4 Minuten Lesezeit 10 Februar 2020
Mobile Packstation

Wie die Packstation auf Rädern ein Verkehrsproblem der Städte löst

Autoren

Peter Fuß

Senior Advisory Partner Advanced Manufacturing & Mobility | Deutschland, Österreich, Schweiz

Steht für Out-of-the-Box-Denken und pragmatische Lösungsansätze. Sieht die Zukunft der Mobilität nicht nur als berufliche Herausforderung – sondern als Leidenschaft.

Constantin M. Gall

Managing Partner Transaction Advisory Services & Leiter Mobility | Deutschland, Schweiz, Österreich

Constantin M. Gall blickt auf über 14 Jahre Erfahrung in der Transaktionsberatung und Automobilbranche zurück. Er selbst ist ein Autoenthusiast, der gerne mit Familie und Freunden reist.

Jan Sieper

Senior Manager Strategy and Mobility Innovation, Advanced Manufacturing & Mobility | Deutschland, Österreich, Schweiz

Ist Stratege und Umsetzer für die Digitalisierung des Autos und die Mobilität von morgen.

4 Minuten Lesezeit 10 Februar 2020

Der „MetroSnap“ kann den Lieferverkehr in den Städten reduzieren. Damit das gelingt, müssen viele Akteure zusammenarbeiten.

Der Onlinehandel boomt. Der E-Commerce Verband BEVH erwartet, dass der gesamte Umsatz der Branche in Deutschland in diesem Jahr die Schwelle von 100 Milliarden Euro übersteigt. Statt sich in das Einkaufsgetümmel zu stürzen, erledigen immer mehr Menschen ihre Einkäufe per Klick vom heimischen Sofa aus. Das ist bequem, verschärft in den Städten aber die Verkehrsprobleme: Denn immer mehr Paketdienste fahren in die Viertel, blockieren aus Parkplatzmangel die Fahrspur und ihre Abgase belasten die Luft zusätzlich. Dabei sind die Kommunen eigentlich bestrebt, möglichst viel Verkehr aus den Innenstädten herauszuhalten, um diese lebenswerter und umweltfreundlicher zu machen. Gemeinsam mit der Schweizer Ideenschmiede Rinspeed hat EY einen möglichen Lösungsansatz entwickelt. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Vorausgesetzt, alle Akteure ziehen an einem Strang.

Die leicht austauschbaren Aufsätze des MetroSnap können – je nach Anforderung – als autonome Shuttles Menschen zur Arbeit bringen, eine mobile Arztpraxis sein, ein Tante-Emma-Bioladen, ein Kiosk oder eben eine mobile Paketstation.
Peter Fuß
Senior Advisory Partner Advanced Manufacturing & Mobility | Deutschland, Österreich, Schweiz

Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas wurde der „MetroSnap“ vorgestellt. Bei dem elektrisch angetriebenen Fahrzeug gehen Fahrwerk und Aufbauten getrennte Wege. Die leicht austauschbaren Aufsätze können – je nach Anforderung – als autonome Shuttles Menschen zur Arbeit bringen, eine mobile Arztpraxis sein, ein Tante-Emma-Bioladen, ein Kiosk oder eben eine mobile Paketstation. Das Prinzip ist einfach: Nachdem die Logistikdienstleister ihre Sendungen gebündelt eingelegt haben, wird die mobile Packstation für eine bestimmte Zeit in der Nachbarschaft abgestellt. Die Kunden erhalten die Benachrichtigung, dass sie ihre Pakete abholen können. Begrenzte Öffnungszeiten, lange Anfahrtswege und die unliebsamen Karawanen von Kurierfahrzeugen wären dann Geschichte. Ganz nebenbei erübrigen sich auch fehlgeschlagene Zustellversuche, weil der Kunde nicht zu Hause ist, unbeaufsichtigt abgelegte Sendungen und Paketdiebstähle. Ganz zu schweigen von den damit verbundenen Umwelt- und Verkehrsbelastungen.

Ist das Science-Fiction? Mitnichten. Auch wenn sich der MetroSnap in Zukunft autonom bewegen soll, funktioniert diese innovative Art, Pakete schneller und einfacher zum Kunden zu bringen, schon heute mit einem menschlichen Fahrer. Gewissermaßen die Packstationen auf Rädern, gleich ums Eck.

Ist eine weitere App wirklich die Lösung der Mobilitätsprobleme?

Es mangelt nicht an Angeboten und Pilotprojekten, die Autobauer, Technologieunternehmen, Städte oder Start-ups für die Mobilität von morgen initiieren. Doch ist eine weitere App wirklich die Lösung? Das Konzept der mobilen Packstation zeigt, dass viele unterschiedliche Akteure zusammenarbeiten müssen, damit ein übergreifendes Mobilitäts-Ökosystem entsteht: Städte schaffen Infrastruktur, Hersteller bauen die Hardware, Telekommunikationsunternehmen kümmern sich um 5G, Technologieunternehmen entwickeln digitale Anwendungen. Nahverkehrsbetreiber sorgen für Fahrpläne und Taktung, Flottenbetreiber organisieren das Umladen der Pods (Aufbauten), das Routing der Skateboards (Fahrwerke) sowie das Reinigen und Laden, Banken kümmern sich um die Finanzierung, Versicherer regulieren Schäden. Gut möglich, dass die Fahrzeuge in Zukunft nicht mehr einer Person gehören, sondern vielen Nutzern gemeinsam oder Investoren. Die Zusammenarbeit so vieler Akteure mit unterschiedlichen Interessen und wirtschaftlichen Zwängen ist die eigentliche Herausforderung.

Wie das Zusammenspiel verschiedener Akteure in einem Mobilitäts-Ökosystem gelingt

Um die nachhaltige Mobilität in den Städten umzusetzen, braucht es drei Dinge: Plattformen, Spielregeln und Vertrauen. Für alle drei stehen Lösungen bereit.

1.        Um das Zusammenspiel so vieler Akteure zu organisieren, braucht es Plattformen. Die fallen nicht vom Himmel. Einer muss anfangen und möglichst viele Mitstreiter finden, um alle Funktionen abzudecken. Das ist nicht so einfach. Ist der Plattformbetreiber zu dominant, könnten andere Anbieter davor zurückschrecken, aus Angst, vereinnahmt zu werden und ihre Kundenbasis zu verlieren. EY hat mit „Tesseract“ daher selbst eine Mobilitäts-Plattform entwickelt, die auf Blockchain-Technologie basiert. Darin werden alle Fahrzeuge und Fahrten protokolliert und die nutzungsabhängigen Zahlungen für Hardware, Parkplatz oder Versicherung an die einzelnen Eigentümer, Betreiber und Serviceanbieter abgewickelt. 

  • Tesseract – Die EY-Plattform für integrierte Mobilität von morgen

    EY Tesseract ist unsere Blockchain-basierte Plattform für die vernetzte und autonome Mobilität von morgen. Sie verknüpft einzelne Fahrzeuge, Flotten, Transportdienstleistungen und Mobilitäts-Angebote. Die genutzten Fahrzeuge und zurückgelegten Strecken werden digital in der Blockchain mitgeschrieben. So lassen sich Transaktionen automatisch zwischen den Besitzern, Anbietern und Dienstleistern abrechnen. Mit dieser übergreifenden Plattform können Fahrzeughersteller, Mobilitätsanbieter, Städte, Energieversorger oder Infrastrukturbetreiber gemeinsam neue Geschäftsmodelle rund um die Mobilität der Zukunft erschließen.

2.       Damit Pods, Skateboards, Ladestationen oder Service Hubs nahtlos koordiniert werden und viele Akteure zu einem Ökosystem beitragen können, braucht es Spielregeln. Verlässliche physische Standards und digitale Schnittstellen sind die Basis. Als Vorbild kann die Logistik von Seefrachtcontainern dienen, die eine ganze Branche revolutioniert hat.

3.       Sind immer mehr Akteure in die Produktions- und Lieferketten von Lebensmitteln, Kleidung oder sonstigen Konsumgütern eingebunden, spielen Sicherheit und Transparenz eine wichtige Rolle – sowohl für die beteiligten Firmen, als auch für die Endverbraucher. Die dritte Voraussetzung ist daher Vertrauen. EY OpsChain, eine der weltweit führenden Blockchain-Anwendungen, wurde dazu entwickelt, sämtliche Schritte von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung bis zur Auslieferung in Echtzeit nachvollziehbar zu machen. Ganz nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Erstmals wurde OpsChain bei einem Weinbaubetrieb in Italien eingesetzt. Vom Anbau über die Ernte der Trauben, den Reifeprozess, die Abfüllung bis zur Lieferung ließen sich jederzeit alle Schritte exakt nachvollziehen. Der Kunde konnte sich also sicher sein, dass tatsächlich der Barolo oder Merlot in der Flasche war.

Am Anfang steht immer die Idee. Wir haben heute die besten Möglichkeiten und Voraussetzungen, diese Vision für morgen zu realisieren und mutige Ansätze für eine nachhaltige Mobilität in Städten umzusetzen. Gemeinsam.

Fazit

Der Onlinehandel boomt. Einkaufen per Mausklick ist bequem, verschärft in den Städten aber zusehends das Verkehrsproblem: Immer mehr Paketdienste fahren in die Viertel, blockieren die Fahrspur und belasten die Luft zusätzlich. Dabei sind die Kommunen eigentlich bestrebt, möglichst viel Verkehr aus den Innenstädten herauszuhalten, um diese lebenswerter zu machen. Gemeinsam mit der Schweizer Ideenschmiede Rinspeed hat EY einen möglichen Lösungsansatz entwickelt. Dank austauschbarer Aufbauten kann der MetroSnap als autonomer Shuttle Menschen zur Arbeit bringen, eine mobile Arztpraxis sein, ein Tante-Emma-Bioladen, Kiosk oder eben eine mobile Paketstation. Das ist keine Science-Fiction, sondern funktioniert schon heute. Vorausgesetzt, alle Akteure ziehen an einem Strang.

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Peter Fuß

Senior Advisory Partner Advanced Manufacturing & Mobility | Deutschland, Österreich, Schweiz

Steht für Out-of-the-Box-Denken und pragmatische Lösungsansätze. Sieht die Zukunft der Mobilität nicht nur als berufliche Herausforderung – sondern als Leidenschaft.

Constantin M. Gall

Managing Partner Transaction Advisory Services & Leiter Mobility | Deutschland, Schweiz, Österreich

Constantin M. Gall blickt auf über 14 Jahre Erfahrung in der Transaktionsberatung und Automobilbranche zurück. Er selbst ist ein Autoenthusiast, der gerne mit Familie und Freunden reist.

Jan Sieper

Senior Manager Strategy and Mobility Innovation, Advanced Manufacturing & Mobility | Deutschland, Österreich, Schweiz

Ist Stratege und Umsetzer für die Digitalisierung des Autos und die Mobilität von morgen.