Pressemitteilung

5 Dezember 2019 Berlin, DE

Deutsche Städte setzen voll auf Elektromobilität – Immobilienwirtschaft hingegen noch zögerlich

Berlin, 05. Dezember 2019. Die Bundesregierung und die deutsche Automobilindustrie setzen stark auf Elektromobilität - und zunehmend treiben auch die Städte und Gemeinden in Deutschland den Umstieg auf emissionsfreies Fahren voran

  • 61 Prozent der deutschen Städte rüsten städtische Flotte auf emissionsfreie Fahrzeuge um – baden-württembergische Städte Vorreiter
  • Jede zweite Stadt installiert Ladepunkte im öffentlichen Raum
  • Reiche Kommunen und Großstädte besonders investitionsfreudig
  • Immobilienwirtschaft bei Investitionen hingegen zurückhaltend: 60 Prozent zweifeln an der Durchsetzung der E-Mobilität

Die Bundesregierung und die deutsche Automobilindustrie setzen stark auf Elektromobilität - und zunehmend treiben auch die Städte und Gemeinden in Deutschland den Umstieg auf emissionsfreies Fahren voran: 74 Prozent der deutschen Städte haben bereits in E-Mobilität investiert. Dabei steht die Umrüstung der städtischen Fahrzeugflotte im Vordergrund, die bereits 61 Prozent der Städte in Angriff genommen haben. Jede zweite Stadt hat Ladepunkte im öffentlichen Raum installiert. Bislang sind rund 17.000 Ladestationen in Deutschland installiert worden. Gerade einmal 16 Prozent der Städte haben keinerlei Investitionen in E-Mobilität getätigt oder geplant.

Bei der Umrüstung der städtischen Fahrzeuge liegen die baden-württembergischen, hessischen und schleswig-holsteinischen Kommunen vorn: Etwa drei von vier Städten haben bereits Verbrenner-Modelle durch Elektro- oder Wasserstoff-Fahrzeuge ersetzt. Öffentliche Ladepunkte wurden hingegen besonders häufig von hessischen (73 Prozent), baden-württembergischen (58 Prozent) und bayerischen Städten (55 Prozent) installiert.

Ob der Umstieg in Richtung Elektromobilität auch bei privatwirtschaftlich bewirtschafteten Neu- oder Bestandsbauten und Büroimmobilien rasch an Fahrt gewinnen wird, ist allerdings fraglich: Die deutsche Immobilienwirtschaft hält sich bislang noch mit Investitionen zurück: Nur für 37 Prozent der befragten Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft hat „E-Mobilität-Infrastruktur“ aktuell eine hohe Bedeutung; Gerade einmal 30 Prozent der immobilienwirtschaftlichen Unternehmen kennen sich gut mit den Abrechnungs- und Ladesystemen für Elektrostationen aus, und nur etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen schätzen die Notwendigkeit von Schnellladesystemen in Immobilien als hoch beziehungsweise sehr hoch ein. Der Grund für die Zurückhaltung beim Thema E-Mobilität: Die Mehrheit – 60 Prozent – zweifelt daran, dass sich Elektroautos tatsächlich am Markt durchsetzen.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die auf einer Umfrage unter 300 deutschen Kommunen sowie einer Befragung von 30 führenden Unternehmen der Immobilienwirtschaft in Deutschland beruht.

Laut Prof. Dr. Bernhard Lorentz, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, zeigen die Befragungsergebnisse, dass die Entwicklung bei den Kommunen grundsätzlich in die richtige Richtung geht: “Die Marschrichtung der Bundesregierung und der deutschen Autobranche ist spätestens seit den Beschlüssen des Autogipfels Ende Oktober klar: Politik und Wirtschaft nehmen Milliardensummen in die Hand, um der Elektromobilität in Deutschland zum Erfolg zu verhelfen.“ Nicht zuletzt die Erhöhung der Kaufprämien sowie die anstehenden Modellneuheiten dürften zu einem erheblichen Anstieg der Neuzulassungen von Elektroautos führen.

Ende 2019 werden nach EY-Berechnungen etwa 300.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride auf den deutschen Straßen unterwegs sein. Im kommenden Jahr wird die Zahl voraussichtlich auf deutlich über 500.000 steigen. „Um für das erwartete Wachstum und die damit steigende Nachfrage nach öffentlichen und privaten Lademöglichkeiten gewappnet zu sein, bedarf es eines Investitionsschubs und erheblicher Anstrengungen von mehreren Seiten. Derzeit fehlt es noch an Ladestationen – sowohl in Wohn- als auch in Büro- beziehungsweise Gewerbeimmobilien“, stellt Lorentz fest. Neben der Autoindustrie, die bereits dabei ist, in großer Zahl Schnellladestationen entlang der Autobahnen zu errichten, sind die Kommunen gefordert – und in besonderem Maße die Immobilienwirtschaft.

„Ohne die Immobilienwirtschaft wird es nicht gelingen, der Elektromobilität in Deutschland rasch zum Durchbruch zu verhelfen“, betont auch Oliver Schweizer, Partner bei EY Real Estate. „Es müssen jetzt rasch Lademöglichkeiten in großer Zahl in gewerblichen und privaten Immobilien geschaffen werden – aber das geht nur, wenn sich die Immobilienwirtschaft deutlich stärker als bisher engagiert und in die Diskussionen zur Lösung des Themas einbezogen wird.“

Die derzeitige Zurückhaltung der Immobilienunternehmen in Bezug auf die Installation von Ladepunkten habe vor allem mit dem Geschäftsmodell der Immobilienbranche zu tun, sagt Schweizer: „Die Immobilienwirtschaft ist bei Themen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, traditionell eher zurückhaltend.“ Schweizer rechnet damit, dass es erst zu einem Umdenken kommen wird, wenn die Nutzer – also Mieter und Käufer – in größerer Zahl Druck ausüben. „So lang können und wollen die anderen wichtigen Akteure – die öffentliche Hand, die Energiewirtschaft und die Automobilindustrie – aber nicht warten“, betont Schweizer. „Um schnell Ergebnisse zu sehen, sollten daher die Immobilienunternehmen jetzt ins Boot geholt werden, und es müssen gemeinsam mit der Branche konkret auf deren Bedarf zugeschnittene Angebote und Förderprogramme entwickelt werden – sonst bewegt sich nichts“. Die Vorgabe, Ladestationen bei Neuentwicklungen von Immobilien zu berücksichtigen, werde allein nicht zum Erfolg führen. Dafür werde in Deutschland derzeit zu wenig neu gebaut. „Entscheidend wird der Bestand sein. Hier müssen ebenfalls Anreize geschaffen werden“, so Schweizer.

Reiche Städte sind Vorreiter bei E-Mobilität

Die deutschen Städte zeigen sich hingegen bemerkenswert offen für E-Mobilität – allerdings sind es vor allem große und wohlhabende Städte, die Investitionen tätigen: So geben von den Kommunen, die einen Haushaltsüberschuss erwirtschaften, immerhin 65 Prozent an, Teile der städtischen Fahrzeugflotte auf einen emissionsfreien Antrieb umgerüstet zu haben. Bei den Kommunen, die ein Haushaltsdefizit ausweisen, liegt der Anteil nur bei 37 Prozent. Großstädte mit mehr als 200.000 Einwohnern liegen mit einem Anteil von 89 Prozent weit vorn – kleinere Kommunen mit bis zu 50.000 Einwohnern hinken mit einer Umstellungsquote von 56 Prozent deutlich hinterher. „Investitionen in Elektromobilität sind für Kommunen eindeutig auch eine Frage des Geldes – zudem sind Großstädte deutlich weiter als kleinere Kommunen“, stellt Lorentz fest.

Auch bei der Installation von Ladepunkten im öffentlichen Raum sind Großstädte Vorreiter: 89 Prozent der Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern haben bereits entsprechende Investitionen getätigt – bei kleineren Kommunen (bis 50.000 Einwohner) ist der Anteil mit 47 Prozent nur etwa halb so groß.

Im Bundeslandvergleich zeigt sich, dass die Städte in Hessen bei der Installation von öffentlichen Ladepunkten am weitesten sind – 73 Prozent haben entsprechende Investitionen bereits getätigt –, gefolgt von den Städten in Baden-Württemberg und Bayern (58 bzw. 55 Prozent). Schlusslichter sich die Städte in Niedersachsen und Schleswig-Holstein (40 bzw. 27 Prozent).

 

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