Pressemitteilung

29 Dezember 2019 Stuttgart, DE

Stimmung unter Beschäftigen sinkt: Arbeitsbelastung geht hoch, Motivation geht runter

Stuttgart, 29. Dezember 2019. Kippt die Stimmung unter den Beschäftigten in Deutschland? Die Mehrheit klagt über eine gestiegene Arbeitsbelastung. Gleich-zeitig sind mehr Beschäftigte als in den Vorjahren unzufrieden oder unmotiviert.

  • Nur noch jeder Vierte ist sehr zufrieden mit seiner Arbeit und nur 29 Prozent sind äußerst motiviert
  • Eine spannende Tätigkeit ist motivierender als hohes Gehalt
  • Gerade Frauen sehen die eigene Arbeit nicht gewürdigt
  • Insbesondere die jüngeren Beschäftigten sind unmotiviert und unzufrieden 
  • Die Hälfte der jungen Beschäftigten würde zugunsten von mehr Freizeit auf Gehalt verzichten

Kippt die Stimmung unter den Beschäftigten in Deutschland? Die Mehrheit klagt über eine gestiegene Arbeitsbelastung. Gleichzeitig sind mehr Beschäftigte als in den Vorjahren unzufrieden oder unmotiviert. So geben sieben von zehn Beschäftigten an, dass die Arbeitsbelastung für sie in den vergangenen fünf Jahren zugenommen hat – bei vier von zehn hat sie sogar stark zugenommen. Bei den vorangegangenen Befragungen 2017 und 2015 haben nur 27 Prozent beziehungsweise 17 Prozent über eine starke Zunahme der Belastung geklagt. 

In der Folge leidet auch das Privatleben: Knapp die Hälfte der Beschäftigten (48 Prozent) findet, dass die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben in den vergangenen Jahren schwieriger geworden ist. 

Für die Unternehmen kann das zum Problem werden, denn Zufriedenheit und Motivation der Beschäftigten sind gleichzeitig deutlich nach unten gegangen. Nur noch jeder Vierte ist sehr zufrieden mit seiner Arbeit – 2017 bezeichneten sich noch gut zwei von drei Beschäftigte (68 Prozent) als sehr zufrieden. 

Und auch die Motivation ist spürbar gesunken: Nachdem 2017 noch 42 Prozent angaben, äußerst motiviert zu sein, sind es in der aktuellen Befragung nur noch 29 Prozent. 

Das sind Ergebnisse der alle zwei Jahre durchgeführten EY-Jobstudie, für die mehr als 1.500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland repräsentativ befragt wurden. 

Markus Heinen, Leiter des Geschäftsfeldes Personalberatungsdienstleistungen bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz, erklärt das Empfinden der Arbeitnehmer unter anderem mit der zunehmenden Komplexität der Aufgaben: „Die Unternehmen sind immer stärker international vernetzt und befinden sich zunehmend im Wettbewerb mit neuen Akteuren aus anderen Branchen. Für die Beschäftigten bedeutet das: Sie müssen immer mehr Faktoren bedenken wie internationales Recht, Compliance oder auch einfach unterschiedliche kulturelle Gepflogenheiten. Das Rad dreht sich immer schneller – das geht auch an den Beschäftigten nicht spurlos vorbei.“

Gleichzeitig hätten natürlich auch die Beschäftigten bemerkt, dass die Wirtschaft zuletzt lahmte und sogar haarscharf an einer Rezession vorbeikam. Nach Jahren des Aufschwungs habe dies bei vielen Arbeitnehmern zur Verunsicherung beigetragen.

Oliver Simon, Leiter der Personalabteilung von EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz, beobachtet gerade in der Digitalisierung eine zusätzliche Herausforderung: „Das Schlagwort ‚lebenslanges Lernen‘ hat heute größere Bedeutung denn je. Neue Technologien werden in einer atemberaubenden Schlagzahl in den Unternehmen eingeführt. Die Beschäftigten müssen sich mit ihnen erst vertraut machen. Bei vielen ist gleichzeitig die Angst groß, dass Teile ihrer Arbeit durch die Digitalisierung ersetzt werden.“

Nur 60 Prozent sehen ihre eigene Arbeit gewürdigt

Oft liegt die Unzufriedenheit oder die mangelnde Motivation in der Unternehmenskultur begründet. So sagen nur 60 Prozent der Beschäftigten, dass sie ihre Arbeit im Unternehmen gewürdigt sehen, insbesondere bei Frauen ist der Anteil mit 55 Prozent sehr niedrig. Zum Vergleich: In den vorangegangenen Befragungen sahen jeweils über 80 Prozent ihre Arbeit gewürdigt. 

Gleichzeitig sagen 47 Prozent der Männer und 34 Prozent der Frauen, dass eine spannende Tätigkeit sie am meisten bei der Arbeit motiviert. Ein hohes Gehalt spielt im Vergleich dazu nur eine untergeordnete Rolle und ist für 20 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen ihre Hauptmotivation. 

„Offenbar mangelt es in vielen Unternehmen an einer internen Kultur des Zuhörens“, so Heinen. „Es gelingt ihnen nicht, ihren Beschäftigten eine für sie erfüllende Rolle zu ermöglichen und ihnen gleichzeitig das Gefühl zu geben, für ihre Leistungen gewürdigt zu werden. Es ist wichtig, dass das Top-Management immer wieder in das Unternehmen hineinhorcht, um mögliche Unzufriedenheit schnellstmöglich zu erkennen und gegensteuern zu können.“

30- bis 39-Jährige besonders unmotiviert und unzufrieden

Insbesondere in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen zeichnet sich ein Trend ab: Nur 21 Prozent von ihnen sind äußerst motiviert, und 22 Prozent zufrieden – die mit Abstand niedrigsten Werte aller Altersklassen. Weitestgehend entspannt sind hingegen die älteren Arbeitnehmer über 64 Jahre. 63 Prozent von ihnen bezeichnen sich als äußerst motiviert, 45 Prozent als zufrieden mit ihrer Arbeit – die Top-Werte aller Altersklassen.

„Die Einstellung zur Arbeit hat sich im Generationenvergleich deutlich verändert“, hat Simon beobachtet. „Die jungen Beschäftigten definieren sich nicht mehr so sehr über ihren Job. Gefällt es ihnen im Unternehmen nicht, sind sie eher bereit, weiterzuziehen. Die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre hat es den gut ausgebildeten Berufseinsteigern auch erlaubt, sich ihren Arbeitgeber mehr oder weniger auszusuchen. Erwerbsbiographien von 45 Jahren im selben Unternehmen gibt es so gut wie nicht mehr. Zudem sind ihnen andere Dinge wie Familie oder Freizeit mindestens ebenso wichtig.“

Dafür spricht auch, dass gerade die jungen Beschäftigten bereit sind, auf Gehalt zu verzichten, wenn sie dafür mehr Freizeit hätten. Etwa die Hälfte der Beschäftigten bis 29 Jahre (52 Prozent) und der 30- bis 39-Jährigen (49 Prozent) würden Gehaltsanteile für mehr Freizeit tauschen. Über alle Altersklassen hinweg liegt der Anteil immerhin noch bei 38 Prozent.

 

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