Pressemitteilung

30 Dezember 2019 Berlin, DE

Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt verlangsamt sich – aber kein Ende des deutschen Jobwunders

Berlin, 30. Dezember 2019. Die Beschäftigung stieg in Deutschland erneut auf ein Rekordniveau – trotz des konjunkturellen Gegenwinds. Der Aufwärtstrend wird auch 2020 anhalten, allerdings deutlich an Dynamik verlieren. Immerhin 200.000 neue Stellen sollen laut EY-Prognose in Deutschland entstehen.

  • Beschäftigungswachstum in Deutschland verliert an Fahrt, hält 2020 voraussichtlich aber an
  • Prognose für 2020: 200.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland; 1 Million neue Stellen in der Eurozone
  • Eurozone: Beschäftigung steigt 2020 auf Rekordniveau, Arbeitslosigkeit sinkt erstmals unter Stand 2007

Trotz einer sich abkühlenden Konjunktur hielt der Beschäftigungsaufbau in Deutschland auch im Jahr 2019 an: Unterm Strich entstanden etwa 450.000 zusätzliche Arbeitsplätze, die Erwerbslosenquote (nach ILO-Definition) sank von 3,4 auf 3,1 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung.

Damit setzte sich ein beeindruckender Trend fort: Seit dem Vorkrisenjahr 2007 sind in Deutschland rund fünf Millionen zusätzliche Stellen geschaffen worden – doppelt so viele wie in allen anderen Eurozonen-Ländern zusammen. Die Erwerbslosenquote sank in Deutschland um 5,4 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent; von den Euro-Ländern verzeichnete nur die Slowakei einen noch stärkeren Rückgang um 5,5 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent.

Im kommenden Jahr wird sich angesichts der Konjunkturerwartung die Entwicklung auf dem deutschen und auch auf dem Eurozonen-Arbeitsmarkt voraussichtlich deutlich verlangsamen: Laut EY-Prognose sinkt die Erwerbslosenquote in Deutschland nur noch leicht – von 3,1 auf 3,0 Prozent, die Zahl der Beschäftigten wird nur noch um etwa 200.000 steigen und damit nicht einmal halb so stark wie 2019. Auch in der gesamten Eurozone verlangsamt sich der Beschäftigungsaufbau: Die Zahl der Erwerbstätigen steigt 2020 nur noch um 0,6 Prozent – nach einem Plus von 1,1 Prozent im Jahr 2019. Immerhin: Mit einer Erwerbslosenquote von 7,3 Prozent wird in der Eurozone im kommenden Jahr voraussichtlich erstmals wieder das Vorkrisenniveau des Jahres 2007 erreicht beziehungsweise sogar unterschritten.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die auf offiziellen Zahlen zur Beschäftigungsentwicklung und EY-Prognosen beruht.

„2019 war ein weiteres sehr gutes Jahr für den Arbeitsmarkt und damit für die Beschäftigten in Europa“, stellt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland, fest. „Trotz konjunkturellen Gegenwinds sind in der gesamten Eurozone unterm Strich etwa 1,8 Millionen Arbeitsplätze entstanden. Besonders erfreulich ist die Entwicklung etwa in Spanien, das einen bemerkenswerten Beschäftigungszuwachs verzeichnet – den stärksten aller Eurozonen-Länder.“

Neue Stellen im Jahr 2020

200.000

 

Eurozone: Ausblick: Dynamik lässt nach, Risiken nehmen zu

Im kommenden Jahr wird die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt nachlassen – in der Eurozone insgesamt, vor allem aber in Deutschland, erwartet Bernhard Lorentz, Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, die Schweiz und Österreich. „Die schwierige Wirtschaftslage fordert ihren Tribut. Die Unternehmen werden vorsichtiger, wenn es darum geht, neue Stellen zu schaffen; sie warten ab, wie sich die Nachfrage entwickelt. Gerade in der deutschen Industrie, die zuletzt Umsatzrückgänge verzeichnete, ist die Situation sehr angespannt: Internationale Handelskonflikte, eine schwächelnde chinesische Konjunktur und absehbare technologische Umbrüche sorgen für große Unsicherheit.“

Trotz dieser zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen wird es laut EY-Prognose nicht zu einer negativen Trendwende auf dem deutschen Arbeitsmarkt kommen. Dafür sorgen laut Lorentz vor allem zwei Entwicklungen: „Der Dienstleistungssektor bleibt auf Wachstumskurs und schafft weitere neue Arbeitsplätze. Bereits in den vergangenen Jahren entfielen viele der neu entstandenen Stellen auf Dienstleister – in den kommenden Monaten wird diesem Sektor eine noch wichtigere stabilisierende Rolle zukommen. Denn viele Industriebranchen – etwa der Maschinenbau und der Automobilsektor – stecken mitten in einem enormen technologischen Umbruch. Gerade hier werden die Digitalisierung und der Vormarsch der Elektromobilität die Beschäftigungsstruktur verändern: Es werden traditionelle Arbeitsplätze wegfallen, während an woanders neue Stellen in den Bereichen IT, Forschung und Entwicklung entstehen.“

Daraus ergeben sich laut Lorentz große Herausforderung für die Bildungspolitik, aber auch für die Unternehmen selbst, die deutlich mehr in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren sollten. Bereits heute sei der Fachkräftemangel eine der größten Sorgen der Unternehmen, so Lorentz: „Es werden händeringend Softwareentwickler und Elektronik-Fachkräfte gesucht.“

Auch der demographische Wandel mache sich auf dem Arbeitsmarkt bereits bemerkbar, so Barth: „Angesichts der absehbar rückläufigen Zahl der Erwerbstätigen verzichten viele Unternehmen im derzeitigen Abschwung darauf, Stellen abzubauen – auch wenn das auf Kosten der Profitabilität geht. Zu groß ist die Sorge, im nächsten Aufschwung nicht genug Personal zu haben – in einigen Regionen ist das Arbeitskräftereservoir weitgehend erschöpft.“

Eurozone: Arbeitslosigkeit sinkt erstmals unter Vorkrisenniveau

Im kommenden Jahr wird die Erwerbslosigkeit in der Eurozone voraussichtlich erstmals wieder unter das Niveau des Vorkrisenjahres 2007 sinken; dies ist in erster Linie auf die sehr positive Entwicklung in Deutschland im Verlauf der vergangenen Jahre zurückzuführen. In zehn Ländern wird die Quote immer noch – teils deutlich – über dem Vorkrisenniveau liegen, insbesondere in Griechenland, Spanien und Italien.

„Die Kluft zwischen Nord und Süd ist immer noch sehr groß. Einige südeuropäische Länder haben sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, aber nach wie vor sorgt eine hohe Arbeitslosigkeit gerade junger Menschen für Perspektivlosigkeit sowie soziale und politische Spannungen“, warnt Barth. „Für den Zusammenhalt innerhalb Europas ist die teils hohe Arbeitslosigkeit immer noch eine der zentralen Herausforderungen.“

 

- Ende -

EY im Überblick

EY* ist eine der großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist EY deutscher Marktführer. EY beschäftigt mehr als 11.100 Mitarbeiter an 20 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2018/2019 einen Gesamtumsatz von 2,1 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den mehr als 284.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Mandanten überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Transaktionsberatung, Advisory Services und Immobilienberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle deutschen Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.