3 Minuten Lesezeit 25 Juni 2019
Geschaeftsmann und junge frau sprechen auf dem Balkon

Die Zukunft Europas – Was für deutsche Unternehmen wichtig ist

Von

Bernhard Lorentz

Leiter Government & Public Sector | Deutschland, Schweiz, Österreich

Political Animal und professioneller Optimierer des Staates mit Leidenschaft für Wirkung. Begeisterter Berliner, wo er mit Familie lebt und Hockey spielt – nach 15 Jahren Rugby-Bundesliga

3 Minuten Lesezeit 25 Juni 2019

Europa ist im Wandel und das spüren auch deutsche Unternehmen. Wie sie zur Zukunft Europas stehen, zeigt unsere Umfrage.

Deutsche Unternehmen wollen ein starkes Europa – das geht aus der Umfrage „Europa 2019 – Die Sicht der deutschen Unternehmen“ hervor, die forsa in unserem Auftrag durchgeführt hat. In Zeiten von Brexit, wachsendem Populismus und aufsteigenden internationalen Wirtschaftsmächten sind das gute Nachrichten. Durch die Digitalisierung und den Wandel des internationalen Umfelds steht die EU aber auch vor einem umfassenden Arbeitsprogramm. Hinzu kommt, dass sie sich im Nachklang der diesjährigen Europawahl neu aufstellen und organisieren muss. Europa steht vor großen Herausforderungen – der Zusammenhalt ist wichtiger denn je. 

  • In einer repräsentativen Umfrage befragte forsa im Auftrag von EY, DGAP und DIW im Dezember 2018 und Januar 2019 die Führungskräfte von 400 privaten deutschen Unternehmen – je nach Größe auf der Ebene Vorstand, Inhaber, Geschäftsführung oder Abteilungsleiter.

Nationale Interessen treten in den Hintergrund

Die Bedeutung der EU für die Wirtschaft zeigt sich offenbar gerade in unsicheren Zeiten. Das sehen auch deutsche Unternehmen so. Für sie ist klar: Wir brauchen mehr europäische Handlungsfähigkeit in Finanz- und Haushaltsfragen, um die Beibehaltung und den Ausbau des europäischen Wirtschaftsraums zu gewährleisten. Zugleich ist dieses Ergebnis eine Absage an nationale Denkmuster, mit denen eine nachhaltige und zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik aus Sicht deutscher Unternehmen nicht zu machen ist. 

Nationale Interessen

56%

halten es für den falschen Weg, dass die Bundesregierung innerhalb der EU künftig die wirtschaftspolitischen Interessen Deutschlands stärker in den Mittelpunkt rückt.

Außerdem spricht sich eine knappe Mehrheit (56 Prozent) der Unternehmen dagegen aus, deutsche Interessen innerhalb der EU stärker durchzusetzen. Ein bemerkenswertes Ergebnis, denn in mehreren europäischen Ländern zeigen sich derzeit eher Tendenzen zur Renationalisierung. Für viele Unternehmen treten also nationale Interessen in den Hintergrund – stattdessen soll der Gemeinschaftsgedanke gestärkt werden.

Zustimmung bei Brexit-Verhandlungen und Euro-Rettungspolitik

Auch der Brexit beschäftigt die deutsche Wirtschaft. Die Unternehmen stehen fest hinter der EU: Fast alle (92 Prozent) unterstützen die konsequente Brexit-Linie bei den Verhandlungen. Für einige hätte sie sogar noch härter sein können.

Brexit-Verhandlungen

92 %

der Unternehmen unterstützen die konsequente Linie der EU in den Brexit-Verhandlungen.

Zustimmung gibt es von Unternehmensseite auch für die Euro-Rettungspolitik der vergangenen Jahre. 83 Prozent finden es richtig, dass Deutschland im Euroraum Haftungsrisiken in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro auf sich genommen hat, um den Euro zu stabilisieren.

Zuversichtliche Ergebnisse

Deutsche Unternehmen glauben an die europäische Idee, das zeigt die Studie deutlich. Sie wollen der EU mehr Kompetenzen übertragen, stimmen dem Krisenmanagement in der Eurozone zu und stellen die Gemeinschaft der Länder vor nationalen Interessen. Das sind zuversichtliche Ergebnisse, denn auch für die deutsche Wirtschaft sind ein starkes Europa und ein funktionierender europäischer Binnenmarkt wichtig – auch, um nicht von anderen Wirtschaftsmächten verdrängt zu werden. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Unternehmen sieht bereits die wachsende Präsenz Chinas in Europa als eine Bedrohung für den Wirtschaftsstandort Europa an.

China bedroht europäischen Wirtschaftsraum

Ist die wachsende Präsenz Chinas in Europa eher eine Chance oder eher eine Bedrohung für den Wirtschaftsstandort Europa?

Auch anderen Risiken, denen die EU gegenübersteht, begegnen die Unternehmen realistisch. Im Jahr der Europawahl und des Brexit wächst die politische Polarisierung und Europakritiker werden lauter. Gerade jetzt braucht die EU starke Stimmen und deutlich formulierte Ideen, mit denen sie gestärkt Richtung Zukunft gehen kann – auch aus der deutschen Wirtschaft.

Fazit

Die EU bekommt Rückenwind aus der Wirtschaft:  Deutsche Unternehmen stehen hinter Europa – gerade in Zeiten großer Herausforderungen. 

Über diesen Artikel

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Bernhard Lorentz

Leiter Government & Public Sector | Deutschland, Schweiz, Österreich

Political Animal und professioneller Optimierer des Staates mit Leidenschaft für Wirkung. Begeisterter Berliner, wo er mit Familie lebt und Hockey spielt – nach 15 Jahren Rugby-Bundesliga