Eine weltweit verbesserte Prüfqualität – das ist das oberste Ziel des International Forum of Independent Audit Regulators (IFIAR ).

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8 Minuten Lesezeit 1 März 2018
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EY Reporting

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Doch wie sieht das konkret aus? Das erklärt Brian Hunt, Vorsitzender des IFIAR, indem er seine Pläne für das Forum und die Wirtschaftsprüfung der Zukunft erläutert.

In seinem Büro in der Innenstadt von Toronto lässt Brian Hunt seine neun Jahre als CEO des Canadian Public Accountability Board (CPAB) Revue passieren. Innerhalb fast eines Jahrzehnts hat sich eine Menge verändert. So blickt er zurück auf die Anfänge mit simplen Dokumentenchecks, woraus sich schließlich eine systematische Prüfaufsicht entwickelt hat. Verlässliche Risikobewertungen und die Einbindung von Stakeholdern sind heute, neun Jahre später, selbstverständlich. Ein Erfolg, den der CEO als „herausragend“ bewertet .

Hunts Zeit beim CPAB ging im Februar 2018 zu Ende. Die Qualität von Wirtschaftsprüfungen global zu verbessern, steht aber weiterhin auf seiner Agenda. Im April 2017 trat er seine zweijährige Amtszeit als Vorsitzender des International Forum of Independent Audit Regulators (IFIAR) an und blickt nun auf ein ereignisreiches Jahr zurück.

IFIAR wurde 2006 gegründet, hatte aber lange keinen permanenten Sitz. Erst 2013 wurde beschlossen, ein permanentes Sekretariat einzurichten. Vier Jahre später setzte man den Plan in die Tat um und eröffnete das erste Sekretariat in Tokio. Doch warum in Japan? Die japanische Hauptstadt ist aufgrund ihrer geografischen Lage ein guter Ausgangspunkt, um auch Nichtmitgliedsstaaten zu erreichen. Aktuell kommen die meisten IFIAR-Mitglieder aus Europa.

Das Sekretariat in Tokio öffnet die Tore, um auch in Regionen Afrikas und des Asien-Ozeanien-Raums zu expandieren. Das Sekretariat ist mit fünf Vollzeitmitarbeitern besetzt, die Hunt dabei unterstützen, die Qualität von Prüfungen weltweit zu erhöhen.

2015 setzte sich die Arbeitsgruppe GAQ (Global Audit Quality) von IFIAR ein hohes Ziel: Die Zahl mangelhafter Prüfungen der globalen Mitgliedsfirmen, der sogenannten Big Six, sollte bis 2019 um 25 Prozent sinken. Mit Reporting sprach Brian Hunt über den aktuellen Stand der Dinge und die Ziele des IFIAR nach 2019. Er erklärte, wie die Big Six ihre Leistung weiter verbessern können und welche Ziele bis wann realistisch sind. Darüber hinaus thematisierte Hunt die Rolle von Prüfern jenseits von Finanzberichten und sprach über die laufenden Projekte zur Verbesserung der Auditqualität weltweit. Nicht zuletzt nahm er Bezug zu den stetigen Veränderungen in der Branche.

F: Werden die Big Six das vom IFIAR gesetzte Ziel erreichen?

A: Wir sind tatsächlich bereits auf der Zielgeraden. Es fehlt ihnen nur noch rund ein Prozentpunkt auf das 25-Prozent-Ziel, das sich die Mitglieder der GAQ-Arbeitsgruppe gesetzt haben. Mit dem aktuellen Stand sind wir schon sehr zufrieden. Ich denke, dass sie das Ziel erreichen werden. Zwei Jahre verbleiben noch.

Jetzt müssen wir uns auf das nächste Ziel konzentrieren. Das 25-Prozent-Ziel war ein guter Start, denn es richtete zunächst einmal den Fokus der Firmen auf die Beseitigung von Mängeln. Doch das alleine reicht nicht aus.

Denn wenn sie das Ziel erreichen, bedeutet das immer noch, dass eine von drei Prüfungen einen signifikanten Mangel aufweist. Das ist inakzeptabel. Deshalb wird das IFIAR in den kommenden Monaten die nächsten Ziele nach 2019 mit den Firmen abstecken. Dabei werden wir auch die künftig breitere IFIAR-Mitgliederbasis einbeziehen.

F: Worauf sollten sich die Big Six konzentrieren, um die Qualität ihrer Prüfungen zu verbessern und die Zahl der mangelhaften Prüfungen zu verringern?

A: Die Frage, die hierbei im Raume steht, lautet: Wie garantiert man im gesamten Portfolio Prüfungen von konstant hoher Qualität?

Ich denke, für die Big Six sind die bereits bestehenden Qualitätskontrollprozesse auch weiterhin maßgebend. Sie sollten im Auge behalten, was genau sie während einer Prüfung tun, wie sie Mängel erkennen und wie sie sicherstellen, dass sie das richtige Personal an entsprechender Stelle haben. Das erklärte Ziel muss sein, jederzeit – nicht nur periodisch – eine korrekte Durchführung der Prüfungen zu garantieren.

F: Sie sagen, dass die Big Six letztendlich absolute Fehlerfreiheit anstreben und das nächste Prozentziel einstellig sein sollte. Wie lange werden die Big Six dafür brauchen?

A: Lassen Sie uns dafür einmal in eine Branche schauen, die sich Risiken am wenigsten leisten kann. Die Luftfahrtindustrie eignet sich für einen guten Vergleich: Wir würden in kein Flugzeug mehr steigen, wenn die Fluggesellschaft von einer 10-prozentigen Fehlerrate ausginge. Denn das würde bedeuten, dass jedes zehnte Flugzeug abheben, aber nicht ordnungsgemäß landen würde. – Bruchlandungen wären somit an der Tagesordnung, die Dank angemessener Prüfungen verhindert werden.

Deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir schlussendlich absolute Fehlerfreiheit anstreben sollten. Wie die Big Six das schaffen wollen? Wir wissen, dass eine Prüfung ein dynamischer Prozess ist. Dabei sind zahlreiche Variablen zu beachten, die man alle so aufeinander einstellen muss, dass sie in dieselbe Richtung führen. Solche Variablen können ganz verschieden sein. Oftmals liefern beispielsweise Kunden ihre Daten spät oder Ansprechpersonen wechseln. Sie verlassen die Firma, sind krank oder werden für andere Projekte abgezogen.

Den Big Six fehlt nur noch rund ein Prozentpunkt zum 25-Prozent-Ziel. Jetzt müssen wir uns auf das nächste Ziel konzentrieren.
Brian Hunt
Vorsitzender des <em>International Forum of Independent Audit Regulators</em> (IFIAR)

Wie stellen die Firmen trotz der genannten Einflussfaktoren sicher, dass ihre Prüfungen eine konstant hohe Qualität aufweisen? Prozesse, die genau diesen Problemen frühzeitig entgegenwirken, sind die Lösung. Dabei gilt: Probleme müssen schnellstmöglich als solche identifiziert werden. Nur so kann man verhindern, dass sie die finale Prüfung beeinträchtigen. Um die Auditqualität bewerten zu können, müssen wir uns eine Reihe von Mängeln sowie die Qualitätsprozesse der Firma ansehen.

Ich denke, es wäre unrealistisch, den nach 2019 angestrebten Prozentsatz binnen vier Jahren einstellig zu machen. Um die 15 Prozent wären schon eher möglich. Denn man darf auch die Größe der Firmen nicht außer Acht lassen. Sie führen mit zahlreichen verbundenen Unternehmen mehrere Prüfungen durch. Dadurch sind Änderungen für sie meist von großer Tragweite. Trotz aller Schwierigkeiten, die das mit sich bringen kann, müssen sie daran arbeiten, damit wir in den kommenden fünf oder sechs Jahren einen einstelligen Prozentsatz erreichen.

F: Beim letzten Symposium des CPAB zum Thema Auditqualität wurde vorgeschlagen, dass Prüfer auch jenseits von Finanzberichten einen Überblick über die Genauigkeit von Daten zur Verfügung stellen sollten. Wie weit könnte dieser Trend gehen?

A: Die Prüfung bildet definitiv die Basis und es gibt durchaus Potenzial, entsprechende Themen anzugehen. Die Herausforderung besteht in der künftigen Relevanz. Vielleicht müssen wir in manchen Branchen unsere Perspektive ändern.

Werfen wir mal einen Blick auf die Erdöl- und Erdgasindustrie: Was bestimmt in dieser Branche den Unternehmenswert? Es sind Faktoren wie die Kosten der Rohstoffgewinnung, der Ölpreis, die Reserven. Ganz anders sieht das in einem Finanzunternehmen aus. Mein Vorschlag wäre, dass wir uns den gemeinsamen Nenner ansehen und anschließend die Faktoren, die sich je nach Branche unterscheiden.

F: 2016 startete das CPAB ein Pilotprojekt zum Thema Audit Quality Indicators (AQIs). Wie wichtig sind AQIs, und sollten Prüfgesellschaften, Prüfausschüsse, Behörden und Unternehmen diese Kennzahlen stärker nutzen?

A: Für eine Prüfung ist meines Erachtens Effektivität das Schlüsselwort. Das fängt an beim Prüfe, geht über ein effektives Management, bis hin zu einem ebensolchen Prüfausschuss. Im Rahmen der AQIs haben wir zum Beispiel mit einigen öffentlichen Unternehmen ein Pilotprojekt gestartet, in dem Prüfausschuss, Prüfer und CFO involviert waren. Wir baten sie, sich 5 bis 10 Indikatoren auszusuchen, deren Entwicklung sie verfolgen sollten. Die Hälfte dieser Indikatoren sollte sich dabei auf Risiken beziehen, damit man schon in der Vorbereitung der Prüfung die Kernrisiken für die jeweilige Prüfung definieren konnte.

Tatsächlich waren wir sehr überrascht über die positive Zusammenarbeit zwischen CFO, Prüfausschuss und den Prüfern. Viele unserer dabei gewonnenen Einblicke können die Arbeit von Prüfausschüssen deutlich verbessern. Die Vorbereitung wird so zu einem Teil des Prozesses und dadurch die Arbeit der Prüfer effektiver.

F: Worin liegen die Vorteile des neuen IFIAR-Büros?

A: Früher bildeten der Vorsitzende und sein Stellvertreter das Sekretariat. Der Nachteil liegt auf der Hand. Häufig ging Wissen in Form des sog. Betriebsgedächtnisses verloren. Die Zeiten sind vorbei. Hinzu kommt, dass das Sekretariat und der Vorstand eng zusammenarbeiten und gemeinsam einen strategischen Plan für das IFIAR aufstellen – ein vielversprechender neuer Ansatz.

Im Anschluss wird der strategische Plan mit dem betrieblichen verbunden und durch Initiativen der Arbeitsgruppe ergänzt. Besonders wichtig in meinen Augen ist, dass sich das Sekretariat aktiv an die Mitglieder wendet und sie beim Wissensaufbau unterstützt. Durch diese aktive Kontaktaufnahme können möglichst viele Informationen ausgetauscht werden.

Die wichtigste Frage beim Optimierungsprozess lautet: Wie verbessern wir die Fähigkeiten unserer Mitglieder? Darunter fällt einiges, wie beispielsweise die Kommunikation unserer Kontrollmethoden sowie die kurzfristigen Entsendungen. Das ist eine unserer Empfehlungen, um Prüforganisationen zu helfen, die ihre Arbeit gerade erst beginnen oder aus bestimmten Gründen mehrere Wochen an einem bestimmten Ort verbringen müssen.

Das Sekretariat spielt in alledem eine wichtige Rolle für die Zukunft. Ich freue mich über unsere Erfolge 2018 und sehe auch 2019 starke Verbesserungen in der Wertschöpfung für unsere Mitglieder.

Gleichzeitig mache ich mir Sorgen, dass wir die Standards auf all die Veränderungen nicht schnell genug abstimmen können. Dabei stellt sich zwangsläufig die Frage: Investieren wir ausreichend Zeit in die Recherche neuer Technologien und der Auswirkungen, die diese auf unsere Standards haben könnten?
Brian Hunt
Vorsitzender des <em>International Forum of Independent Audit Regulators</em> (IFIAR)

F: Wie wird sich Ihrer Meinung nach die Rolle des Prüfers aufgrund aktueller technologischer Entwicklungen verändern?

A: Grundsätzlich zum Positiven. Wo auch immer Technologie Einzug hält, wird sie Prüfungen verbessern, denke ich. Wir werden mehr Einheitlichkeit schaffen. Dennoch habe ich u.a. Bedenken, ob wir die richtigen Daten extrahieren können. Ansonsten wären diese Maßnahmen nämlich problematisch.

Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass umfassende Analysen („Substantive Analytics“) in Audits sehr nützlich sind. Die dazugehörige Technologie ist gut durchdacht und war für die Entwicklerfirmen mit einer entsprechenden Investition verbunden.

Das Problem ist die Implementierung. Wer von Big Data und der Datenanalyse profitieren will, muss seine Mitarbeiter angemessen schulen, damit diese die Technologien auch nutzen können. Das macht mir ein wenig Kopfzerbrechen.

F: Wie könnten die Big Six diese Herausforderung meistern?

A: Die Prüfteams müssen sich hinsichtlich ihrer Kompetenzen neu aufstellen. Die neuen Technologien erfordern Mitarbeiter mit Mathematikkenntnissen und IT-Know-how, die die Algorithmen für die Datenextraktion verstehen. Aber auch die Prüfer selbst werden mehr IT-Erfahrung haben müssen. Unternehmen müssen deshalb verstärkt auf die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter setzen.

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass ein Auditteam in fünf Jahren ganz anders aussehen wird als heute.

Fazit

Die Qualität von Wirtschaftsprüfungen steigt. Doch der Weg zur fehlerfreien Prüfung ist noch lang. Bis dahin gibt es noch eine Menge an Optimierungspotenzial.

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