2 Minuten Lesezeit 14 Oktober 2020
Mann beobachtet die Milchstraße hinter dem Leuchtturm

„Es geht darum, sich auf das Morgen und Übermorgen vorzubereiten“

Von EY Deutschland

Wegbereiter des Wandels

Co-Autoren
2 Minuten Lesezeit 14 Oktober 2020

EY-Mittelstandsleiter Michael Marbler erklärt, wie das „Now, Next and Beyond“-Modell Unternehmen hilft, sich fit fürs New Normal zu machen. Ein Gespräch.

Überblick

  • Die Corona-Krise war wie ein Brennglas, das die Stärken und Schwächen der Unternehmen offenbart hat.
  • Die Unternehmen müssen jetzt aus der Krise lernen und notwendige Transformationsschritte einleiten, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.
  • Das „Now, Next and Beyond“-Modell hilft, eine Positionsbestimmung vorzunehmen und sich auf das Morgen und Übermorgen vorzubereiten. 

Was sind aus Ihrer Erfahrung die größten Auswirkungen, die die Krise auf die mittelständischen Unternehmen hat?

Michael Marbler: Die Auswirkungen sind je nach Ausgangslage sehr verschieden. Geschäftsmodelle, die schon vor der Krise nicht mehr wettbewerbsfähig waren, haben jetzt ihre ganze Schwäche offenbart. Für solche Unternehmen wirkte Corona wie ein Brandbeschleuniger. Für einige Unternehmen war es genau umgekehrt; sie konnten mit ihren Produkten und Dienstleistungen punkten und profitieren nun von einer gestiegenen Marktstärke. Für die meisten Unternehmen hat die Corona-Krise aber mehr oder minder starke Umsatz- und Gewinnrückgänge gebracht. Für sie kommt es jetzt darauf an, aus der Krise zu lernen und notwendige Transformationsschritte einzuleiten, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.

Für die Unternehmen kommt es jetzt darauf an, aus der Krise zu lernen und notwendige Transformationsschritte einzuleiten, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.
Michael Marbler
Leiter des Marktsegments Mittelstand | Deutschland, Schweiz, Österreich

Wie schätzen Sie die aktuelle, für viele Mittelständler doch sehr schwierige Situation ein?

Marbler: In den letzten Wochen und Monaten haben wir sehr viele intensive Gespräche mit Unternehmerinnen und Unternehmern geführt. Hier haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein Denken in drei Handlungshorizonten hilft, um die aktuelle und zukünftige Situation transparenter zu machen und zu definieren, was die Unternehmen tun sollten, um die Krise langfristig zu bewältigen. Diese drei Handlungshorizonte bezeichnen wir als das „Now“, das „Next“ und das „Beyond“ – also als das Heute, das Morgen und das Übermorgen. Für jede dieser Phasen gibt es bestimmte Herausforderungen und Handlungsempfehlungen.

Was sind die größten Herausforderungen, die die Unternehmen in und nach der Krise bewältigen müssen?

Marbler: Zu Beginn der Krise ging es vor allem darum, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen, die Liquidität zu sichern und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Der Schutz der Mitarbeiter muss aber auch in Zukunft höchste Priorität haben. Denn trotz Digitalisierung und Automatisierung: Motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter sind der zentrale Erfolgsfaktor eines jeden Unternehmens, wenn es darum geht, sich auf die Zeit nach der Corona-Krise vorzubereiten.

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Denken in den drei Handlungshorizonten des Now, Next und Beyond den Unternehmen dabei hilft, die aktuelle und zukünftige Situation transparenter zu machen und zu entscheiden, wie sie die Krise am besten bewältigen.
Michael Marbler

Wie können sich die Mittelständler auf das Morgen vorbereiten? Was sind die nächsten Aufgaben, die sie in Angriff nehmen sollten, um in die Normalität zurückzukehren?

Marbler: Die Krise hat unterschiedlich starke Auswirkungen auf die einzelnen Branchen und wird, wie wir leider sehen müssen, noch einige Zeit andauern. Aus meiner Sicht geht es im nächsten Schritt darum, sowohl das Unternehmen an die neue Situation anzupassen als auch die Widerstandsfähigkeit gegen weitere Risiken zu erhöhen. Hierzu gehört es, stabile Lieferketten zu etablieren, die Kundenbindung über den Einsatz der neuen digitalen Möglichkeiten zu intensivieren, Geschäftsprozesse zu automatisieren und Kosten zu reduzieren, um so eine nachhaltige finanzielle Stabilität sicherzustellen.

Die Unternehmen müssen sich an die neue Situation anpassen und ihre Widerstandsfähigkeit gegen weitere Risiken erhöhen. Dabei spielen die digitalen Technologien eine entscheidende Rolle.
Michael Marbler

Lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft werfen: Was sollte auf der Agenda der Unternehmenslenker stehen, um sich auf das Übermorgen vorzubereiten und die Krise hinter sich zu lassen?

Marbler: Eine wichtige Erkenntnis, die wir aus den vergangenen Monaten ziehen konnten, besteht darin, dass sich gerade diejenigen Unternehmen erfolgreich behauptet haben, die bereits vor der Krise ihre internen und externen Prozesse automatisieren und ihre Kunden- und Vertriebskanäle digitalisieren konnten. Ebenso wichtig ist es, das eigene Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen und an die geänderten Anforderungen der Märkte anzupassen. Hinzu kommen die Erfolgsfaktoren, die auch vor der Corona-Krise die entscheidende Rolle gespielt haben. Die Unternehmenslenker müssen eine klare Vision haben, sie brauchen eine Unternehmenskultur, die innovatives Denken und Veränderungsbereitschaft fördert, und sie müssen sich digitalisieren. Darüber hinaus benötigen sie eine ausreichende Kapitalausstattung und müssen ihre Margen und Kosten im Griff haben. Das Wichtigste aber ist: Sie müssen jeden Tag aufs Neue ihre Kunden und Mitarbeiter begeistern. Diese Stellschrauben sind die Voraussetzung für den nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Fazit

Die Corona-Krise hat auch die mittelständischen Unternehmen mit großer Kraft getroffen. Dabei hat sich gezeigt, dass diejenigen Unternehmen, die bereits digitalisiert waren, weitaus besser durch die Krise navigieren konnten. Jetzt kommt es darauf an, dass die Unternehmen aus der Krise lernen, eine Positionsbestimmung vornehmen und sich mit einer starken Vision fit für die Zukunft machen. Dabei geht es vor allem darum, Prozesse zu automatisieren, Kunden- und Vertriebskanäle zu digitalisieren und das Geschäftsmodell an die geänderten Markterfordernisse anzupassen. Das „Now, Next and Beyond“-Modell hilft dabei, sich bereits heute auf das Morgen und Übermorgen vorzubereiten.

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