Kennen Sie die wahren klimabezogenen Risiken Ihres Unternehmens?

Von

Mathew Nelson

EY Global Climate Change and Sustainability Services Leader

Leading a purpose-driven team that shares a common passion for creating positive impact. Workplace diversity and equality advocate. Engineer. Father of two boys. Australian Football League fan.

6 Minuten Lesezeit 28 November 2017

Die Empfehlungen der Klima-Task-Force des Finanzstabilitätsrats (FSB) sollen die Informationslücke bei klimabezogenen Finanzrisiken schließen. Und zwar entlang der gesamten Investitionskette.

Weltweit gibt es zu wenige Klimarisiko-Bewertungen. Das verunsichert sowohl Investoren als auch Gesellschafter. Es fehlen Informationen zu den Auswirkungen, die Klimarisiken auf Unternehmen haben können, ebenso wie Empfehlungen, wie man am besten mit diesen Schwachstellen umgeht. Zudem existiert keine verbindliche internationale Regelung, wie klimarelevante Informationen zu veröffentlichen sind. Deshalb fällt die Entscheidung schwer, welche Daten Unternehmen in ihre Berichte aufnehmen und wie diese aufbereitet werden.

Vor diesem Hintergrund schuf der FSB im Jahr 2015 die branchengeführte Task Force on Climate-related Financial Disclosures (kurz Task Force oder TCFD). Ziel war es, Empfehlungen für eine konsistente Informationspolitik zu entwickeln, die allen Teilnehmern am Finanzmarkt helfen, Klimarisiken besser zu verstehen.

Im Juni 2017 veröffentlichte die Task Force erste Empfehlungen. Sie befassen sich mit Lösungsansätzen für dringende Fragen – wie etwa dem fehlenden einheitlichen Rahmen für die Finanzberichterstattung. Denn das erschwert es Investoren, Kreditoren und Versicherern bislang, ihre Entscheidungen mit einschlägigen Informationen zu unterfüttern.

Mit den FSB-Empfehlungen und branchenspezifischen Orientierungshilfen können Unternehmen die finanziellen Auswirkungen von Klimarisiken verlässlicher bewerten und in Finanzberichten offenlegen.

Vier Kernbereiche werden berührt: Governance, Strategie, Risikomanagement sowie Kennzahlen und Zielsetzungen. Die Grundfragen:

  • Governance: Wie lassen sich Klimarisiken in Geschäftsprozessen berücksichtigen?
  • Strategie: Wie lassen sich Klimarisiken in künftige Geschäftsentscheidungen integrieren?
  • Risikomanagement: Mit welchen Prozessen können klimabezogene Risiken erkannt, bewertet und gesteuert werden?
  • Kennzahlen: Welche Kennzahlen und Zielvorgaben eignen sich für die Einschätzung und Steuerung von Chancen und Risiken?

Wie Ihr Unternehmen von den Empfehlungen profitieren kann

Um die Empfehlungen wirkungsvoll umzusetzen, braucht es mitunter Änderungen in Governance und Risikobewertung. Zudem kann es mehrere Jahre dauern, bis ein Unternehmen so weit ist, seinen Investoren und Aktionären Informationen zu liefern, mit denen sich fundierte Entscheidungen treffen lassen. Je früher Unternehmen damit beginnen, desto früher verfügen sie über eine Plattform, um Vorstand und Führungskräfte über Klimarisiken und Aktionäre über die Chancen und Risiken für das Unternehmen zu informieren.

Mit der Umsetzung der Empfehlungen erfüllen Sie nicht nur die Erwartungen der Investoren, sondern profitieren von weiteren Vorteilen:

Risikomanagement

  • Klimarisiken werden als Teil des Risikomanagements in das Risikoregister aufgenommen.

Mehr Know-how für Szenarioanalysen

  • Bessere quantitative Modelle und Datenanalysen
  • Exaktere Nutzung von Datensätzen und genauere Szenariodefinitionen

Externe Kommunikation

  • Einheitlicher Dialog über unterschiedliche externe Kanäle (z. B. Investor Relations, Finanz-, Unternehmens- und Nachhaltigkeitsberichte)

Steuern der Stakeholder-Interessen 

  • Inhalte erfüllen stärker die Interessen von Langzeitinvestoren.
  • Der Fokus von Investoren und Shareholdern richtet sich verstärkt auf Prognosen und Methoden, Chancen und Strategie.

Lernprozess und Treuepflicht 

  • Der Vorstand macht sich seine Treuepflicht stärker bewusst.
  • Vorstandsmitglieder und Investor-Relations-Teams lernen stetig dazu.

Was bedeutet das für den CFO?

Die Task-Force-Empfehlungen sind freiwillig. Unternehmen, die sich daran orientieren, sollten entsprechende Informationen in ihre Finanzberichte integrieren. Asset Manager und Eigentümer, die keine standardisierten Finanzberichte veröffentlichen, sollten sie in ihre Investoren-Berichte einfügen. Da es sich um systematische, nicht-diversifizierbare Risiken handelt, empfiehlt die Task Force zudem allen Unternehmen, über ihre Governance- und Managementprozesse für Klimarisiken zu berichten.

Diese spezifischen Governance-Prozesse sollten denselben internen Kontrollen unterliegen wie jeder andere Prozess in der Finanzberichterstattung. Unternehmen, die besonders von Klimarisiken betroffen sind, weil sie zum Beispiel in entsprechenden Branchen tätig sind oder mehr als eine Millarde US-Dollar (ca. 860 Mio. Euro) im Jahr umsetzen, sollten zudem ihre Strategien, Kennzahlen und Zielvorgaben offenlegen. Auch Ergebnisse aus klimarelevanten Szenarioanalysen sollten in die Berichterstattung einfließen.

Die Task-Force-Empfehlungen wurden entwickelt, da das FSB den Klimawandel für ein systematisches Finanzrisiko hält, dem sich die Geschäftswelt noch nicht ausreichend widmet.

Klimarisiken sind komplexer und langfristiger als die meisten „klassischen“ Geschäftsrisiken, weshalb das Verständnis und die Einordnung möglicher Folgen noch unausgereift sind. Klimarisiken werden unterteilt in Übergangsrisiken und physische Risiken. Beide können den Jahresabschluss beeinflussen. Ignoriert ein Unternehmen die Bandbreite und das Ausmaß potenzieller Folgen des Klimawandels, kann sich das negativ auf die finanzielle Unternehmensleistung auswirken.

Klimabezogene Risiken, Chancen und finanzielle Konsequenzen

Wer die Task-Force-Empfehlungen wirkungsvoll umsetzen will, muss unter Umständen seine Finanzrisiko- und Berichtsprozesse anpassen. CFOs sollten sich mit den für ihr Unternehmen relevanten Klimarisiken beschäftigen und den Zeitraum kennen, für den mögliche Konsequenzen zu erwarten sind.

Da entsprechende Analysen prognostisch sind, sollten sie regelmäßig aktualisiert werden, um neue technologische, rechtlich-politische, kundenbezogene sowie physikalische Entwicklungen einzubeziehen. In manchen Regionen und Ländern fällt zum Beispiel die Stromerzeugung aus Solarenergie (oder andere nicht vernetzte Angebote) nicht unter Netzkosten. Dies wird sich wahrscheinlich auf die Entwicklung anderer Stromquellen wie die Kohleverstromung auswirken. Je nach Dringlichkeit und Zeitrahmen sollten Klimarisiken im Hinblick auf künftige Umsatz- und Kostenerwartungen, Rückstellungen und Verbindlichkeiten sowie die Nutzungsdauer von Anlagen betrachtet werden.

Vor allem von CFOs wird erwartet, dass sie dem Vorstand über das Klimarisikomanagement im Unternehmen verlässlich berichten. Dafür sollten sie die Antworten auf folgende Fragen kennen:

  • Wie sehen unsere Governance- und Risikomanagement-Prozesse aus, um die finanziellen Folgen von Klimarisiken zu bewerten?
  • Wie wird sich der Klimawandel auf unser Unternehmen auswirken?
  • Welche finanziellen Folgen haben Klimarisiken, wenn wir weitermachen wie bisher – oder wenn internationale Klimaziele erreicht werden? Wie spiegeln sich spürbare finanzielle Folgen in unserer Berichterstattung wider? Wenn es keine spürbaren Folgen gibt: Wie wurden die Governance- und Risikomanagement-Prozesse offengelegt, um zu zeigen, dass diese Risiken bewertet wurden?

Wenn die Antwort auf solche Fragen schwerfällt, kann dies ein Warnsignal sein. Es kann darauf hinweisen, dass Ihr Unternehmen klimabezogenen Risiken noch nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt.

Fazit

Unternehmen, die die Empfehlungen der Klima-Task-Force des Finanzstabilitätsrats frühzeitig umsetzen, sind besser gewappnet, um ihre individuellen Risiken zu messen und zu evaluieren. Sie werden gleichzeitig den steigenden Anforderungen und Erwartungen ihrer Investoren umfassender gerecht.

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Mathew Nelson

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