3 Minuten Lesezeit 24 Juni 2019
Männer in Lagerhalle

„Industrie 4.0 verunsichert immer noch viele Unternehmen“

Von

EY Deutschland

Wegbereiter des Wandels

Co-Autoren
3 Minuten Lesezeit 24 Juni 2019

Martin Neuhold berät mittelständische Unternehmen zu den Themen Industrie 4.0 und Digitalisierung. Im Interview erklärt er, worauf es dabei ankommt.

EY: Industrie 4.0 ist eines der großen Themen, an denen auch der Mittelstand nicht mehr vorbeikommt. Warum ist das so?

Martin Neuhold: Ob ein Mittelständler an Industrie 4.0 vorbeikommt oder nicht, muss im Einzelfall entschieden werden. Bevor ein Unternehmen auf den großen Zug aufspringt, sollte es sich einige einfache Fragen stellen: Welchen Nutzen bringt uns Industrie 4.0? Können wir damit unsere Produktion steigern und weiter wachsen? Hilft sie uns, neue Märkte zu erobern? Und macht Industrie 4.0 unser Unternehmen für Mitarbeiter und Zulieferer attraktiver? Erst wenn diese Fragen eindeutig mit Ja beantwortet sind, sollte man sich intensiv mit dem Thema beschäftigen.   

Was sind die wichtigsten Einsatzbereiche für Industrie 4.0 in mittelständischen Unternehmen?  

Es gibt grundsätzlich drei große Einsatzbereiche, und zwar bei den Produkten, in der Produktion und im Service bzw. in der Kundenbeziehung. In allen drei Bereichen geht es darum, über automatisierte Prozesse zu individualisieren und damit echte Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Wie das funktioniert, zeigt beispielsweise ein Müsli-Anbieter: Der Kunde bestellt sein Lieblingsmüsli im Internet, anhand der eingegebenen Daten wird es dann voll automatisch zusammengestellt und als individuelles Produkt an den Besteller versendet.

Alle involvierten Parteien müssen auf die digitale Reise mitgenommen werden, sonst scheitert das Projekt.
Martin Neuhold
Leiter Advisory Services Supply Chain & Operations | Deutschland

Wie findet der Mittelständler heraus, ob und wo sich für ihn Industrie 4.0 lohnt?

Der wichtigste Schritt besteht darin, herauszufinden, ob der Einsatz von Industrie 4.0 in den drei Bereichen Produktion, Produkt und Vertrieb wirkliche Vorteile bringt und, falls dies der Fall ist, wo sie am größten sind. Auf dieser Basis kann das Unternehmen dann seine Industrie-4.0-Strategie entwickeln. 

Aufgrund des ungemein schnellen technologischen Fortschritts sollte sich jeder Mittelständler aber kontinuierlich fragen, ob und wo er Industrie 4.0 einsetzen kann, etwa zusammen mit anderen Unternehmen und Industrie-4.0-Experten in Workshops. Es geht immer um die Frage: Was sind die aktuellen Chancen, die ich mir zunutze machen kann?

Und wie kann sich das Unternehmen dann auf die Einführung vorbereiten? Gibt es eine Faustregel? 

Eine Industrie-4.0-Einführung ist immer eine gravierende Veränderung, vor allem, wenn sie in der Produktion stattfindet. Dabei hat sie zumindest zwei Komponenten: eine technische und eine menschliche. Ich bin der Auffassung, dass die menschliche Komponente die wichtigere ist. Damit die Einführung klappt, müssen alle involvierten Parteien – die Mitarbeiter ebenso wie die Zulieferer – so früh wie möglich auf die digitale Reise mitgenommen werden. Sonst scheitert das Projekt, entweder aufgrund von Unkenntnis oder an inneren Widerständen. 

Ist eine übergreifende digitale Unternehmensstrategie die Voraussetzung für den Industrie-4.0-Einsatz? 

Nein. In vielen Branchen lassen sich auch ohne eine übergreifende Digitalisierungsstrategie die Produktions- und Vertriebsprozesse über den Einsatz von Industrie 4.0 verbessern und damit Wettbewerbsvorteile erzielen. Häufig ist es sogar so, dass eine Einführung von Industrie 4.0 ein schrittweiser Prozess ist, bei dem das Unternehmen ausprobiert und lernt. 

Die Einführung von Industrie 4.0 hat Einfluss auf die verschiedensten Bereiche des Unternehmens, angefangen vom Einkauf übers Controlling bin hin zum Vertrieb.
Martin Neuhold
Leiter Advisory Services Supply Chain & Operations | Deutschland

Sie haben ein maßgeschneidertes Angebot für den Mittelstand entwickelt, um ihm dabei zu helfen, Industrie 4.0 einzuführen. Wie sieht dieses Angebot aus?

Für viele Unternehmen ist Industrie 4.0 immer noch ein Thema, das sie verunsichert. Sie glauben, etwas tun zu müssen, wissen aber nicht genau, wo sie ansetzen sollen. Darüber hinaus sehen sie zu Recht die Gefahr, dass sie plötzlich den Anschluss verlieren und von rechts überholt werden, weil sie etwas versäumt haben. Hier wollen wir unterstützen. 

So bieten wir Workshops an, in denen wir gemeinsam mit den Unternehmen überlegen, wo sie selbst und wo ihre Wettbewerber stehen und wo sie Industrie 4.0 einsetzen könnten. Ebenso entwickeln wir gemeinsam mit ihnen eine Industrie-4.0-Strategie und ein entsprechendes Geschäftsmodell und implementieren dies auch. 

Und welche Vorteile haben die Unternehmen von Ihrem Angebot?

Aufgrund unserer großen Industrie-4.0-Praxiserfahrung, die wir bei den verschiedensten Unternehmen gesammelt haben, wissen wir, wo die Hürden und Stolpersteine liegen, aber auch, was mach- und umsetzbar ist. Die Einführung von Industrie 4.0 hat Einfluss auf die verschiedensten Bereiche des Unternehmens, angefangen vom Einkauf übers Controlling bin hin zum Vertrieb. Wir sorgen dafür, dass alles zusammenpasst und das Unternehmen eine langfristige Digitalisierungsvision entwickelt, mit der es auch in Zukunft erfolgreich ist und wächst.

Fazit

Martin Neuhold ist Partner in der Managementberatung von EY in Mannheim. Zusammen mit seinem Team berät er den Mittelstand bei allen Themen zu Industrie 4.0 und Digitalisierung sowie rund um die Optimierung von Lieferketten und Prozessen. „Mein Ziel ist es, die mittelständischen Unternehmen dabei zu unterstützen, digitale Technologien optimal für sich zu nutzen und damit langfristige Wettbewerbsvorteile zu erzielen“, sagt Martin Neuhold im Interview.

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