Sind Menschen die wichtigste Variable in Ihrer Analytics-Gleichung?

Von

Robert Holston

EY Global Consumer Industries Advisory Leader

Unlocking differentiated value for consumer-facing companies navigating an increasingly complex, connected digital world. Inclusive leader, high-performing team champion. Ironman triathlete. Foodie.

5 Minuten Lesezeit 28 März 2018

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Unternehmen können Analytics entlang der gesamten Wertschöpfungskette einsetzen. Es werden aber Menschen benötigt, um die Daten zu interpretieren und daraus wertgenerierende Entscheidungen abzuleiten.

Unternehmen nutzen Daten schon lange für ihre Strategieentwicklung, ihre operativen Entscheidungen und ihr Risikomanagement. Advanced Analytics eröffnen nun völlig neue Optionen für diese Einsatzgebiete. Sie erschließen effizientere, schnellere und stets verfügbare Methoden, um auch im derzeit herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld ein nachhaltiges, profitables Wachstum zu sichern.

Es ist dabei nicht schwer, die Verantwortlichen vom Potential der Analytics zu überzeugen. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, dieses Potential auch wirklich zu nutzen. Unternehmen investieren bereits seit geraumer Zeit in diesen Bereich, die Ergebnisse sind allerdings oft enttäuschend.

Nur wenige CEOs sind in der Lage, die Komplexität der Aufgabenstellung so weit zu reduzieren, dass sie das Potential von Analytics wirklich ausschöpfen. Eine unserer aktuellen Umfragen unter Marktführern im Konsumgüterbereich belegt, dass die meisten von ihnen immer noch Probleme damit haben, einen Nutzen aus Analytics zu ziehen. Allerdings gaben auch 11 Prozent der Befragten in unserer Studie an, dass ihr Unternehmen endlich brauchbare Erkenntnisse aus allen verfügbaren Datenquellen zieht. 10 Prozent glauben, dass sie nun in der Lage sind, durch Analytics gewonnene Erkenntnisse im großen Maßstab zu nutzen. 33 Prozent schließlich sind zuversichtlich, dass sie nun bessere Entscheidungen treffen und diese schneller umsetzen können.

Aus dem Wettbewerb herausstechen

Viele Unternehmen haben ein hochkarätiges Team zusammengestellt, um Analytics kennenzulernen und festzulegen, wo sie in ihren Unternehmen prioritär zum Einsatz kommt. Obwohl diese Untersuchungen mit erheblichen Investitionen gestützt werden, scheitern viele Pläne.

Nur eine Minderheit an Unternehmensverantwortlichen bricht dieses Muster auf und findet das fehlende Teilchen im Analytics-Puzzle. Sie sind mit Analytics erfolgreich, weil sie die richtige Balance zwischen der Technologie und dem gefunden haben, was wir bei EY als das „menschliche Element“ bezeichnen. Sie haben in die operative Infrastruktur investiert, die sinnvolle Analysen erst möglich macht – durch neue Technologien und Tools, durch die Steigerung der Datenqualität und durch Kompetenzaufbau im Bereich Advanced Analytics. Sie haben es aber auch nicht versäumt, die Grundlagen zu schaffen, damit die Menschen im Unternehmen Analytics tatsächlich nutzen können.

Unternehmen verfehlen oftmals ihre Ziele, weil sie sich auf die technologische Seite von Analytics konzentrieren und das menschliche Element vernachlässigen. Benötigt wird aber ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Produktion und der Verwendung von Analysen. Der erste Aspekt umfasst alle technischen Fähigkeiten, die es zur Gewinnung von Analysen braucht:

  • Infrastruktur und Werkzeuge
  • Kontrollen der Datenqualität
  • Data Science-Kompetenz

Der zweite Aspekt umfasst menschliche Faktoren, die dafür sorgen, dass die Analyseerkenntnisse sinnvoll genutzt werden:

  • Organisations- und Prozessdesign
  • Kultur und Führung
  • Integrierte Lern- und Entwicklungsstrukturen

Weniger Sorgen und eine ausbalanciertere Anwendung von Analysen

Die Bedeutung des menschlichen Elements in der Analytics kann gar nicht oft genug betont werden. Unternehmen können Analysen nun in jedem Bereich der Wertschöpfungskette einsetzen. Sie können:

  • besonders profitable oder unprofitable Produkte und Kunden identifizieren
  • den Vertrieb optimieren
  • die Produktionsplanung präzisieren
  • die effizientesten Distributionskanäle identifizieren
  • versteckte Risiken aufdecken
  • Anreizsysteme optimieren

Diese Optimierungen sind allerdings nur möglich, wenn Menschen zur Verfügung stehen, die die Ergebnisse der Analysen für wertschöpfende Entscheidungen nutzen können.

Bei jedem Analysevorgang kommt der Punkt, an dem eine menschliche Entscheidung erforderlich wird. Die Analyse von Daten kann aufdecken, wie sich die Planung nationaler Wertschöpfungsketten in eine Abfolge taktischer Entscheidungen übersetzen lässt, um das Wachstum auf Geschäfts-, Produkt- oder Kundenebene voranzutreiben. Doch nur ein Mensch kann diese Erkenntnisse in der Praxis umsetzen. Je schneller Sie Ihre Mitarbeiter zu aktiven Analysenutzern machen, desto schneller rechnen sich Ihre Investitionen in Analytics. Und sobald Analysen genau dort in Geschäftsprozessen Anwendung finden, wo Entscheidungen getroffen werden, generieren sie Mehrwert.

Bei jedem Analysevorgang kommt der Punkt, an dem eine menschliche Entscheidung erforderlich wird.

Daten vermenschlichen

Wie setzen Unternehmen den menschlichen Aspekt von Analytics richtig ein? Und sollte dies bei Ihnen schon der Fall sein – wie können Sie auf diesem Erfolg aufbauen?

  1. Stellen Sie Ihr Recruiting auf den Prüfstand und entwickeln Sie die richtigen Mitarbeiter. Wenn Sie Analytics-Talente identifizieren und sie in der gesamten Organisation von der Führungsebene bis in die einzelnen Geschäftsbereiche positionieren, schaffen Sie ein wirklich datengetriebenes Unternehmen. Geben Sie diesen Talenten Verantwortung für die Entwicklung und Implementierung wiederholbarer Prozesse, mit denen Analytics im Alltagsgeschäft verankert werden, und sie werden Ihre Ziele schneller erreichen.
  2. Positionieren Sie Ihre Analytics-Experten in Schlüsselpositionen, wo ihre Fähigkeiten sofort etwas bewirken. Marketing, Finanzen und Prozessentwicklung bieten sich dabei häufig an. Wo die entscheidenden Hebel in Ihrem Unternehmen liegen, sollten Sie aber individuell entscheiden. Unterstützen Sie Ihre Veränderungstalente durch ein Kompetenzzentrum, so dass sie noch effektiver arbeiten können. In diesem Zentrum sollten Bausteine entwickelt werden, die in der gesamten Organisation eingesetzt werden können. Dazu gehören beispielsweise Datensammlungen, Technologieplattformen, Datenwerkzeuge und Entwicklungsstandards.
  3. Managen Sie Ihr Partner-Ökosystem. Mit diesem Ansatz bauen Unternehmen einen Talentpool auf, aus dem sie bei Bedarf schöpfen können. Einige vorausschauende Unternehmen bündeln ihre Analytics-Verantwortlichen in sogenannten Tech Talent-Hubs. Sie beobachten die neuesten Analytics-Entwicklungen, prüfen Akquisitionsmöglichkeiten und pflegen die Verbindungen zu Partnern, die sie im Bedarfsfall beim Recruiting unterstützen.
  4. Bauen Sie die Analysefähigkeiten von Mitarbeitern aus, die noch keine Analytics-Experten sind. Der Schritt zur analysebasierten Entscheidungsfindung kann herausfordernd sein. Benutzerfreundliche Trainingseinheiten mit einfachen Analytics-Tools machen die Umstellung leichter. Vor-Ort-Seminare und Workshops sowie externe Weiterbildungen, Coachings und Mentoring-Programme durch Daten- und Analytics-Profis können ebenfalls helfen. Es geht darum, Analytics zu entmystifizieren, damit die Angst vor ihrer Anwendung sinkt.
  5. Die Umstellung muss sich für Ihre Mitarbeiter lohnen. Belohnen Sie sie mit einem Bonus oder einer Beförderung, wenn sich aus ihren Erkenntnissen neue Empfehlungen ergeben. Schaffen Sie Freiräume außerhalb der Alltagsarbeit in denen Mitarbeiter neue Erkenntnisse entwickeln oder weiter verfolgen können.

Eine Frage der Balance

Analytics ist ein mächtiges Werkzeug – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Nur wenn das technologische und das menschliche Element – die Produktion und die Nutzung von Analysen – in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, kann Analytics seine Stärken zeigen. Es ist also entscheidend, Analytics als unternehmerische Kernkompetenz auszubauen, und zwar nicht, um menschliche Entscheidungsfindung zu ersetzen, sondern um sie zu verbessern.

Wenn Mitarbeiter schnelleren Zugriff auf Informationen haben und die verfügbaren Daten besser verstehen können, schließt sich die Lücke zwischen Erkenntnis und Umsetzung. Letztlich geht es um die richtige Kombination von Kunst und Wissenschaft. Wenn sie eine Kultur entwickeln, die Analytics ins Zentrum des Geschäftsalltags stellt, können Unternehmen genau diese Balance finden.

Unter dem Strich bleibt die Frage: Kann es sich Ihr Unternehmen leisten, die menschliche Seite von Analytics zu ignorieren?

Fazit

Unabhängig davon, wie gut Ihre Daten und Ihre Technologie sind: Wenn Sie das menschliche Element ignorieren, ist Ihr Analytics-Projekt zum Scheitern verurteilt.

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Robert Holston

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Unlocking differentiated value for consumer-facing companies navigating an increasingly complex, connected digital world. Inclusive leader, high-performing team champion. Ironman triathlete. Foodie.