3 Minuten Lesezeit 16 April 2021
Blick von den Felsen auf den Staudamm Flaje

Warum die Klimakrise alle Unternehmen komplett verändern wird

Von Florian Huber

Leiter Unternehmensentwicklung & Co-Leiter EYCarbon | Deutschland, Schweiz, Österreich

Transformations-Enthusiast, der es liebt, mit anderen zusammen Neues zu erschaffen. Original Münchner, wo er mit seiner Frau und 4 Kindern die typischen Hobbys pflegt.

3 Minuten Lesezeit 16 April 2021

Noch immer halten es viele für übertrieben, aber Klimathemen werden zu einer nie für möglich gehaltenen Transformation von Unternehmen führen.

Überblick

  • Bisher bedeutete mehr Wohlstand auch immer mehr CO2-Ausstoß. Das muss sich ändern.
  • Klima ist das neue Digital: Die Klimatransformation wird alle Lebensbereiche und das unternehmerische Handeln nachhaltig verändern.
  • Mit EYCarbon gehen wir neue Wege in der Beratung: weg von Umsatzmaximierung, hin zur Maximierung des Impact.

Es gibt einen Glaubenssatz der vergangenen Jahrzehnte, den sich kaum jemand traut, infrage zu stellen. Er lautet: Wollen wir mehr Wohlstand für alle, produzieren wir mehr CO2. Alle Bereiche unseres Handelns verbrauchen Ressourcen und je mehr Menschen ihren Lebensstil westlichen Wohlstandsidealen angleichen, desto mehr schädigen wir den Planeten. Wollen wir die Erde und das Klima nachhaltig retten, müssen wir unsere Vorstellung von Wohlstand und unser Handeln konsequent verändern – und uns auch von manch Liebgewonnenem verabschieden. Klimaneutralität erreichen wir nicht mit ein paar gespendeten Bäumen zum Ausgleich von Flugreisen oder verbessertem Dämmmaterial für Gebäude. Wir erleben eine Zeitenwende, die das Leben auf dem Planeten und das unternehmerische Handeln verändern wird.

„Klima ist das neue Digital“: mehr als nur eine Phrase

„Klima ist das neue Digital“ lautet eine oft bemühte Floskel, aber sie bringt die Transformation auf den Punkt. Genauso wie wir erlebt haben, dass Computer und Internet in alle Bereiche des menschlichen Lebens vorgedrungen sind, wird die Klimatransformation unsere Welt verändern. Möglicherweise werden wir es die 5. Industrielle Revolution nennen.

Auf Wirtschaftsseite zeichnen sich drei Gruppen von Unternehmen ab:

  1. „Transform or die“: Die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen befinden sich am Scheideweg. Die Unternehmen sollten massiv in neue Technologien und Netzwerke investieren, um ihr bisheriges Handeln effizienter und zukunftssicher zu gestalten.
  2. „Transform to win“: Die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen bieten Differenzierungspotenzial. Neue Ideen und klimaneutrale Wertschöpfung bringen einen Wettbewerbsvorteil.
  3. „Transform to transform“: Gefragt sind sogenannte Transformations-Enabler, die neue Technologien, Verfahren und Prozesse für alle anderen Unternehmen überhaupt erst ermöglichen.
EYCarbon portrait of Florian Huber

Florian Huber

Nicht umsonst rät die US-amerikanische Business-Professorin Rita McGrath dazu, Geschäftsmodelle und Produkte schon bei ihrer Entwicklung mit einem Enddatum zu versehen, um so eine interne Kultur des ständigen Wandels zu etablieren.

Die Transformation ist mit vielen Unsicherheiten behaftet. Es ist schwer zu planen, wie schnell die Grenzkosten neuer Technologien sinken, wie umfassend Regierungen ihre Förderpolitik verändern oder welche Innovationen künftig ausreichend viele Käufer finden werden. Der Wandel wird unumstößlich kommen und ein paar Eckpfeiler stehen bereits fest: Grüne Energie und nachhaltige Produkte werden zunächst ein Monopolfaktor sein und Vorteile bringen. Sie dringen dann aber absehbar in den weltweiten Massenmarkt vor – und bisherige Lösungen werden verschwinden.

Nicht umsonst rät die US-amerikanische Business-Professorin Rita McGrath dazu, Geschäftsmodelle und Produkte schon bei ihrer Entwicklung mit einem Enddatum zu versehen, um so eine interne Kultur des ständigen Wandels zu etablieren. Sie plädiert dafür, Cash Cows auf ihrem Höhepunkt „zu schlachten“  und das Geld in immer neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle zu investieren.

Gesetz der wenigen und Klebrigkeitsfaktor: warum die Klimatransformation plötzlich richtig einschlägt

Dass die Klimatransformation jetzt mit einer solchen Vehemenz stattfindet, hat viele Gründe. Der US-Autor Malcolm Gladwell beschreibt in seinem Bestseller „The Tipping Point“ („Der Wendepunkt“) drei Aspekte, die zusammenkommen müssen, um Wirkung in der breiten Masse auszulösen.

  1. Das „Gesetz der wenigen“ beschreibt die Notwendigkeit von Menschen mit hoher sozialer Strahlkraft als Teil der Debatte. Eines der prominentesten Beispiele ist die schwedische Schülerin Greta Thunberg.
  2. Der „Klebrigkeitsfaktor” erfordert, dass Inhalte einfach und einprägsam sein müssen, damit sie haften bleiben. Wie nie zuvor werden die komplexen Szenarien von Klimawissenschaftlern in leicht verständliche Modelle übersetzt; das 2-Grad-Ziel kennt inzwischen jeder.
  3. Unter der „Kraft des Kontextes” versteht Gladwell schließlich, dass die Umstände und Erlebnisse der Zuhörer zu den Kernbotschaften der Veränderer passen müssen. Diese  wächst derzeit, weil immer mehr Menschen erleben, wie aus theoretischen Debatten spürbare Wetteränderungen und Katastrophen in ihrer Nähe werden.

Davos war ein Wendepunkt für Wirtschaft, Gesellschaft und Finanzwelt

Ein Wendepunkt der Debatte war das Weltwirtschaftsforum in Davos 2020. Anders als je zuvor wurden dort die Herausforderungen der Klimakrise für Wirtschaft, Gesellschaft und Finanzwesen anerkannt. Nicht mehr zu übersehen war, dass 2019 mehr Fortune-500-Unternehmen Klima-Commitments veröffentlicht haben als in den Jahren 2005 bis 2015 zusammen. Von Mitte des Jahres 2019 an waren auch die Google-Suchanfragen zum Thema exponentiell gestiegen und die weltweiten Demonstrationen der Klimabewegung zählen zu den größten Protesten der Geschichte. Auch beim Geld, also dort, wo Zyniker die einzige entscheidende Quelle für Veränderung vermuten, geschah Neues: Die Zahl der nachhaltigen Fonds explodierte und einige der größten Institutionen kündigten an, künftig nicht mehr ohne strengen Blick auf Sustainability-Kennzahlen investieren zu wollen.

EYCarbon

Die Dekarbonisierung treibt die nächste große Transformation voran, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit umgestaltet. Um die Herausforderungen der Dekarbonisierung zu meistern und die Chancen zu nutzen, haben wir EYCarbon gegründet.

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Auch Beratung verändert sich wie nie zuvor

Auch für ein Beratungsunternehmen wie EY bedeutet die Klimatransformation eine Zeitenwende. Deshalb gehen wir mit EYCarbon neue Wege in der Beratung. Statt auf Umsatzmaximierung mit den Kunden setzen wir auf die Maximierung des Impact: Welches Handeln verspricht den größten Erfolg im Kampf gegen die Klimakatastrophe? Wir wollen nicht unsere eigenen Verkäufe maximieren, sondern den Einfluss unserer Arbeit auf Umwelt und Gesellschaft. Unter den Big Four waren wir Vorreiter hinsichtlich der Eigenverpflichtung, Carbon Net Zero bis 2025 zu werden. Net Zero beschreibt den Zustand, in dem eine Organisation ihre Emissionsreduktionen an 1,5 °C globaler Erderwärmung ausgerichtet und erreicht hat und alle verbleibenden Emissionen aus der Atmosphäre entfernt hat. Damit haben wir uns ein ambitioniertes Ziel für den Klimaschutz gesetzt, das wir nachhaltig erreichen wollen. Für EYCarbon handeln wir ebenfalls nach konkreten Regeln:

  • Wir beraten nur, wenn es wirklich um Transformation geht.
  • Wir beraten nur, wenn es auch um eine tatsächliche Umsetzung geht statt nur um Konzepte und Strategiepapiere.
  • Wir teilen wesentliche Erkenntnisse mit unseren Kunden, um in weiteren Unternehmen die Transformation voranzubringen.

Wir wissen, wie diese Haltung irritiert. Wir glauben aber, dass wir über das wichtigste Thema unseres Planeten und unserer Zukunft sprechen. Wir glauben, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt für Irritation ist.

Fazit

Mehr Wohlstand muss künftig möglich sein, ohne den CO2-Ausstoß  zu erhöhen – eine Mammutaufgabe für Politik, Unternehmen und Gesellschaft. Die Klimakrise wird alle Lebensbereiche so stark verändern, wie es einst Computer und Internet getan haben. Unternehmen sollten sich den Herausforderungen stellen und der Transformation mit neuen Ansätzen begegnen.

In unserer Arbeit rund um EYCarbon setzen wir nicht mehr auf Umsatzmaximierung, sondern wollen den Impact der Arbeit erhöhen.

Über diesen Artikel

Von Florian Huber

Leiter Unternehmensentwicklung & Co-Leiter EYCarbon | Deutschland, Schweiz, Österreich

Transformations-Enthusiast, der es liebt, mit anderen zusammen Neues zu erschaffen. Original Münchner, wo er mit seiner Frau und 4 Kindern die typischen Hobbys pflegt.