4 Minuten Lesezeit 23 August 2022
Abstrakte Molekularstruktur

Wie künstliche Intelligenz die Pharmaforschung revolutioniert

Von Klaus Ort

Partner des Marktsegments Life Sciences & Gesundheitswesen, EY Strategy & Transactions GmbH | Europe West

Erfahrener Partner mit Blick für Leistungs- und Wertsteigerung. Als fünffacher Familienvater sind Zusammenhalt und Wertschätzung für ihn nicht nur die Kernattribute für beruflichen Erfolg.

4 Minuten Lesezeit 23 August 2022

Gemeinsam mit EY hat Innoplexus einen Weg gefunden, wie sich neue Medikamente schneller und kostengünstiger entwickeln lassen.

Überblick
  • Mit intelligenter Technik lässt sich vorhandenes Wissen in der Pharmaforschung bündeln und nutzen.
  • Künstliche Intelligenz kann Erfolg in der Pharmaforschung vorhersagen.
  • Medikamente lassen sich schneller und kostengünstiger entwickeln.

Das Start-up Innoplexus will als das „Google der Pharmaindustrie“ die Regeln der Arzneimittelforschung umschreiben. Künstliche Intelligenz (KI) soll für schnellere Ergebnisse und bessere Medikamente sorgen. Von Anfang an soll dort geforscht werden, wo die Erfolgsaussichten am besten sind. Dr. Gunjan Bhardwaj, Gründer und CEO von Innoplexus, und Klaus Ort, Leiter des Marktsegments Life Sciences & Gesundheitswesen von EY, beleuchten welchen Beitrag KI für die Pharmaforschung leisten kann und warum der Anstoß von außen kommen muss.

EY: Ihr Unternehmen Innoplexus ist angetreten, mit riesigen Datensätzen und künstlicher Intelligenz die Entwicklung von Medikamenten zu revolutionieren. Wieso ausgerechnet die Pharmaindustrie?

Dr. Gunjan Bhardwaj: Als bei meinem besten Freund Krebs diagnostiziert wurde, war das auch für mich ein einschneidendes Erlebnis. Bei der Suche nach Informationen zu Therapien oder Experten bin ich fast verzweifelt. Man schätzt, dass sich das medizinische Wissen alle 73 Tage verdoppelt. Da wurde mir klar, dass es ohne eine intelligente Technik nicht gelingen wird, das Wissen sinnvoll zu nutzen.

Medizinisches Wissen

73

Tage braucht es, um das medizinische Wissen der Welt zu verdoppeln.

Also haben Sie angefangen, diese intelligente Technik zu entwickeln.

Ganz genau. Wir müssen das Wissen effizienter koordinieren. Wenn Kliniken und die Pharmaindustrie ihr Wissen teilen würden, könnten wir schneller bessere Medikamente entwickeln. Dazu gehört auch das Wissen über fehlgeschlagene Experimente oder Studien, aus denen andere lernen können. Innoplexus hat eine Technologie entwickelt, das vorhandene Wissen zu bündeln und zu nutzen.

Wie schafft es Ihre Software, das medizinische Wissen zusammenzutragen und nutzbar zu machen?

Das Problem ist nicht nur die schiere Menge an Informationen. Das Wissen ist auch überall verstreut, an Universitäten, in Fachartikeln, Studien, Vorträgen, Dossiers oder Patenten. Niemand schafft es mehr, sich einen vollständigen Überblick über den Status quo zu verschaffen. Selbst Pharmakonzerne scheitern daran.

Um die Informationen zu finden und sinnvoll zu strukturieren, mussten wir unserer Software erst einmal die medizinische Sprache beibringen – nicht nur die Begriffe, sondern vor allem den Kontext. Schließlich kann eine Abkürzung je nach Kontext etwas völlig anderes bedeuten. Unsere KI hat inzwischen so viel gelernt, dass sie in diesem Bereich den größten Wortschatz weltweit hat. Und der wird rund um die Uhr aktualisiert.

Mit diesem Wörterbuch im Hinterkopf grast unsere Suchmaschine jeden Tag mehr als 10 Milliarden Webseiten nach Informationen ab. Sie analysiert Texte, sammelt Datensätze und findet sogar Informationen in Fotos und Präsentationen. Anschließend werden diese Informationen in ihre Einzelteile zerlegt, gespeichert und verknüpft. Welcher Wissenschaftler ist auf seinem Fachgebiet eine Koryphäe? Welche Kliniken führen Studien mit welchem Erfolg durch? Welche Wirkstoffkombinationen erhöhen den Therapieerfolg bei welcher Krankheit? Die Software weiß das alles.

Wenn Kliniken und die Pharmaindustrie ihr Wissen teilen würden, könnten wir schneller bessere Medikamente entwickeln.
Dr. Gunjan Bhardwaj
Gründer und CEO von Innoplexus
Plastikmüll

Innovation in Biopharma

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Wie kann dieser Datenschatz die Pharmaforschung verbessern?

Die Pharmaforschung hat drei große Baustellen: Die erste ist die geringe Effizienz. Die großen Pharmakonzerne geben jährlich 200 Milliarden US-Dollar für Forschung aus, am Ende stehen jedoch nur 50 neue Zulassungen. Das sind im Schnitt 4 Milliarden US-Dollar Entwicklungskosten pro Medikament, eine unvorstellbare Summe. Zum zweiten scheitern 90 Prozent der klinischen Studien an der Wahl des richtigen Studienzentrums, der Auswahl und Information der Patienten oder den Protokollen. Drittens wird vieles doppelt und dreifach untersucht, weil man nichts voneinander weiß. Das haben wir in der Pandemie sehr häufig gesehen.

Im ersten Schritt konzentrieren wir uns auf Autoimmunerkrankungen. Mithilfe von Algorithmen versuchen wir vorherzusagen, welche Erfolgschancen neue Medikamente in klinischen Tests haben oder welcher Forschungsansatz sich bei bestimmten Krankheiten besonders lohnt. Der gesamte Prozess läuft voll automatisiert. Wir können mit bis zu 85-prozentiger Genauigkeit vorhersagen, ob das Vorhaben zum Erfolg führt oder nicht, und das in Echtzeit. Das erspart milliardenteure Fehlschläge. Unser Ziel ist es, dass die Industrie mehr neue Medikamente in kürzerer Zeit zu geringeren Kosten entwickelt.

Vorhersage Forschungserfolg

85%

beträgt die Vorhersagegenauigkeit von Innoplexus für den Erfolg klinischer Studien.

Eine effizientere Forschung liegt doch im eigenen Interesse der Pharmaindustrie. Warum entwickelt die Branche nicht selbst intelligente Plattformen?

Alle haben Angst, ihre Daten zu teilen. Deswegen wird sich das klassische System nicht verändern. Der Anstoß muss von außen kommen. Tesla hat die Autoindustrie revolutioniert, FinTechs die Bankenwelt und Innoplexus versucht das für die Pharmaforschung.

Welchen Beitrag leistet EY?

Klaus Ort: Autoimmunerkrankungen bieten ein großes Potenzial für den Pharmamarkt, da viele Bedürfnisse der Patienten unerfüllt sind. Die Fachleute von Innoplexus beherrschen die Software mit der künstlichen Intelligenz. Doch man muss der Maschine die richtigen Fragen stellen, um die richtigen Antworten zu bekommen. Bei der Auswertung der Daten konnten die Spezialisten von EY helfen. Mit der kombinierten Expertise von EY und Innoplexus haben wir Top-Performer identifiziert und ihre Erfolgsrezepte untersucht. Gemeinsam haben wir analysiert, welche klinischen Studien am ehesten zum Erfolg führen, und können sagen, welche Unternehmen das höchste Wachstumspotenzial auf dem Feld der Autoimmunerkrankungen haben. Das ist nicht nur für die forschenden Unternehmen selbst interessant, sondern auch für Investoren oder potenzielle Partner. Nicht zuletzt profitiert Innoplexus von unseren Kontakten in die Industrie und der Erfahrung, wie sich kluge Ideen in erfolgreiche Geschäftsmodelle verwandeln lassen.

Fazit

Das Start-up Innoplexus hat eine Software entwickelt, die mit künstlicher Intelligenz den Erfolg von Pharmaforschung vorhersagen kann. Das soll für schnellere Ergebnisse und bessere Medikamente zu geringeren Kosten sorgen.

Über diesen Artikel

Von Klaus Ort

Partner des Marktsegments Life Sciences & Gesundheitswesen, EY Strategy & Transactions GmbH | Europe West

Erfahrener Partner mit Blick für Leistungs- und Wertsteigerung. Als fünffacher Familienvater sind Zusammenhalt und Wertschätzung für ihn nicht nur die Kernattribute für beruflichen Erfolg.