5 Minuten Lesezeit 4 Februar 2018
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Wie forensische Datenanalysen Risiken minimieren

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EY Reporting

Insights from external journalists, academics, practitioners and EY professionals

Reporting, EY Global Assurance’s insights hub, provides high-quality content tailored for board members, finance directors and audit committee chairs.

5 Minuten Lesezeit 4 Februar 2018

Moderne Datenanalysen werden im Risikomanagement bereits eingesetzt. Aber die Implementierung verläuft nicht immer reibungslos.

Im Zeitalter des digitalen Wandels stehen neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen zur Verfügung. Mit ihnen werden umfassendere Analysen möglicher als je zuvor. Diese Veränderungen sind jedoch nicht frei von Risiken – insbesondere rechtlichen-, Compliance- und Betrugsrisiken. Um diese zu mindern und entsprechende Strategien zu optimieren, setzen Unternehmen Forensische Datenanalysen (FDA) ein.

In unserer Global Forensic Data Analytics Survey sprachen wir mit 745 Führungskräften aus 19 Ländern, um herauszufinden, wie ihre Unternehmen Forensische Datenanalysen im Risikomanagement nutzen. Die Studie zeigt vor allem die Herausforderungen, denen sie sich dabei stellen müssen.

Vorteile Forensischer Datenanalysen

Unsere Umfragen aus den Jahren 2014 und 2016 ließen vermuten, dass Unternehmen nur zögerlich in FDA investieren. Sie scheuten entsprechende Kosten und vertrauten der zugrundeliegenden Technologie noch nicht ausreichend. Dies scheint sich mittlerweile geändert zu haben.

In der Global Forensic Data Analytics Survey von EY gaben die Befragten an, dass sie die vielfältigen Vorteile Forensischer Datenanalyse schätzen. Dazu zählen vor allem die verbesserte Risikobewertung (88 Prozent) sowie die Möglichkeit, Risiken in großen Datensets zu identifizieren (87 Prozent). Die Umfrageergebnisse überraschen nicht, da der Einsatz von FDA unter internen Prüfexperten weit verbreitet ist. Mit der Forensischen Datenanalyse treffen diese eine Prüfauswahl und unterstützen Rechts- und Compliance-Spezialisten in ihrer Arbeit.

Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) nennen Kosteneinsparungen als größten Vorteil von FDA. Im Jahr 2016 lag der Anteil noch bei 42 Prozent. Der Kostenfaktor scheint demnach an Bedeutung zu gewinnen. Zwar verursachen Forensische Datenanalysen Kosten – wie jeder andere Risikomanagement-Prozess auch.

Bedarf an Ressourcen und Know-how

Es reicht nicht aus, nur in fortschrittliche Technologien zu investieren. Um Analytics und Künstliche Intelligenz effektiv einzusetzen, braucht es zugleich menschliches Zutun. Die Erhebung, das Management und die Analyse von Daten übernehmen zunehmend Maschinen. Algorithmen zu entwickeln und Ergebnisse zu interpretieren, bleibt Aufgabe erfahrener Spezialisten.

Die Ergebnisse unserer Studie belegen, dass nur wenige Unternehmen das nötige Know-how besitzen: Nur 13 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das technologische Know-how zur Forensischen Datenanalyse in ihrem Unternehmen schon sehr ausgereift ist. Und nur 12 Prozent glauben, dass sie die entsprechende analytische und datenwissenschaftliche Expertise besitzen.

Um mit Blick auf Unternehmensrisiken die richtigen Fragen zu stellen, müssen in einem FDA-Programm die passenden Daten aus verschiedenen Quellen intelligent zusammenfließen. Die Analyse großer Datenmengen aus nicht verbundenen Quellen ist weiterhin eine Herausforderung und bedarf besserer Integration.

Forensische Datenanalyse nutzen

46 %

der Befragten stimmen zu, dass es bei der Forensischen Datenanalyse noch immer eine Herausforderung ist, aus verschiedenen Datensets umfassende und zentrale Einblicke zu gewinnen.

Integration und Governance

Die EY-Untersuchung zeigt, dass in den meisten Unternehmen unterschiedliche Abteilungen für FDA-relevante Entscheidungen hinsichtlich Strategie, Richtlinien und Umsetzung zuständig sind. Zudem werden Ergebnisse Forensischer Datenanalysen häufig im ganzen Unternehmen geteilt, wobei Führungskräfte, Finanzabteilung und Vorstand am meisten von ihnen profitieren. So entsteht eine sehr heterogene Gruppe von Stakeholdern mit unterschiedlichen Prioritäten. Hier ist eine effektive Governance gefragt. Funktionsübergreifende Zusammenarbeit ist ganz klar eine Herausforderung.

Nur 20 Prozent der Befragten haben den Eindruck, dass alle Risikomanagement-Funktionen in ihrem Unternehmen eng vernetzt sind. 39 Prozent der Befragten geben an, überhaupt keine eigene Fachkraft für FDA-Aufgaben zu haben.

Für eine erfolgreiche Integration von FDA braucht es die Unterstützung der Unternehmensführung, um auch rechtliche, Compliance- und Betrugsrisiken effektiv steuern zu können. 57 Prozent unserer Befragten sagen zwar, dass der Vorstand in strategische FDA-Entscheidungen eingebunden ist, 45 Prozent meinen jedoch auch, dass die Vorteile im Top-Management noch nicht ausreichend wahrgenommen werden.

Um Forensische Datenanalysen effektiv einzusetzen, braucht es entsprechende Ressourcen, Investitionen und die Rückendeckung des Top-Managements. Dabei hilft die FDA nicht nur zur Steuerung von rechtlichen-, Compliance- und Betrugsrisiken.

Datenschutz und -sicherheit

Eine der wichtigsten Aufgaben Forensischer Datenanalyse ist es, Unternehmen bei Datenschutz und -sicherheit zu unterstützen. Es gilt zu verstehen, wo relevante Daten zu finden sind, wer Zugriff hat und wie das Unternehmen reagieren soll, wenn Richtlinien verletzt werden.

Das ist insbesondere seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) am 25. Mai 2018 wichtig. Sie gilt für alle Unternehmen (unabhängig von ihrem Firmensitz), die persönliche Daten von EU-Bürgern verarbeiten. Die Reichweite der Verordnung ist immens, was aber längst nicht jedem Akteur bewusst ist: Während 60 Prozent der Befragten aus Europa angeben, einen DSGVO-Compliance-Plan zu haben, sind es unter den Befragten aus den USA nur 13 Prozent und im Asien-Pazifik-Raum nur 12 Prozent. Alles in allem zeigt die EY-Umfrage, dass zu viele Unternehmen nicht ausreichend auf die DSGVO vorbereitet sind.

So gehen lediglich 42 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass der Schutz und die Sicherheit von Daten bedeutsam für die Gestaltung und Nutzung Forensischer Datenanalyse sind. Auf die Frage, ob sie FDA im Rahmen ihrer DSGVO-Compliance-Programme nutzen, antworten 35 Prozent mit Nein. 52 Prozent geben an, dass sie eine entsprechende Nutzung noch prüfen, und nur 13 Prozent bejahen die Frage.

Das volle Potenzial ausschöpfen

Um Forensische Datenanalysen effektiv einzusetzen, braucht es entsprechende Ressourcen, Investitionen und die Rückendeckung des Top-Managements. Dabei hilft die FDA nicht nur zur Steuerung von rechtlichen-, Compliance- und Betrugsrisiken. Sie kann zudem mögliches Fehlverhalten antizipieren, die Transparenz des Unternehmens steigern und die betriebliche Effizienz erhöhen. Wird das volle Potenzial genutzt, erhöht dies nicht nur den Schutz des Unternehmens insgesamt, sondern liefert wertvolle Einblicke, die Planungs- und Strategieentscheidungen erleichtern können.

Fazit

Die Global Forensic Data Analytics Survey von EY zeigt, wie Unternehmen moderne Datenanalysetechnologien nutzen können. Sie informiert über die Herausforderungen, die eine effektive Implementierung mit sich bringt.

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