4 Minuten Lesezeit 19 April 2022
Die Stadtstraße

Non-Performing Loans: Wie der Umgang der Banken routinierter wird

Autoren
Thomas Griess

Managing Partner Financial Services

Leiter der Financial Services Organisation. Lebt mit seiner Familie im Vordertaunus. In seiner Freizeit spielt er Tennis und Golf, geht Tauchen und fährt Ski.

Thomas Koß

Leiter Strategy and Transactions im Bereich Financial Services | Deutschland

Ansprechpartner für Strategen und Finanzinvestoren im gesamten Lebenszyklus von M&A-Transaktionen im Financial-Services-Sektor. Familienvater, Ausdauersportler und Bücherenthusiast.

Christoph Roessle

Partner, EMEIA Financial Services - Strategy and Transactions - Restructuring | Deutschland, Schweiz, Österreich | Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Spezialist für transaktionsorientierte Restrukturierungen im Finanzdienstleistungssektor.

4 Minuten Lesezeit 19 April 2022

Weitere Materialien

  • COVID-19 und NPL: Keine Entwarnung, aber Anzeichen von Entspannung

Die Sorge der Bankmanager vor steigenden NPL-Quoten nimmt ab, immer weniger erwarten kurz- bis mittelfristig einen Anstieg an NPL-Transfers.

Überblick
  • Die Mehrzahl der Banking Professionals erwartet in der aktuellen EY-Kurzumfrage steigende NPL-Quoten und eine Zunahme an NPL-Transaktionen.
  • Dennoch lässt die Sorge der Entscheider über Kreditausfälle spürbar nach, die meisten Banken fühlen sich für anstehende Risikotransfers gut gerüstet.
  • Lediglich 27 Prozent der befragten Bankenmanager rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit einer rückläufigen Neukreditvergabe.

Unternehmen in Deutschland stehen angesichts neuer geopolitischer Krisen und der anhaltenden Corona-Pandemie vor wachsenden Herausforderungen. Derweil entspannt sich die Lage der deutschen Banken und Sparkassen im Umgang mit NPL (Non-Performing Loans – notleidenden Krediten) zunehmend. Wie das aktuelle EY-Spotlight zum deutschen NPL-Markt zeigt, nimmt die Sorge der befragten 100 Banking Professionals vor steigenden NPL-Quoten weiter ab, immer weniger Führungskräfte der Branche erwarten kurz- bis mittelfristig einen Anstieg an NPL-Transaktionen.

Weitere Materialien

  • EY-Spotlight zum NPL-Markt, März 2022 │NPL in Krisenzeiten: Anzeichen von Entspannung, für Entwarnung noch zu früh

Zudem rechnen zwei Drittel der Befragten mit einem längerfristigen Inflationsanstieg. Mögliche Auswirkungen einer weiter hohen Teuerung auf die Kreditqualität und die NPL-Quote werden aber als geringfügig eingeschätzt. Insgesamt sieht sich die überwiegende Mehrzahl der Institute für die Übertragung von Kreditrisiken personell und prozessual gut vorbereitet. Drei Viertel der Häuser haben allerdings noch keine Exit-Readiness-Analyse durchgeführt.

Entspannung in Sicht

Die Mehrzahl der Bankmanager ist der Ansicht, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen geopolitischer Krisen und der Pandemie die deutschen Banken und Sparkassen weiterhin belasten werden. Im vierten Quartal 2021 erwarten 80 Prozent der befragten Führungskräfte weiterhin einen Anstieg der NPL-Quote – ähnlich wie im Vorquartal mit 79 Prozent. Verglichen zum Vorjahr ist dies aber ein deutlicher Rückgang: Im vierten Quartal 2020 rechneten noch 93 Prozent mit weiter steigenden NPL-Anteilen in ihren Kreditvolumina. 

EY Spotlight NPL-Markt

80 %

der Bankmanager erwarten eine steigende NPL-Quote (Q4 2020: 93 %).

Die nachlassenden Sorgen über mögliche Kreditausfälle spiegeln sich auch in den Prognosen zur Neukreditvergabe wider: Lediglich 27 Prozent der befragten Bankenmanager erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine rückläufige Neukreditvergabe bei Banken. Vielmehr sieht knapp die Hälfte (48 Prozent) die Kreditvergabe in den nächsten 12 Monaten steigen, ein Plus von 4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal. Ein Viertel der Manager ist der Ansicht, dass die Neukreditvergabe nicht von der COVID-19-Krise beeinflusst wird. Diese Einschätzung hat sich im Jahresverlauf zunehmend gefestigt.

Trendwende bei NPL-Transaktionen

Auch die Befürchtungen über steigende NPL-Transaktionen lassen nach: Lediglich 72 Prozent erwarten derzeit einen Anstieg an Transfers in den nächsten 12 bis 18 Monaten – dies stellt eine Trendwende im Zeitverlauf dar. Im dritten Quartal 2021 rechneten noch 92 Prozent und im vierten Quartal 2020 noch 76 Prozent mit steigenden Transaktionen.

Befragt nach ihren bevorzugten Abbauwegen für Problemkredite erklärt lediglich knapp die Hälfte der befragten Banking Professionals, ihr Institut plane keinen Risikotransfer. Im dritten Quartal 2021 waren es noch 66 Prozent.

Eigenes Work-out statt Verbriefungen

Spitzenreiter ist dabei mit 32 Prozent das hauseigene Work-out. 13 Prozent peilen einen True Sale an. 9 Prozent wollen ihre Kreditrisiken über Verbriefungen und 8 Prozent über Syndizierungen loswerden. Für diese beiden Optionen gelten seit April 2021 regulatorische Erleichterungen.

Die Mehrzahl der Befragten sieht das eigene Haus personell und prozessual gut gerüstet, um den zu erwartenden Anstieg ausfallgefährdeter Kredite zu bewältigen. Doch haben erst 16 Prozent eine Exit-Readiness-Analyse durchgeführt oder implementieren diese gerade. Drei Viertel der Institute sehen bisher dafür keine Notwendigkeit oder ziehen ein Exit-Readiness-Projekt noch nicht in Betracht.

Wenig Sorge vor Inflationsanstieg

Zwei Drittel der befragten Bankmanager rechnen im vierten Quartal 2021 damit, dass die Inflationsraten bis zu drei Jahre lang deutlich über 2 Prozent liegen werden. Weitere 21 Prozent erwarten, dass dies sogar länger als drei Jahre der Fall sein wird.

EY-Spotlight NPL-Markt

81 %

erwarten keine bis geringe Auswirkungen der stark gestiegenen Inflationsrate auf den Anstieg der NPL-Quote ihres Hauses.

54 Prozent sind der Ansicht, dass sich die Inflation nicht auf die Qualität des Kreditportfolios ihres Hauses auswirken wird. Zudem erwartet die deutliche Mehrheit (81 Prozent) der Befragten keine bis geringe Auswirkungen der Inflation auf den erwarteten Anstieg der NPL-Quote ihres Hauses. Dementsprechend haben 71 Prozent der Kreditinstitute noch keine Gegenmaßnahmen eingeleitet. Lediglich 11 Prozent taten dies bereits. Weitere 15 Prozent planen, sich gegen mögliche Auswirkungen einer steigenden Inflationsrate zu wappnen.

Fazit

Die anfänglich große Sorge der Bankmanager vor steigenden Kreditrisiken infolge der Pandemie lässt nach. Trotz zunehmender weltweiter geopolitischer Unsicherheiten wird der Umgang der Häuser mit ihren NPL-Beständen routinierter, die Prognosen zu möglichen Kreditausfällen werden gelassener. Eine langfristig hohe Inflation in Deutschland dürfte nach Ansicht der Entscheider der Branche die Kreditqualität und die NPL-Quoten kaum belasten. Dennoch bleibt der Abbau von Risikopositionen mittel- bis langfristig eine enorme Herausforderung, auf die sich die deutschen Banken und Sparkassen konsequent vorbereiten sollten. Exit-Readiness-Analysen, digitale Prozessinnovationen und regulatorische Erleichterungen bieten die Chance auf effektive, kostengünstige Risikotransfers, kommen bislang aber erst in wenigen Häusern zum Einsatz. 

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Managing Partner Financial Services

Leiter der Financial Services Organisation. Lebt mit seiner Familie im Vordertaunus. In seiner Freizeit spielt er Tennis und Golf, geht Tauchen und fährt Ski.

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Christoph Roessle

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Spezialist für transaktionsorientierte Restrukturierungen im Finanzdienstleistungssektor.