4 Minuten Lesezeit 29 März 2018
Person hält Schmetterling im Hintergrund

Kann man Traditionsunternehmen und Start-up gleichzeitig sein?

Von

Gil Forer

EY Global Markets Digital and Business Disruption Leader

Leads digital go-to-market strategy and EYQ. Focused on the impact of disruption and what’s after what’s next. Founder and producer of Innovation Realized.

4 Minuten Lesezeit 29 März 2018

Unser CEO Imperative Report verdeutlicht, dass institutionelle Investoren es für einen der wichtigsten Faktoren für Investitionsentscheidungen halten, ob ein Unternehmen auf die Disruption vorbereitet ist.

In den vergangenen Jahrzehnten haben viele CEOs ihren Fokus auf kurzfristige Gewinne gelegt. Obwohl dies zu einem nie dagewesenen, von Shareholdern, Investoren und der Presse hoch gelobten Wachstum führte, erkennen Unternehmensverantwortliche immer deutlicher, dass dieser Ansatz in unserem Transformationszeitalter, das von Innovation und Disruption geprägt ist, nicht mehr trägt.

Unternehmen müssen nun disruptionsbereit sein – sich also gleichzeitig auf Disruption vorbereiten und sie selbst initiieren. Sie müssen alle Chancen des Wandels ergreifen – also das aktuelle Geschäft optimieren und gleichzeitig die Grundlagen für eine Disruption genau dieses Geschäftsmodells schaffen.

Der Perspektivenwechsel zeigt sich in den Ergebnissen einer weltweiten EY-Befragung unter institutionellen Investoren. Diese Befragung ist Teil der Ergebnisse, die wir in unserem aktuellen Bericht The CEO imperative: seize the upside of disruption or be disrupted vorstellen:

  • Entgegen der üblichen Meinung erwarten 67 Prozent der institutionellen Investoren von Unternehmen, dass sie möglicherweise disruptive Innovationsprojekte durchführen, obwohl diese riskant sind und keine kurzfristigen Gewinne liefern.
  • 73 Prozent der institutionellen Investoren sagen, dass die Disruptionsbereitschaft von Unternehmen für ihre Investitionsentscheidungen in den nächsten fünf Jahren immer wichtiger werden wird.

Diese neue Denkweise zeichnet sich durch Dualität aus – die Koexistenz von Erfordernissen, die sich kontrastieren oder widersprechen, in ihrem Zusammenspiel aber zwei wichtige Säulen des Gesamtsystems oder Gesamtergebnisses bilden. In der vernetzten und beschleunigten digitalen Ökonomie müssen wir diese gegensätzlichen Erfordernisse nicht nur gleichzeitig, sondern zusammen angehen.

Ein CEO drückte es in unserer Studie zum Wandel folgendermaßen aus: „Wir betrachten es als ein ‚Hier und Jetzt‘ und ein ‚von Morgen bis in die Zukunft‘. Und dabei müssen die kurz- und langfristigen Faktoren miteinander auskommen. Es gibt kein ‚Entweder- Oder‘. Wir müssen in der Lage sein, beides gleichzeitig zu tun.“

Unternehmen, die durch Disruption wachsen, machen digitale Transformation und Innovation zu Bausteinen einer ganzheitlichen Geschäftsstrategie.

Eine auf die heutige digitale Welt abgestimmte Strategie stellt sich der Dualität, indem sie neueste Technologien einsetzt und sich gleichzeitig auf die unbekannten Innovationen, der nahen Zukunft vorbereitet. Innovation und Transformation müssen zum integralen Bestandteil des Kerngeschäfts werden und es sollte allen klar sein, dass sich die Organisation kontinuierlich weiterentwickeln muss.

Unternehmen, die durch Disruption wachsen, sehen Digitalisierung oder Innovation nicht als isolierte Strategien, sondern verstehen Transformation und Innovation als Teile einer ganzheitlichen Geschäftsperspektive. Sie erkennen, dass sich jeder Geschäftsprozess verändern muss, um in die digitale Welt zu passen. Außerdem setzen sie auf eine „Re-Strategie“: Vorhaben werden immer wieder re-evaluiert, die Zukunft wird re-designt und Konzepte re-pilotiert.

Um sich auf diese Zukunft vorzubereiten, sollten sich Unternehmen folgende Bereiche anschauen, in denen Dualität eine wichtige Rolle spielt:

  1. Ökosysteme ausweiten: Partnerschaften können gerade dringend benötigte Ressourcen liefern und später neue Möglichkeiten eröffnen. Unternehmen sollten Dualität nicht nur von innen heraus, sondern auch von außen ermöglichen – etwa durch Ökosysteme, Netzwerke und innovative Kollaborationsweisen.
  2. Nutzen Sie die Vorteile des Wandels: Regierungen und Unternehmensverantwortliche sollten ihr Denken von „Mensch gegen Maschine“ in „Mensch und Maschine“ verändern. Statt disruptive Technologien wie KI oder Robotik als Jobkiller zu betrachten, sollten wir erforschen, wie Innovationen die menschlichen Fähigkeiten verbessern, unsere Erfahrungen erweitern, unsere Jobzufriedenheit erhöhen und unsere Arbeitswelt inklusiver machen können.
  3. Fördern Sie Kreativität: Gutes Design und Kerngeschäft schließen sich nicht aus. Die Nutzererfahrung wird als Unterscheidungsmerkmal für Marken immer wichtiger – sowohl intern als auch extern. Deshalb müssen Design und Kreativität in jedem Bereich des Kerngeschäfts Einzug halten.
  4. Digitalisierung hat Vorrang: In Gesprächen mit Chief Digital Officers erleben wir oft zwei Ansätze. Einer setzt auf eigenständige digitale Einheiten, die neue Geschäftsmodelle für eine sich wandelnde digitale Welt entwickeln sollen. Der andere sieht digitale Transformation als unternehmensweite Aufgabe an. Jedes Unternehmen sollte beide Strategien gleichzeitig verfolgen.
  5. Definieren Sie globale und lokale Ansätze neu: Vor dem Hintergrund einer weltweit zunehmenden Bedeutung von gemeinschaftlichem Handeln sollten Unternehmen eine Strategie entwickeln, welche die Dualität von Global und Lokal neu definiert. Gemeinschaften in den Regionen, Groß- und Kleinstädten der Welt machen sich die Vorteile des Wandels zu Nutze, um lokale Bildungsinitiativen zu betreiben, neue, technologiegetriebene Arbeitsplätze zu schaffen und den Lebensstandard zu erhöhen.

Organisationen müssen sich unausweichlich transformieren, um für die neue digitale Welt bereit zu sein. Dafür braucht es nicht nur kontinuierliche Veränderungen der bestehenden Technologien und der Organisationskultur, sondern auch ein neues Managementdenken, für das Wandel eine Konstante ist.

Disruption ist nicht risikolos – wir haben gerade gesehen, welche Folgen es hat, wenn nicht sichergestellt wird, dass die Vorteile technologischer Innovationen und globalisierter Märkte allen gleichermaßen zugutekommen. Werden die Vorteile der Disruption dagegen nutzbringend und inklusiv genutzt, kann Dualität dazu führen, dass Unternehmen in unserer digital beschleunigten Welt sicher und letztlich erfolgreich agieren.

Fazit

Um Investoren anzuziehen, müssen CEOs und ihre Unternehmen disruptionsbereit sein. Dies können sie durch eine dualistische Denkweise erreichen.

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Gil Forer

EY Global Markets Digital and Business Disruption Leader

Leads digital go-to-market strategy and EYQ. Focused on the impact of disruption and what’s after what’s next. Founder and producer of Innovation Realized.