4 Minuten Lesezeit 14 Oktober 2020
Kleines, lachendes Mädchen

„Die Karriere von Frauen beginnt im Elternhaus“

Von EY Deutschland

Building a better working world

Co-Autoren
4 Minuten Lesezeit 14 Oktober 2020

Eine Erziehung zu Selbstvertrauen und Ich-Stärke ist die wesentliche Basis für die Karriere von Frauen. Ein Gespräch mit Elfriede Eckl, Leiterin der EY-Niederlassung Frankfurt.

Überblick
  • Branchenspezifische Klischees, das gesellschaftliche Umfeld und tradierte Rollenmuster sind immer noch charakteristische Karrierebremsen für Frauen.
  • Für die Karriere von Frauen gilt das Gleiche wie für Männer: Sie sollten Netzwerke knüpfen, einen Mentor haben und im richtigen Moment die Hand heben.
  • Letztlich beginnt die Karriere von Frauen in der Kindheit mit dem Selbstvertrauen, das die Eltern ihren Töchtern mit auf den Weg geben.

Frauen haben es immer noch schwerer als Männer, in Chefpositionen zu kommen. Warum ist das so?

Elfriede Eckl: Das ist zum einen sicherlich eine Frage der Branche. So haben es Frauen in der Metallindustrie viel schwerer, Chefin zu werden, als in der Transport- oder Finanzbranche. Zum anderen liegt es aber auch am gesellschaftlichen Umfeld und den immer noch tradierten Rollenmustern. Wenn Kinder da sind, ist es oft die Frau, die zuhause bleibt und auf ihre Karriere verzichtet. Ebenso sind Frauen nicht so gute Netzwerker wie Männer, die damit oft ganz früh anfangen; nicht umsonst gibt es das geflügelte Wort von den „Old-Boys-Netzwerken“. Und dann stellen Frauen ihr Licht immer noch viel zu häufig unter den Scheffel, während Männer einfach die Hand heben und sagen: „Das kann ich!“ Frauen sind vorsichtiger und stellen zuerst die Frage: „Kann ich das?“ Na klar, die Frauen können das auch!

Sie gehören zu den Frauen, die den Weg nach oben geschafft haben. Was haben Sie anders als andere Frauen gemacht?

Eckl: Ich glaube, ich habe die Hand im richtigen Moment gehoben. Ich war immer überzeugt davon, dass das, was ich will, auch kann. Den Grundstein dafür haben meine Eltern gelegt, und dafür bin ich ihnen heute noch sehr dankbar. Sie haben mir nicht allein eine gute Ausbildung gegeben, sondern mir auch gezeigt, dass ich so, wie ich bin, gut bin. Die Karriere von Frauen beginnt also schon in der allerfrühesten Kindheit mit dem Selbstvertrauen, das die Eltern ihren Töchtern mit auf den Weg geben.

Frauen sind vorsichtiger als Männer und stellen zuerst die Frage: Kann ich das? Na klar, die Frauen können das auch!
Elfriede Eckl
Partner und Niederlassungsleiterin Eschborn/ Frankfurt, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft | Deutschland

EY legt großen Wert darauf, dass Frauen die gleichen Gehalts- und Karrierechancen wie Männer haben. Warum ist Ihnen das so wichtig? Und wie gehen Sie hier vor?

Eckl: Bei EY arbeiten Frauen und Männer Hand in Hand und leisten die gleiche großartige Arbeit – sei dies in der Prüfung oder in der Beratung, im Controlling oder im Marketing oder in einem anderen Bereich. Da ist es doch selbstverständlich, dass alle die gleichen Gehalts- und Karrierechancen haben! Allerdings haben wir bei den Gehalts- und Karrieregesprächen gemerkt, dass Frauen oft zurückhaltender sind und deshalb vielleicht den Kürzeren ziehen. Deshalb haben wir ein differenziertes System entwickelt, mit dem wir diese Ungleichheiten neutralisieren. Heute ist es so, dass bei EY die Gehaltsdifferenz zwischen Frauen und Männern unter zwei Prozent liegt. Das ist doch ein gutes Ergebnis.

Gemischte Teams sind innovativer und erfolgreicher. Deshalb setzen wir bei EY auf Diversität – nicht allein im Hinblick auf die Geschlechter, sondern auch im Hinblick auf Alters-, Erfahrungs- und Kulturenvielfalt.
Elfriede Eckl
Partner und Niederlassungsleiterin Eschborn/ Frankfurt, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft | Deutschland

Es gibt die These, dass gemischte Führungsteams innovativer und erfolgreicher sind als homogene. Was ist Ihre Erfahrung?

Eckl: Es stimmt, gemischte Teams sind innovativer und erfolgreicher. Genau deshalb setzen wir bei EY auf Diversität – nicht allein im Hinblick auf die Geschlechter, sondern auch im Hinblick auf Alters-, Erfahrungs- und Kulturenvielfalt. Unterschiedliche Menschen mit verschiedenen Perspektiven finden immer die besseren Lösungen – vorausgesetzt, es gibt eine Moderation, die die unterschiedlichen Standpunkte unter einen Hut bringt. Wenn das gelingt, sind gemischte Teams erfolgreicher. Heterogenität ist kein Selbstläufer!

Im Durchschnitt beträgt der Frauenanteil in den Führungsetagen mittelständischer Unternehmen in Deutschland 16 Prozent. Ist der Mittelstand auf dem Weg der Gleichberechtigung?

Eckl: Wenn man DAX- und mittelständische Unternehmen miteinander vergleicht, ist der Anteil der Frauen, der in den Führungsetagen der Mittelständler sitzt, fast doppelt so hoch wie bei börsennotierten Unternehmen. Das ist eine gute Nachricht. Trotzdem glaube ich, dass sich noch sehr viel bewegen muss, bis wir in den mittelständischen Unternehmen eine echte Geschlechterparität haben. Aber auch hier habe ich eine gute Meldung: Viele Mittelständler sind sich der Vorteile, die Frauen in ihre Chefetagen bringen, sehr wohl bewusst und setzen deshalb viel in Bewegung, um hier etwas zu ändern. Aber auch die Frauen müssen sich bewegen und wollen!

Es muss sich noch sehr viel bewegen muss, bis wir in den mittelständischen Unternehmen eine echte Geschlechterparität haben. Aber auch die Frauen müssen sich bewegen und wollen!
Elfriede Eckl
Partner und Niederlassungsleiterin Eschborn/ Frankfurt, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft | Deutschland

Haben Sie einen Tipp für andere Frauen, die sich entwickeln wollen? Was könnten sie von Ihnen lernen?

Eckl: Ich möchte Ihnen den Leitspruch meiner Eltern mitgeben: Frage dich nicht: „Kann ich das?“, sondern sage dir: „Ich kann das!“ Darüber hinaus sollten sich Frauen einen Mentor suchen, der sie begleitet und fördert. Aber das gilt für Frauen ebenso wie für Männer!

Frauen sollten sich nicht fragen: Kann ich das? Sondern sie sollten sich sagen: Ich kann das!
Elfriede Eckl
Partner und Niederlassungsleiterin Eschborn/ Frankfurt, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft | Deutschland

Fazit

Für Frauen ist es häufig immer noch schwieriger als für Männer, in Führungspositionen zu gelangen. Die Gründe dafür liegen nicht allein im Umfeld, sondern sie beginnen schon in der Erziehung. Es muss sich auf dem Wege hin zur Gleichberechtigung also noch vieles ändern – auch die Frauen selbst. Sie müssen mit Mut und Selbstvertrauen ihren eigenen Weg gehen und sich sicher sein, dass sie es „auch können“. Dieses Selbstvertrauen wird den Frauen von ihren Eltern mitgegeben. 

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