Pressemitteilung

10 Januar 2020 Stuttgart, DE

Frauenanteil in Vorstandsgremien steigt weiter an – jedes elfte Vorstandsmitglied eine Frau

Stuttgart, 10. Januar 2020. Deutschlands börsennotierte Unternehmen werden immer weiblicher: Der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen der DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen ist im vergangenen Jahr um 0,9 Prozentpunkte gestiegen und liegt jetzt bei 9,2 Prozent.

  • Zahl der Frauen in den Vorständen der 160 DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen steigt im Jahresvergleich von 58 auf 64
  • Im DAX haben mehr als drei Viertel der Unternehmen mindestens eine Frau im Vorstand, im MDAX nur 28 Prozent und im SDAX 20 Prozent 
  • Fünf Unternehmen werden von weiblichen CEOs geführt
  • Am höchsten ist der Frauenanteil im Vorstand der Telekommunikationsbranche mit 16 Prozent

Deutschlands börsennotierte Unternehmen werden immer weiblicher: Der Anteil von Frauen in den Vorstandsetagen der DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen ist im vergangenen Jahr um 0,9 Prozentpunkte gestiegen und liegt jetzt bei 9,2 Prozent. Damit ist der Frauenanteil seit Juli 2015 kontinuierlich gestiegen. Damals lag er gerade einmal bei fünf Prozent. 

In den 160 Konzernen arbeiteten zum Stichtag 1. Januar 2020 insgesamt 64 Frauen in den Vorstandsgremien – das sind sechs Frauen mehr als noch vor einem Jahr und drei mehr als zur Jahresmitte 2019. Die Zahl der männlichen Vorstände ist gleichzeitig sogar leicht zurückgegangen: Derzeit sitzen 633 Männer in den Vorstandsgremien, das sind acht weniger als noch vor einem Jahr.

Zwar steigt die Zahl der Frauen in den Vorständen – allerdings sind die ausschließlich von Männern geführten Unternehmen weiterhin deutlich in der Mehrheit: In 66 Prozent der Vorstandsgremien sitzt keine Frau. Zwischen den Indizes gibt es zudem erhebliche Unterschiede: Während im DAX mehr als drei Viertel der Unternehmen (77 Prozent) mindestens eine Frau im Vorstand haben, sind es im MDAX nur 28 Prozent und im SDAX 20 Prozent.

So ist im DAX der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder mit 14,7 Prozent auch mit Abstand am höchsten, im MDAX sind es 8,4 Prozent. Im SDAX beträgt er lediglich 5,6 Prozent.

Wie schon im Vorjahr werden die Unternehmen DIC Asset, Hamburger Hafen und Logistik und GRENKE AG von einer Frau geführt. Medigene wird nicht mehr im SDAX gelistet und daher in dieser Analyse nicht mehr berücksichtigt. Dafür ist Martina Merz bei der thyssenkrupp AG vom Aufsichtsrat auf den Chefsessel im Vorstand gerückt – wenn auch nur vorübergehend. SAP setzt zudem als erstes DAX-Unternehmen auf eine Chefin: Jennifer Morgan führt den Softwarekonzern seit Oktober als Co-CEO.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Struktur der Vorstände der 160 im DAX, MDAX und SDAX gelisteten Unternehmen, die die Prüfungs- und Beratungsge-sellschaft EY zweimal jährlich durchführt.

„So langsam tut sich etwas in den Vorständen der börsennotierten Unternehmen in Deutschland“, stellt Markus Heinen, Leiter des Bereichs People Advisory Services Deutschland, Österreich und Schweiz bei EY, fest. „Der Frauenanteil steigt beständig an. Und, dass erstmals ein DAX-Unternehmen von einer Frau geführt wird, ist ein wichtiges Signal. Es ist zu hoffen, dass andere Unternehmen daraus einen Lerneffekt erzielen. Denn es ist höchste Zeit, dass das Tempo, in dem Vorstandsposten mit Frauen besetzt werden, anzieht.“ Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steigt wie im letzten Jahr, wird es bis zum Jahr 2048 dauern, bis zumindest ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt ist.

Frauen schaffen es in der Telekommunikationsbranche am häufigsten ins Top-Management

Besonders häufig sind Frauen in den Chefetagen von Telekommunikationsunternehmen anzutreffen, wo ihr Anteil bei 16 Prozent liegt. An zweiter und dritter Stelle folgen die Automobilbranche und Transport- & Logistikunternehmen mit jeweils knapp 14 Prozent. Dagegen befindet sich bei den börsennotierten Energieversorgern und Medienunternehmen keine einzige Frau im Vorstand. 

Weibliche Vorstandsmitglieder sind in erster Linie für operative Bereiche ihrer Unternehmen zuständig – etwa für Produktion oder Logistik: 30 Prozent der weiblichen Vorstandsmitglieder tragen Verantwortung für das operative Geschäft. Jeweils 22 Prozent der weiblichen Vorstandsmitglieder verantworten die Bereiche Personal und Finanzen.

Für Heinen ist es vor allem eine Kulturfrage in den Unternehmen, um Frauen in Führungsrollen zu etablieren: „Es gibt genügend Frauen, die das können. Damit sie aber eine Karriere im Unternehmen bis zu den Spitzenpositionen durchlaufen können, müssen sie konsequent gefördert werden. Dazu gehören beispielsweise firmeninterne Frauennetzwerke oder flexible Arbeitszeiten. Allerdings ist es auch eine Führungsaufgabe, messbare Ziele festzulegen – etwa die Abschaffung des Gender Pay Gap oder die Erhöhung der Zahl von weiblichen Führungskräften.“

Letztlich sei es im Eigeninteresse der Unternehmen, Frauen in Führungspositionen zu bringen, denn sie profitierten erheblich davon, betont Heinen: „Gemischte Teams lassen Diskussionen entstehen und unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen. Erst dadurch entwickeln sich oft neue Lösungen und mehr Innovationskraft. Ohnehin hat Deutschland gar keine andere Wahl, als verstärkt auf Frauen auch in Führungspositionen zu setzen. Dafür sorgt schon der demografische Wandel, der das Reservoir an Arbeitskräften in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen lässt.“

 

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