Pressemitteilung

15 Januar 2020 Eschborn/Frankfurt (Main), DE

Immobilieninvestments in Deutschland auf Rekordniveau

Frankfurt, 15. Januar 2020. Das Gesamtinvestitionsvolumen (Gewerbe- und Wohnimmobilien) auf dem deutschen Immobilienmarkt betrug im Jahr 2019 89,5 Milliarden Euro.

  • Transaktionsvolumen um 14 Prozent auf 89,5 Milliarden gestiegen
  • Ähnlich hohes Transaktionsvolumen für 2020 erwartet
  • Investoren spüren Regulierungsmaßnahmen
  • Mögliche CO₂-Abgabe unterschätzt

Das Gesamtinvestitionsvolumen (Gewerbe- und Wohnimmobilien) auf dem deutschen Immobilienmarkt betrug im Jahr 2019 89,5 Milliarden Euro. Das entspricht einem beachtlichen Wachstum von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als ein Gesamtvolumen 78 Milliarden Euro verzeichnet wurde.

Auch für 2020 erwarten 93 Prozent der Investoren ein attraktives bis sehr attraktives Marktumfeld. Allerdings ist der Anteil derer, die den deutschen Immobilienmarkt als uneingeschränkt sehr attraktiv einschätzen, im Vergleich zum Vorjahr von 41 auf 32 Prozent gesunken. 70 Prozent gehen davon aus, dass sich das Transaktionsvolumen auf hohem Niveau einpendeln wird, nur 16 Prozent erwarten ein weiter steigendes Transaktionsvolumen. Das sind Ergebnisse der jährlich erscheinenden Studie „Trendbarometer Immobilien-Investmentmarkt 2020“ von EY Real Estate, für die rund 250 Investoren befragt wurden, die am deutschen Immobilienmarkt aktiv sind.

„Der deutsche Immobilienmarkt präsentiert sich anhaltend robust. Trotz eines zunehmend schwierigen Fahrwassers – etwa aufgrund der schwächelnden Konjunktur, globalpolitischer Risiken und einer immer stärkeren Regulierung – bleiben Immobilieninvestments im Niedrigzinsumfeld die bevorzugte Wahl“, sagt Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors bei EY für Deutschland, Schweiz und Österreich und verantwortlich für die Studie.

Zunehmende staatliche Regulierungen

Einen Beitrag zur Entschärfung des angespannten Wohnungsmarktes sehen fast alle Befragten (94 Prozent) in der Ausweisung von mehr Bauland. Hier seien allerdings die Kommunen in der Pflicht. „Staatliche Eingriffe wie der in Berlin vorgesehene Mietendeckel führen nicht zu einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt. Ganz im Gegenteil, Investoren könnten zunehmend das Interesse an Wohnimmobilien verlieren. Dadurch sinken die Neubauzahlen“, so Schulz-Wulkow. Zudem würden Sanierungen und energetische Modernisierungen auf ein Minimum zurückgefahren. „Der Wohnungsbestand wird an Qualität verlieren“.

Bürosegment im Fokus – Wohnimmobilienmarkt am Scheideweg

Büroimmobilien genießen, wie bereits in den vergangenen Jahren, unan-gefochten das höchste Interesse der Investoren. So gaben 77 Prozent der Befragten an, dieses Segment in diesem Jahr stark bis mittelstark im Invest-mentfokus zu haben. Dies liegt nicht zuletzt an der hohen Flächennachfrage im Bürosegment. „Sollte sich der regulatorische Rahmen auf dem Wohnimmo-bilienmarkt weiter verengen, ist ein Ausweichen der Investoren in andere Segmente sehr wahrscheinlich“, sagt Paul von Drygalski, Director bei EY Real Estate und Co-Autor der Studie. 60 Prozent der Befragten erwarten, dass auf die aktuelle Wohnflächenknappheit eine Büroflächenknappheit folgen wird. Dennoch hat sich die Attraktivität des Wohnsegments im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert – je 71 Prozent der Investoren gaben an, Wohnimmobilien stark oder mittelstark im Fokus zu haben. Die politische Einflussnahme wird allerdings zunehmend spürbar; entsprechend äußerten sich 83 Prozent der Befragten (2019: 70 Prozent).

Einzelhandelsimmobilien hingegen verlieren weiter an Attraktivität. Mehr als zwei Drittel der Investoren gaben an, das Einzelhandelssegment wenig oder überhaupt nicht berücksichtigen zu wollen, was einem Anstieg von 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Immobilienbranche hat CO₂-Abgabe nicht im Fokus

Während die Regulierung des Wohnungsmarktes als eine immer größere Herausforderung angesehen wird, findet die in der Öffentlichkeit diskutierte CO₂-Abgabe in der Branche bislang nicht hinreichend Beachtung. Weniger als die Hälfte der Studienteilnehmer identifizieren sie als potenzielle Gefahr für das Geschäftsmodell.

„Der Gebäudesektor ist für rund ein Drittel des gesamten CO₂-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich. Die Immobilienwirtschaft muss im Hinblick auf eine mögliche CO₂-Bepreisung dringend aufwachen und sich vorbereiten. Ein ‚blindes Auge‘ zum jetzigen Zeitpunkt könnte sich rückblickend als fahrlässig herausstellen“, sagt Schulz-Wulkow. Zudem rangiert nach Meinung der Befragten der Klimawandel bei den Megatrends, die die Immobilienbranche prägen werden, an letzter Stelle. Nur 63 Prozent der Befragten erkennen hier eine Relevanz. 91 Prozent gehen hingegen davon aus, dass der demografische Wandel den größten Einfluss auf die Immobilienbranche haben wird.

Spätzyklus motiviert zu aktiven Strategien

Die bevorzugten Strategien der Studienteilnehmer lassen darauf schließen, dass sie sich überwiegend im späten Marktzyklus bewegen. So verfolgen 93 Prozent der Befragten lediglich selektive Ankäufe, 77 Prozent fassen Verkäufe zur Gewinnmitnahme ins Auge. Hinzu treten aktivere Investment¬ansätze. So sind vergleichsweise risikoreichere Manage-to-Core-Strategien derzeit beliebter als risikoaverse Super-Core-Strategien (79 Prozent gegenüber 41 Prozent). Und Projektentwicklungen in Eigenregie sind ähnlich gefragt wie Engagements in Forward-Deals, also der Verkauf von Projektentwicklungen vor Abschluss der Baumaßnahmen (56 bzw. 54 Prozent). „Weiterhin beobachten wir derzeit Konsolidierungsaktivitäten bei börsennotierten Gesellschaften“, ergänzt Schulz-Wulkow.

„War for Talents“ entscheidet sich auf Bürofläche

Neben den sich verändernden Rahmenbedingungen des Investmentmarktes sind Investoren aber auch mit einem fundamentalen Wandel des Nutzer-verhaltens konfrontiert und müssen entsprechend reagieren. Nahezu alle Befragten stimmen der Aussage zu, dass die Attraktivität der Arbeitsumgebung heute ein wesentlicher Bestandteil der Mitarbeitergewinnung und -bindung ist. 83 Prozent erwarten zudem, dass die flexible Anmietung von Arbeitsplätzen deutlich zunehmen wird. „Nutzer erwarten heute von ihrer Mietfläche eine ähnliche Flexibilität und Qualität, wie sie sie von ihrem präferierten Streaming-Anbieter gewohnt sind“, sagt von Drygalski. Nicht nur Start-ups, sondern vermehrt auch Corporates werden künftig Mieter von Co-Working-Flächen sein – davon geht mehr als die Hälfte der Befragten aus.

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