und ich bin überzeugt, dass die beiden in Zukunft die richtigen Entscheidungen im Sinne von Micro Mobility Systems treffen werden.

Welche Tipps gibst du Unternehmen für eine nächste Krise?

Als Unternehmen ist Eigenverantwortung wichtig. Genau aus diesem Grund ist es von zentraler Bedeutung, vorauszudenken. Man muss Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass man genügend liquide ist. Mein Tipp für ein erfolgreiches Handling einer zukünftigen Krisensituation lautet deshalb: So viel Kapital auf die Seite legen, dass die Fixkosten drei Jahre lang gedeckt sind. Denn wenn man eine schwierige Phase nicht überleben kann, dann hat man zuvor etwas falsch gemacht. Und wenn man etwas falsch gemacht hat, muss man bereit sein, neue Wege einzuschlagen. Ausserdem möchte ich jeder Person, die das liest, ans Herz legen, positiv zu bleiben. Es stimmt nämlich tatsächlich: In jeder Krise liegt auch eine Chance. Das gilt nicht nur für Unternehmen, sondern auch für jeden Menschen.

Wenn man eine schwierige Phase nicht überleben kann, dann hat man zuvor etwas falsch gemacht.
Wim Ouboter
CEO and founder of Micro Mobility Systems

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