Pressemitteilung

27 Dezember 2019 Stuttgart, DE

Private-Equity-Investitionen in Deutschland steigen auf höchsten Wert seit der Finanzkrise

Stuttgart, 27. Dezember 2019. Megadeals haben das Private-Equity-Volumen in Deutschland 2019 auf einen neuen Höchstwert seit der Finanzkrise ansteigen lassen. Finanzinvestoren tätigten Transaktionen im Wert von 29 Milliarden Euro, das sind 62 Prozent mehr als im Vorjahr.

  • Transaktionsvolumen steigt um 69 Prozent auf 30 Milliarden Euro – Anzahl der Deals geht allerdings zurück
  • Acht Megadeals für den Anstieg verantwortlich – Kauf von Currenta durch Macquarie für 3,5 Milliarden Euro größte Transaktion des Jahres
  • Die meisten Transaktionen in den Bereichen Industrie und Informationstechnologie
  • Zahlreiche Verkaufsprozesse noch offen – 2020 dürfte die Private-Equity-Aktivität hoch bleiben

Megadeals haben das Private-Equity-Volumen in Deutschland 2019 auf einen neuen Höchstwert seit der Finanzkrise ansteigen lassen. Finanzinvestoren tätigten Transaktionen im Wert von 30,2 Milliarden Euro, das sind 69 Prozent mehr als im Vorjahr. Vor allem im zweiten Halbjahr griffen sie tief in die Schatulle und gaben insgesamt 22,9 Milliarden Euro aus – damit war es das stärkste Halbjahr seit der Finanzkrise.

Die größte Transaktion des Jahres war der Kauf des Industriedienstleisters Currenta durch Macquarie für 3,5 Milliarden Euro. Ebenfalls im zweiten Halbjahr fand die zweitgrößte Private-Equity-Transaktion – die Akquisition von BASF Bauchemie durch Lone Star im Wert von 3,2 Milliarden Euro – statt. Insgesamt kamen acht solcher Megadeals oberhalb der eine-Milliarde-Grenze zustande – drei mehr als noch 2018.

Während die Transaktionspreise in die Höhe gingen, ist die Zahl der Transaktionen 2019 wieder zurückgegangen, nachdem sie zuvor fünf Jahre in Folge gestiegen war. Im abgelaufenen Jahr wurden 219 Transaktionen gezählt, das waren zehn weniger als noch im Jahr 2018.

Das sind Ergebnisse einer Analyse des deutschen Private-Equity-Marktes durch das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY.

„Die Preise für Unternehmen und Unternehmensteile sind auf einem sehr hohen Niveau“, beobachtet Michael Kunz, EY-Partner und Leiter Private Equity für Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Daran dürfte sich auch mittelfristig nicht viel ändern – denn es gibt nicht mehr viele hochkarätige Übernahmeziele am Markt. Wer sein Portfolio stärken will, muss daher tief in die Tasche greifen. Viele Finanzinvestoren sind dazu auch bereit, da durch die anhaltende Niedrigzinsphase viel günstiges Kapital zur Verfügung steht. Zusätzlich haben Finanzinvestoren in den vergangenen Jahren deutlich mehr Branchenkenntnisse aufgebaut. Dadurch sind sie in der Lage, die Unternehmensentwicklung positiv zu beeinflussen und trotz hoher Preise eine weitere Wertsteigerung zu generieren.“

Die meisten Transaktionen in den Bereichen Industrie und Informationstechnologie

Mit 6,8 Milliarden Euro floss das meiste Geld in den Bereich Chemie, vor allem getrieben durch die Akquisitionen von BASF Bauchemie durch Lone Star und den Kauf von Evonik (Methacrylates Verbund) durch Advent. Dank der Übernahme von Autoscout24 durch Hellman & Friedman kurz vor Jahresende entfiel der zweithöchste Wert mit 5,7 Milliarden Euro auf den Bereich Informationstechnologie. Die meisten Deals wurden in den Bereichen Informationstechnologie und Industrie getätigt: 49 beziehungsweise 42 Transaktionen tätigten Finanzinvestoren in diesen beiden Bereichen.

„In Deutschland befinden sich viele eher kleinere und mittelgroße Industrieunternehmen auf dem Markt“, erläutert Wolfgang Taudte, Partner bei EY. „Deswegen sehen wir in dem Bereich in der Regel viel Bewegung. Wir beobachten derzeit zusätzlich verstärkt den Trend, dass Private-Equity-Fonds ihr Portfolio um innovative Digitalunternehmen anreichern wollen. Daher bewegt sich die Zahl der Transaktionen in dem Bereich auf einem sehr hohen Niveau.“

Die Verkäufe deutscher Unternehmensbeteiligungen, sogenannte Exits, gingen sowohl bei der Anzahl als auch beim Wert deutlich zurück. So betrug der Gesamtwert 2019 nur noch 10 Milliarden Euro. Damit sank das Volumen das dritte Jahr in Folge und lag 31 Prozent unter dem Vorjahreswert. Gleichzeitig ging auch die Zahl der Exits deutlich um 25 Prozent auf 88 zurück.

Große Secondary Buyouts blieben aus

Verantwortlich dafür war vor allem das Ausbleiben großer Secondary Buyouts, also Verkäufe an andere Finanzinvestoren. Hier brach das Volumen um 54 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro ein. Dabei hatte der 2,2 Milliarden Euro schwere Börsengang von Teamviewer nach zwei Jahren, in denen es keinen durch Private Equity getriebenen IPO gab, eigentlich ein Highlight gesetzt. Dem Portfoliounternehmen des Finanzinvestors Permira gelang der größte Technologie-Börsengang seit der Dotcom-Ära.

„Einige Finanzinvestoren kommen mit ihrem Portfolio derzeit an ihre Grenzen“, so Taudte. „Zum einen waren sie in der Vergangenheit bereits sehr aktiv und sind nach wie vor damit beschäftigt, die Unternehmen in ihr Portfolio zu integrieren. Zum anderen stehen sie aber auch in einem starken Wettbewerb mit strategischen Investoren. Diese sind oft in der Lage, höhere Preise zu zahlen, weil sie mit Synergieeffekten aus dem Kauf rechnen dürfen.“

Kunz geht dennoch von einer weiterhin hohen Private-Equity-Aktivität aus: „Derzeit sind viele Verkaufsprozesse, an denen Finanzinvestoren beteiligt sind, weiterhin offen und dürften im 1. Halbjahr 2020 abgeschlossen werden. Wir erwarten daher für 2020 ein weiterhin hohes Engagement von Finanzinvestoren. Unterstützt wird das dadurch, dass sie aufgrund der gestiegenen Fondsvolumen und der niedrigen Zinsen weiterhin einen hohen Anlagedruck haben.“ 

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