Pressemitteilung

6 Juni 2019 Berlin, DE

Stadtwerke erschließen neue Geschäftsfelder

BERLIN, 6. Juni 2019. Immer mehr bislang branchenfremde Unternehmen engagieren sich in traditionellen Geschäftsfeldern der Energieversorger – und fordern damit die Stadtwerke heraus.

  • Stadtwerkestudie von EY und BDEW zeigt Chancen für neue Geschäftsmodelle – Sektorenkonvergenz im Fokus
  • Höchste Synergiepotenziale mit Wohnungswirtschaft und IT-Branche

Immer mehr bislang branchenfremde Unternehmen engagieren sich in traditionellen Geschäftsfeldern der Energieversorger – und fordern damit die Stadtwerke heraus. Denn die Sektorenkonvergenz, die zuerst die Technologie-, Telekommunikations-, Medien- und Entertainmentindustrie erfasst hat, prägt zunehmend auch die Energiebranche: Über die Elektromobilität wachsen beispielsweise Automobilindustrie und Energiewirtschaft zusammen. Und Telekommunikationsunternehmen, Paketdienstleister und Wohnungsgesellschaften arbeiten am Aufbau einer bundesweiten Elektroladeinfrastruktur. Technologieanbieter werden sogar zunehmend selbst in der dezentralen Energieerzeugung, im Energiemanagement und in der Lieferung von Energie an Endkunden aktiv.

Die Stadtwerkestudie von EY und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigt, dass die Energiewirtschaft diese Herausforderungen annimmt: Sie bewegt sich ihrerseits immer stärker in andere Bereiche hinein und ist längst im Rahmen unterschiedlicher Geschäftsmodelle mit anderen Sektoren – vielfach über Kooperationen und Partnerschaften – eng verbunden. Die Übernahme der Nebenkostenabrechnung für Mietwohnungen, der Verkauf von Smart-Home-Produkten oder auch die Bereitstellung von Telekommunikationsdienstleistungen sind nur einige Beispiele für schon etablierte Bereiche.

Um zu erfassen, wie die deutschen Energieversorger die Herausforderungen und Chancen, die mit der Sektorenkonvergenz entstehen, bewerten und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielt, wurden für die Studie Geschäftsführer und Vorstände von insgesamt 172 Unternehmen unterschiedlicher Größe und Struktur in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Sektorenkonvergenz wird von der Energiewirtschaft als Chance eingestuft. Die größten Synergiepotenziale werden in der Annäherung mit der Wohnungswirtschaft, dem Technologie- und dem Telekommunikations-Sektor gesehen.
  • Dadurch eröffnen sich Chancen, vor allem in der dezentralen Stromerzeugung, dem Smart Metering und der Elektromobilität. In diesen Bereichen sind heute bereits die meisten Energieversorger und Stadtwerke aktiv – Tendenz weiter steigend.
  • Die bestehenden Aktivitäten sind aber erst der Anfang: Stadtwerke und Energieversorger sehen sich zukünftig etwa als umfassende Plattformbetreiber im Betrieb von Smart-Meter-Gateways, der Ladeinfrastruktur oder im Gebäudemanagement.

EY-Partner Metin Fidan, Leiter des Energiesektors bei EY: „Die Ergebnisse der Studie zeigen: Es herrscht Aufbruchstimmung bei den Energieversorgern. Sie arbeiten an neuen Geschäftsmodellen und setzen zunehmend auf Kooperationen und Partnerschaften. Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen sehen sich als Orchestrator, der die Angebote verschiedener Partner zu einem Produkt mit Mehrwert für die Kunden kombiniert.“

Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung: „Die Energiewirtschaft zählt ganz klar wieder zu den Wachstumsbranchen. Die Energieunternehmen können eine treibende Rolle in Geschäftsfeldern wie der dezentralen Stromerzeugung oder der Elektromobilität einnehmen. Entwicklungspotenziale gibt es auch in Bereichen wie TK-Dienstleistungen, Quartierskonzepten sowie bei Smart-Home-Ansätzen. Die Stimmung in der Energiewirtschaft ist entsprechend gut, das zeigt auch die Befragung von Ernst & Young: Fast drei Viertel der Unternehmen erwarten für 2019 gute oder sehr gute Geschäfte – dieser Wert liege um 11 Prozentpunkte über dem Vorjahr.“

Allerdings mahnt Fidan: „Digitalisierung und Sektorenkonvergenz bergen auch Risiken. Das Tempo, in dem sich der disruptive Wandel vollzieht, ist enorm. Die Digitalisierung ganzer Wertschöpfungsketten stellt heute jedes Unternehmen vor gewaltige Herausforderungen. Es ist zu erwarten, dass sich zukünftig noch mehr Marktakteure aus anderen Branchen in der Energiewirtschaft engagieren – insbesondere im Vertrieb und im Kundengeschäft. So kann die vermeintliche Chance und Gelegenheit für neue Geschäftsmodelle und nachhaltiges Wachstum auch zu einem Risiko werden, nämlich dann, wenn die Veränderung hin zu einer agilen und innovationsfördernden Unternehmenskultur bei Energie-versorgern nicht ganz oben auf der Agenda steht. Dazu Stefan Kapferer: „Die Stadtwerke bringen alle Voraussetzungen mit, um im Wettbewerb bestehen zu können. Sie genießen das Vertrauen der Kunden. Viel entscheidender ist, dass die kommunalen Eigner ihren Stadtwerken auch den notwendigen finanziellen Spielraum lassen, um in die Zukunft zu investieren. Die Stadtwerke werden den Transformationsprozess nur dann gestärkt meistern, wenn sie die notwendigen Investitionen auch tätigen können."

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