6 Minuten Lesezeit 18 Februar 2019
Frau hält Karten in der Hand bei Spiel in Wohnwagen

Wie Sie Ihre Strategie besser in strategische Transaktionen integrieren können

Von

Esi Akinosho

EY Global Advisory Internal Audit Leader

Global Leader in value-driven Internal Audit innovation, Passionate about diversity in business. Travel enthusiast. Avid mystery fiction reader. Wife. Mother.

6 Minuten Lesezeit 18 Februar 2019

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Mit einer internen Prüfung (Internal Audit, IA) kann ein Unternehmen im Zuge von Fusionen, Übernahmen, Veräußerungen, Joint Ventures und Kooperationen im Wettbewerb die Nase vorn haben.

Unternehmen wenden sich nicht nur für grundlegende Aufgaben von Wirtschaftsprüfung oder ähnlichen Dienstleistungen an ein IA, sondern auch um ihre wichtigsten strategischen Initiativen und Transaktionen proaktiv anzukurbeln. Viele Unternehmen sehen in Risiken nur ein Problem, das vermieden oder eingedämmt werden muss. Einige Risiken offenbaren sich bei genauem Hinsehen jedoch als Chance für Wettbewerbsvorteile.

Warum ein IA bei strategischen Transaktionen?

Ein IA verfügt über die einzigartige Fähigkeit, Risiken neutral betrachten zu können. Denn es hat von jeher Risiken bewertet. Durch eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen bei strategischen Transaktionen kann ein IA Möglichkeiten aufzeigen, Kosten einzusparen. In Bereichen, in denen in der Vergangenheit viele Chancen vertan wurden oder aufgrund unentdeckter Probleme höhere Investitionen nötig waren, kann ein IA eine Richtung vorgeben. Darüber hinaus kann es Risiken identifizieren, die bei eingeschränkter Sicht auf Geschäftsabläufe überhaupt nicht zur Sprache gekommen wären.

Aus Erfahrung sollte ein IA in das gesamte Transaktionsverfahren eingebettet sein. Obwohl nicht alle dieser Transaktionen erfolgreich sind, bietet die Einbindung eines IA von Beginn an die Chance, Risiken frühzeitig zu erkennen und adäquat anzugehen.

Ein IA könnte, unabhängig von der Art der strategischen Transaktion, Teil des Programm-Managements werden. So kann es seine Aktivitäten bewerten und überprüfen sowie wertvolle Informationen bereitstellen. Ein IA kann zudem Aktivitäten des Projektmanagement-Offices (PMO) überprüfen, um dessen Kontrollfunktion zu beurteilen. Beispiele für IA-Zielvorgaben: Deckt das PMO Prozesslücken auf? Bewertet es, ob Projektfristen eingehalten, benötigte Genehmigungen eingeholt und Verbesserungsoptionen ausgelotet werden?

Strategische Transaktionen benötigen in der Regel Monate bis zum Abschluss, IA-Ressourcen sind nicht unbegrenzt. Daher stützt sich ein IA auf eine Risikobewertung und einen sorgfältig erstellten Zeitplan für die gesamte Projektdauer. So konzentriert es sich auf das Wesentliche und erzielt den höchstmöglichen Nutzen.

Eine Internal Audit kann wichtige Einblicke bereitstellen, um die Aktivitäten des Programmmanagements zu bewerten und zu überwachen, Kontrollen zu überprüfen und Erkenntnisse unter Wahrung der Objektivität zu liefern.

Fusionen und Übernahmen

  • Strategie: Womöglich hat ein Unternehmen bereits ein Ziel im Auge. Doch vor einer endgültigen Entscheidung sollte es seinen Strategieprozess IA-gesteuert prüfen lassen. Darüber hinaus sollte es die Risiken fürs Unternehmen und den Business-Case-Prozess bewerten lassen. So kann ein Unternehmen von Beginn an besser einschätzen: Passt das Unternehmen, das man für eine Fusion oder Übernahme im Blick hat, zur unternehmenseigenen Wachstumsstrategie?
  • Due Diligence: Während der Due Diligence kann ein IA den Prozess bei der Wertermittlung, die Risiko- und interne Kontrollumgebung und mögliche Synergieeffekte bewerten. Anhand dieser Bewertung kann das Unternehmen nun ermitteln, ob der Preis stimmt, und frühzeitig Vorsorge für eventuelle Risiken oder Kontrollprobleme treffen.
  • Freigabe und Abschluss des Deals: Bevor das Unternehmen den Vertrag unterzeichnet, kann ein IA den Deal-Freigabeprozess noch einmal überprüfen und bestimmen, ob kurz- und langfristige Ziele definiert worden sind. Ein IA kann darüber hinaus vor einem Abschluss bewerten, wie das Beurteilungsverfahren beaufsichtigt worden ist, und so ermitteln, wie sich sämtliche Änderungen in der Risiko- und Kontrollumgebung des Unternehmens auswirken könnten.
  • Integration: Ein IA sollte Teil des Integrationsbereichs sein und die Integrationspläne und Planungsprozesse bewerten. Darüber hinaus sollte es den Integrationsprozess begleiten und den Transaktionswert schätzen.

Veräußerungen

  • Strategie: Wie bei Fusionen und Übernahmen können interne Prüfer die Verkaufsstrategie des Unternehmens beurteilen. Sie sollten bewerten, ob die Unternehmensleitung die Risiken eindeutig auf ihre Kappe nimmt und ob für die Verantwortung der Stakeholder ein klares Konzept existiert. Ein IA könnte auch der Unternehmensführung dabei helfen, mögliche Risiken für die Kontrollumgebung zu identifizieren, zu bewerten und nach Wichtigkeit zu ordnen.
  • Due Diligence: Ein IA könnte den Prozess der Wertermittlung beurteilen und wichtige Informationen zu den Risiken und der internen Kontrollumgebung liefern, die mit strategischen (Unternehmensführung und Reputation), finanziellen (Kredite und operatives Geschäft), betrieblichen (Kunden, Lieferkette und IT) und compliancebedingten (Umsetzung aktueller Vorgaben) Risiken verbunden sind.
  • Freigabe und Abschluss des Deals: Ein IA sollte bestimmen, ob sich die Kontrollumgebung ändert und inwieweit „vorläufige“ Kontrollen, die zur Abwehr von Risiken durchgeführt wurden, geholfen haben. Des Weiteren sollte ein IA die Durchführung von Hochrisikokontrollen während des Übergangs überwachen.
  • Abspaltung: Bei Abspaltungen muss ein IA das Projektmanagement während des Trennungsprozesses, die Umsetzung von Dienstleisterverträgen während des Übergangs und geschäftliche Aktivitäten, zum Beispiel des Datentransfers sowie der HR-Initiativen einschließlich der Gehaltsabrechnungen, beaufsichtigen. Ein IA sollte darüber hinaus Wertverluste während einer Trennung feststellen.
  • Strategie: Internal Audits sind dazu in der Lage, die Unternehmensstrategie zu bewerten und zu beurteilen, ob die Ziele und Bedingungen des Joint Ventures oder der Kooperation ausreichend definiert sind. Sie könnten ebenfalls bewerten, ob die Beteiligten alle Vorgänge durchschauen, die Risiken übernehmen und ob eine mögliche Verantwortung der Stakeholder vorgesehen ist.
  • Due Diligence: Wer eine starke Erfolgsbasis schaffen will, der muss die Ziele, den Umfang und den Fahrplan der Transaktion verstehen. Die Struktur, die Kontrolle und die Verantwortlichkeiten in einem Joint Venture oder einer Kooperation können, in Abhängigkeit von den Transaktionszielen der Branche, stark voneinander abweichen. Auch eine Beeinflussung durch die Lage und die bestehenden Vorgaben ist möglich. Weitere Variablen betreffen die Art beziehungsweise den Zweck der Transaktion wie Besitz, Struktur und Steuerung. Daher sollten die entsprechenden Mitarbeiter in den Bereichen Management, Joint Venture und IA zusammenarbeiten. So können sie die relevanten Risiken, unter anderem für Strategie, Reputation, Finanzen, Rechtslage, Betrieb und Vorgaben, thematisieren.
  • Freigabe und Abschluss des Deals: Internal Audits können vor Abschluss des Deals den Freigabeprozess noch einmal überprüfen und bestimmen, ob kurz- oder langfristige Ziele definiert worden sind. Sie können darüber hinaus die Beaufsichtigung des Wertermittlungsverfahrens vor Abschluss einschätzen und so ermitteln, wie sich potenzielle Änderungen in der Risiko- und Kontrollumgebung des Unternehmens auswirken.
  • Integration: Ein starkes Fundament für ein Joint Venture oder eine Kooperation bilden Unternehmensführung, Kontrolle, Beobachtung, Art, Ausmaß und Häufigkeit der Beaufsichtigung. Ein IA sollte auf Basis der Risiken einen Ansatz entwickeln, der mit dem Risikomanagement und den IA-Funktionen anderer Transaktions-Akteure abgestimmt ist. Nur so lassen sich regelmäßig die Resultate einer Partnerschaft oder Kooperation beurteilen.

Schlussfolgerung

Die Leiter der internen Wirtschaftsprüfung (CAEs) sollten eng mit dem Vorstand, der Geschäftsführung und den Abteilungen für Konzernentwicklung zusammenarbeiten, um die IA bei jedem Schritt der strategischen Transaktion einzubinden. Ganz gleich, ob es sich um eine Fusion, eine Übernahme, eine Veräußerung, ein Joint Venture oder eine Kooperation handelt. Ein IA bietet die besten Voraussetzungen, um Wert zu generieren. Denn es hat den Überblick über das gesamte Unternehmen. Es kennt das eigene Geschäft am besten. Es weiß am besten, wo Kontrolle und Prozessverbesserungen notwendig sind. Und es ist unabhängig und objektiv.

Ein IA bietet zudem eine wichtige Sichtweise auf Deals – eine Sichtweise, die vielen Geschäftsführern vielleicht gar nicht in den Sinn kommt. Ohne diese Blickrichtung vom Start weg bemerkt das Unternehmen womöglich erst viel zu spät, dass der Preis nicht richtig war, dass signifikante Risiken vorhanden waren oder dass es beträchtliche Summen zur Behebung von Problemen ausgeben musste, die man durch ein IA vielleicht vermeiden hätte können. Ein IA kann den Blick auch auf sich selbst richten – nicht nur, um auf die transaktionsbedingten Veränderungen zu reagieren, sondern auch, um die eigenen Aktivitäten zu vertiefen und einen Mehrwert für das Unternehmen zu schaffen.

Fazit

Interne Prüfungen ermöglichen geschäftliche Erkenntnisse und Berichte durch Unternehmensberatungen entweder als einzelnes Projekt oder als Teil einer Abschlussprüfung. Einer der bedeutenderen Bereiche sind die Beteiligungen vor, während und nach Fusionen, Übernahmen, Veräußerungen, Joint Ventures und Kooperationen. Die interne Prüfung sollte erfahrungsgemäß ins gesamte Transaktionsverfahren eingebettet sein.

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Esi Akinosho

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