4 Minuten Lesezeit 17 April 2020
Frau überquert leere Straße in New York

Wie das German Business Network in den USA seinen Mandanten in der Corona-Krise hilft

Von

EY Deutschland

Wegbereiter des Wandels

4 Minuten Lesezeit 17 April 2020
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Der New Yorker EY-Expatriate Alexander C. Opaschowski über den Lockdown in den USA und die Unterstützung für deutsche Unternehmen

Herr Opaschowski, wo sind Sie gerade?

Alexander C. Opaschowski: Ich arbeite seit mehr als sechs Wochen in meinem Homeoffice in einem kleinen Ort im Westchester County nordöstlich von New York City, etwa 45 Minuten Bahnfahrt von unserem EY-Office am Times Square entfernt. Wir haben bei uns im German Business Center (GBC) in New York  schon sehr früh auf „mandatory work from home“ umgestellt. Wenn wir uns die Entwicklung rückwirkend anschauen, war das genau die richtige Entscheidung.

Wie hat sich Ihr Leben vom Tag der Ausgangssperre an verändert? Wie sieht Ihr Alltag aus?

Opaschowski: Ich bin positiv überrascht, wie reibungslos die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen und Mandanten funktioniert, obwohl wir ja nur noch virtuell miteinander im Austausch sind. Aber im GBC sind wir ein eingespieltes Team und digital hervorragend aufgestellt, sodass räumliche Entfernungen für uns keine Rolle spielen. So können wir beispielsweise mit unserer weltweit einheitlichen Prüfungssoftware EY Canvas Abschlussprüfungen „end to end“ digital durchführen, ohne unbedingt beim Mandanten vor Ort sein zu müssen. Gerade jetzt zeigt es sich, wie wichtig es für Unternehmen ist, frühzeitig in die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle zu investieren. 

 

Gerade jetzt zeigt es sich, wie wichtig es für Unternehmen ist, frühzeitig in die Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle zu investieren.
Alexander C. Opaschowski
Leiter des German Business Center (GBC) in New York City
Porträtfoto von Alexander Opaschowski

EY-Expatriate Alexander C. Opaschowski arbeitet seit mehr als sechs Wochen im Homeoffice

Wie geht es aus Ihrer Sicht den deutschen Unternehmen, die in den USA aktiv sind?

Opaschowski: Die meisten Tochterunternehmen sind fest in die globalen Liefer- und Leistungsbeziehungen ihrer deutschen Mutterkonzerne eingebunden, weshalb sie – ganz unabhängig von der hiesigen Situation – von der weltweiten Entwicklung betroffen sind. Dies gilt insbesondere für die Automobilhersteller und ihre Zulieferer. Daneben kommt es natürlich auf die jeweilige Branche an. Während Lebensmittelgeschäfte und Apotheken weiter geöffnet haben, leiden der stationäre Einzelhandel und die gerade in New York City starke Entertainment-Branche sehr, da mittlerweile alle Shopping Malls, Restaurants, Bars und Theater geschlossen haben. Manche Unternehmen können den fehlenden Umsatz über das Internet zumindest teilweise kompensieren. Viele arbeiten daran, Notfallpläne zu entwickeln – und hierbei unterstützen wir sie bereits.

Wie können Sie den Unternehmen konkret helfen?

Opaschowski: EY hat in jedem Land der Welt – wie auch in den USA – eigene Task Forces aufgebaut, die sich um die derzeit dringenden Fragen wie Steuerstundungen, rechtliche Unklarheiten rund um Vertragsverhältnisse und Versicherungsfragen oder Kurzarbeit kümmern. Mit diesen Gruppen stehen wir vom GBC in engem Kontakt. Das Gleiche gilt für die Teams, die sich mit den längerfristigen Herausforderungen wie Liquiditäts- und Lieferkettenmanagement, Geschäftsplan oder Strategie befassen. Wenn unsere Mandanten hier Fragen haben, können wir sehr schnell und gezielt helfen – in ihrer jeweiligen Sprache. Darüber hinaus begleiten wir sie aber auch weiterhin grundsätzlich bei der digitalen Transformation, beispielsweise beim Aufbau einer digitalen Steuerabteilung. Wie wichtig das ist, wird gerade jetzt deutlich.

Erst heute Nachmittag hatte ich wieder ein Telefonat mit dem CFO eines deutschen Unternehmens, dem ich dabei helfen konnte, ein Hilfspaket zu beantragen.
Alexander C. Opaschowski

Können Sie ein aktuelles Beispiel für Ihre Unterstützung nennen?

Opaschowski: Jüngst hat der amerikanische Präsident den „Coronavirus Aid, Relief, and Economic Security Act“, kurz CARES Act, unterzeichnet, der eine Vielzahl von Unterstützungsregelungen für Unternehmen und Arbeitnehmer wie beispielsweise Lohnsteuergutschriften, steuerliche Verlustrückträge, Änderungen bei steuerlichen Abzugsbeschränkungen, Arbeitslosenhilfe oder Notfallkredite enthält. Jetzt kommt es darauf an, diese Regelungen umzusetzen. Hierbei helfen wir unseren Mandanten. Da wir sowohl enge Kontakte zu unseren amerikanischen EY-Teams als auch zu unseren deutschen wie auch globalen EY-Kolleginnen und -Kollegen pflegen, können wir schnell und gezielt die richtigen Gesprächspartner und Experten heranziehen. Gerade heute Nachmittag hatte ich wieder ein Telefonat mit dem CFO eines deutschen Unternehmens, dem ich dabei helfen konnte, ein Hilfspaket zu beantragen. Ein besonders starkes Tool ist unser „EY Tax COVID-19 Response Tracker“. Er steht unseren Mandanten weltweit zur Verfügung und liefert für nahezu sämtliche Länder der Welt tagesaktuell alle öffentlichen Hilfsprogramme – und das auf einen Blick.

German Business Network

250

Prüfer und Berater stehen deutschen, schweizerischen und österreichischen Unternehmen in 70 Wirtschaftsmetropolen und 40 Ländern der Welt bei ihren unternehmerischen Herausforderungen zur Seite.

Gerade in Krisenzeiten spielt der persönliche Austausch eine große Rolle, vor allem wenn man im Ausland aktiv ist. Spüren Sie dies in der Zusammenarbeit mit Ihren Mandanten?

Opaschowski: Ich beobachte, dass die Kommunikation und Interaktion mit unseren Mandanten häufiger und intensiver geworden ist und wir „sehr nah dran sind“. Die Verlegung der Arbeitsplätze ins Homeoffice hat uns zwar räumlich, nicht aber persönlich getrennt. Hier helfen natürlich moderne Kommunikationstools wie Skype oder Teams, die wir bei EY einsetzen. Aber auch das gute alte Telefongespräch erlebt eine Renaissance. Das ist eine verrückte Erfahrung!

Glauben Sie, dass die Corona-Krise die Lieferketten und die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Deutschland langfristig verändern wird?

Opaschowski: In der Vergangenheit wurden Lieferketten besonders unter dem Aspekt der Effizienz betrachtet; diese Sichtweise wird künftig um den Aspekt der Resilienz, also der Widerstandsfähigkeit, ergänzt werden müssen. Hier sind wir mit vielen Unternehmen in Kontakt und entwickeln Ansätze zur Reorganisation ihrer Supply Chain, indem wir etwa von vornherein Alternativen einbauen. Ob die Corona-Krise die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA nachhaltig beeinflusst, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Einen wesentlichen Einfluss auf die bilateralen Handelsbeziehungen wird auf jeden Fall der Ausgang der Wahl des US-Präsidenten im November 2020 haben.

In der Vergangenheit wurden Lieferketten besonders unter dem Aspekt der Effizienz betrachtet; diese Sichtweise wird zukünftig um den Aspekt der Resilienz ergänzt werden müssen.
Alexander C. Opaschowski

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen: Was wird sich nach Corona in den USA ändern – für die amerikanischen Unternehmen selbst und für die deutschen Unternehmen, die sich dort engagieren?

Opaschowski: Die Corona-Krise fordert uns alle. Die Auswirkungen können wir heute nur erahnen. Dennoch muss Krise nicht Rückschritt bedeuten. Jeder Krise wohnt auch immer eine neue Chance inne. Die Corona-Krise hat uns gelehrt, dass es auch „ganz anders“ geht – nämlich virtuell – und dass wir gerade in einer Krise weiter zusammenwachsen. Trotzdem freue ich mich darauf, meine Teams und meine Mandanten in Zukunft wieder persönlich zu sehen. Daneben könnte ich mir gut vorstellen, dass die Themen „Öffentliche Gesundheit“ und „Arbeitnehmerschutz“ in den USA neu diskutiert werden. Alles hat seine Zeit – auch die Krise!

Die Corona-Krise hat uns gelehrt, dass es auch „ganz anders“ geht – nämlich virtuell – und dass wir gerade in einer Krise weiter zusammenwachsen.
Alexander C. Opaschowski

Fazit

Seit Mitte März sind die Vereinigten Staaten im Corona-Ausnahmezustand. Alexander C. Opaschowski, Leiter des German Business Center (GBC) für Nordamerika und Mexiko mit Sitz in New York City, spricht im Interview über seinen neuen Arbeitsmodus, die aktuelle Situation der deutschen Unternehmen in den Vereinigten Staaten und die Unterstützung, die ihnen das German Business Network bietet. 

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