3 Minuten Lesezeit 27 September 2019
Mappe mit Reißnägel

Warum Prüfungsausschüsse ihren Blick in die Zukunft lenken müssen

Von

Sven Hayn

Managing Partner Assurance Strategy | Deutschland, Schweiz, Österreich

Entwickelt mit seinem Team Strategien zur Digitalisierung und Globalisierung im Bereich der Wirtschaftsprüfung. Setzt in der Freizeit seine Frau und seine beiden Kinder an erste Stelle.

3 Minuten Lesezeit 27 September 2019

Digitalisierung, Regulierung und CSR-Anforderungen verändern Unternehmensprofile. Welche neuen Aufgaben kommen auf den Prüfungsausschuss zu?

Angesichts des digitalen Wandels, neuer regulatorischer Vorgaben sowie des zunehmenden Interesses von Stakeholdern und der Öffentlichkeit am unternehmerischen Umgang mit Nachhaltigkeit sind Prüfungsausschüsse mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert.

Insbesondere die Digitalisierung und die Globalisierung tragen dazu bei, dass sich das Geschäftsumfeld von Unternehmen kontinuierlich verändert. Darüber hinaus ermöglichen technologische Innovationen wie Data Analytics und CAAT (Computer Assisted Audit Techniques) die Verarbeitung immer größerer Datenmengen und erhöhen die Qualität der Abschlussprüfung. Diese Qualitätssteigerung ist auf die Analyse von Massendaten und den Einsatz innovativer Prüfungstools zurückzuführen, die es ermöglichen, deutlich relevantere Fragen im Rahmen des risikoorientierten Prüfungsansatzes zu stellen.

Perspektivenwechsel ist gefragt

Für das Management, die Stakeholder, die Öffentlichkeit und die Investoren werden zukunftsorientierte Informationen relevanter. Um nachhaltig zum Unternehmenserfolg beizutragen, müssen Prüfungsausschüsse das Augenmerk von vergangenheitsorientierten Daten auf zukunftsorientierte Bewertungen unterschiedlicher nichtfinanzieller Risiken (Non-Financial Risks, NFRs) richten. Der Fokus des Aufsichtsrats und damit auch des Prüfungsausschusses schwenkt zunehmend vom Financial Reporting hin zum Corporate Reporting.

Prüfungsausschussmitglieder benötigen nicht mehr nur eine finanzielle Expertise, sondern technologisches und strategisches Verständnis, um die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens zu sichern.

Was bringt die Zukunft für europäische Audit Committees? 

In der Studie „A view on the current and future role of Audit Committees“ untersuchen wir Unterschiede, Trends und Perspektiven von Prüfungsausschüssen in Europa. Die Analyse zeigt, wie sich die Gremien angesichts der veränderten Risikoprofile von Unternehmen, neuer Regulierungsvorgaben und digitaler Innovationen zukunftsorientiert ausrichten können.

Für die Studie wurden Audit-Committee-Mitglieder in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Schweden und Großbritannien sowie Corporate-Governance-Experten befragt. Im Fokus der Untersuchung stehen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Ausschussstruktur, der Aufgabenverteilung, der Zusammenarbeit mit dem Management, externen Prüfern und Stakeholdern sowie im Umgang mit neuen Regulierungsvorgaben. 

Best Practice für CSR-Reporting gesucht

Europaweit bestehen erhebliche Unterschiede in der Struktur und Aufgabenverteilung bei Audit Committees, ebenso wie bei der Umsetzung der EU-Abschlussprüfungsreform, bei der Bewertung der Qualität der Abschlussprüfung und bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Social Responsibility, CSR). Insbesondere bei der CSR-Berichterstattung suchen Audit Committees noch nach Best-Practice-Standards sowie entsprechenden Tools und Prozessen.

Trotz der strukturellen und regulatorischen Unterschiede gibt es jedoch innerhalb Europas auch zahlreiche Gemeinsamkeiten bei der Zusammenarbeit von Prüfungsausschuss und Vorstand sowie mit dem Abschlussprüfer und bei der Überwachung interner Kontrollsysteme:

  • Die meisten Audit Committees verstehen sich bei der Definition von Zielsetzung und Strategie als Sparringspartner des Managements – erst bei der Umsetzung wird die traditionelle Aufsichtsrolle eingenommen.
  • Bei den traditionellen Aufgaben der Überwachung interner Audit- und Kontrollprozesse sowie der externen Prüfung von Unternehmen gehen Audit Committees insgesamt systemunabhängig und einheitlich vor.
  • Die Verantwortung für die Umsetzung regulatorischer Vorgaben überlassen die Prüfungsausschüsse europaweit dem Management. Zudem pflegen Audit Committees wenig formelle Kontakte zu Regulierungsbehörden, Gesetzgebern und Investoren.

Wie Industrie 4.0 die Auditprozesse beeinflusst

Die Prozesse zur Sammlung und Auswertung von Finanzdaten werden immer innovativer. Mit neuen Technologien wie Data Analytics und Künstlicher Intelligenz werden interne und externe Auditprozesse sowie die interne Revision zunehmend digital und automatisiert ablaufen und die Qualität und Effizienz von Prüfungshandlungen werden gesteigert. Diese Veränderungen erfordern neue Aufsichtsmechanismen, die Audit Committees bereits jetzt bei ihrer Neuausrichtung berücksichtigen sollten.

 

Das Aufgabenspektrum der Prüfungsausschüsse erweitert sich – in Zukunft müssen sie auch Managementstrategie und Cybersecurity im Blick haben.

So bleibt das Audit Committee eine wichtige Stütze für gute Unternehmensführung 

Um aktuelle Herausforderungen und künftige Risiken angemessen bewerten und erfolgreich bei der Jahresabschlussprüfung berücksichtigen zu können, sollten Prüfungsausschüsse

  • Best Practices für das CSR-Reporting etablieren,
  • Mitglieder gewinnen, die über digitales Know-how verfügen, um interne und externe Auditprozesse anpassen zu können,
  • die Amtszeiten verkürzen, um qualifizierte Ausschussmitglieder rasch integrieren zu können, und
  • offener mit Regulierungsbehörden und Gesetzgebern kommunizieren, um neue Vorgaben zeitnah umsetzen zu können.

Durch ihr erweitertes Aufgabenspektrum können Audit Committees entscheidend dazu beitragen, das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Stakeholder in ein Unternehmen zu erhöhen und dessen Geschäftserfolg nachhaltig zu stärken. Um diese Chance künftig zu nutzen und sich für die Entwicklungen von Industrie 4.0 zu wappnen, sollten sich die Prüfungsausschüsse zeitnah zukunftsorientierter aufstellen.

Fazit

Der digitale Wandel, neue regulatorische Anforderungen sowie das zunehmende Interesse von Stakeholdern und der breiten Öffentlichkeit am unternehmerischen Umgang mit Nachhaltigkeit stellen Prüfungsausschüsse (Audit Committees) europaweit vor Herausforderungen. Ausgehend von Interviews mit Prüfungsausschussmitgliedern aus acht Ländern stellt unsere Studie die wesentlichen Trends und Zukunftsperspektiven für Audit Committees vor.

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Sven Hayn

Managing Partner Assurance Strategy | Deutschland, Schweiz, Österreich

Entwickelt mit seinem Team Strategien zur Digitalisierung und Globalisierung im Bereich der Wirtschaftsprüfung. Setzt in der Freizeit seine Frau und seine beiden Kinder an erste Stelle.