Pressemitteilung

16 November 2020 Eschborn/Frankfurt (Main), DE

Gehälter deutscher Vorstände sinken weiter – weibliche Vorstandsmitglieder in allen DAX-Indizes vorn

Frankfurt am Main, 16. November 2020. Im zweiten Jahr in Folge ist das Gehalt der Vorstände deutscher börsennotierter Unternehmen gesunken. Im Jahr 2019 verminderte sich ihre durchschnittliche Gesamtdirektvergütung um 4,6 Prozent.

  • Vorstandsmitglieder deutscher börsennotierter Unternehmen verdienten im vergangenen Jahr 4,6 Prozent weniger als 2018
  • Frauen mussten ein Minus von 5,9 Prozent hinnehmen – bei Männern schrumpfte die Vergütung um drei Prozent
  • Frauen verdienten in allen DAX-Indizes mehr als ihre männlichen Kollegen
  • Rückgang der Vorstandsvergütung 2020 um 10 bis 15 Prozent erwartet

Im zweiten Jahr in Folge ist das Gehalt der Vorstände deutscher börsennotierter Unternehmen gesunken. Im Jahr 2019 verminderte sich ihre durchschnittliche Gesamtdirektvergütung um 4,6 Prozent. Im Durchschnitt haben sie 1,99 Millionen Euro verdient. „Die schwierige konjunkturelle Lage hat im vergangenen Jahr – also bereits vor der Corona-Pandemie – zu deutlichen Gehaltseinbußen bei den Top-Managern geführt“, beobachtet Dr. Jens Massmann, Partner und Spezialist für Vorstandsvergütung bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Im Jahr 2018 mussten die Vorstände bereits einen Rückgang um 0,5 Prozent hinnehmen. Für 2020 rechnet Massman Corona-bedingt mit einem weiteren Rückgang der Vergütungen.

Während sich die weiblichen Vorstände im Jahr 2018 noch gegen den Abwärtstrend stemmen konnten, sank 2019 auch ihre Vergütung – mit minus 5,9 Prozent sogar noch stärker als die der Männer (minus drei Prozent). Dennoch lag, wie bereits seit 2015, die Gesamtdirektvergütung der Frauen über alle DAX-Indizes oberhalb ihrer männlichen Kollegen in vergleichbaren Positionen – 2019 um durchschnittlich rund 400.000 Euro. Mit 2,14 Millionen Euro fiel die Vergütung der weiblichen Vorstände um 23,1 Prozent höher aus als die der Männer (1,74 Millionen Euro). Im Vorjahr lag der Vorsprung allerdings noch bei 26,7 Prozent. Getrieben wird das weiterhin deutliche Ergebnis von der prozentual geringeren Anzahl der Vorstandsfrauen in den niedriger vergütenden Indizes MDAX und SDAX. Während im DAX über zwölf Prozent aller Vorstandsmitglieder (inklusive CEOs) weiblich sind, liegt die relative Häufigkeit im MDAX mit sieben Prozent und SDAX (fünf Prozent) deutlich niedriger.

Diese Entwicklungen zeigt das Mixed Compensation Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Berücksichtigt wurden ausschließlich Vorstandsmitglieder, die das komplette Geschäftsjahr im Vorstand vertreten waren.

Bei dem Vergleich zwischen Frauen und Männern blieben aus Gründen der Vergleichbarkeit die CEOs außen vor, da es noch immer nur sehr wenige weibliche CEOs gibt und die Vorstandsvorsitzenden deutlich höhere Gehälter erzielen als andere Vorstandsmitglieder. So erhielt etwa im DAX 30, wo nach dem Ausscheiden von Jennifer Morgan als Co-CEO bei SAP derzeit wieder keine einzige Vorstandsitzende im Amt ist, ein CEO im Jahr 2019 eine durchschnittliche Gesamtdirektvergütung von 5,58 Millionen Euro. Der Durchschnitt aller Vorstandsmitglieder lag bei 3,37 Millionen Euro.

Trend bestätigt: Frauen liegen im DAX-30 vorn

Im DAX 30 lag – wie auch in den vergangenen vier Jahren – die Gesamtdirektvergütung der weiblichen Vorstandsmitglieder oberhalb ihrer männlichen Kollegen – durchschnittlich um 30.000 Euro. So verdiente ein weibliches DAX-30-Vorstandsmitglied im Mittel 2,93 Millionen Euro, bei den Männern waren es 2,9 Millionen Euro. Auch hier schrumpfte der Vorsprung deutlich: Im vergangenen Jahr lag der Unterschied noch bei 124.000 Euro. „Insgesamt jedoch ist zu resümieren, dass die Gleichberechtigung bei der Vergütung voranschreitet“, erklärt Vergütungsexperte Massmann. Als wichtigen Grund nennt er das steigende Bestreben der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Da Kandidatinnen knapp seien, erhöhe sich ihr Marktwert und damit auch ihr Salär.

Frauen verdienen in allen DAX-Indizes mehr

Den hohen Stellenwert eines steigenden Frauenanteils für die Unternehmen unterstreicht, dass weibliche Vorstandsmitglieder 2019 erstmals seit Untersuchungsbeginn im Jahr 2013 in allen DAX-Indizes besser bezahlt wurden als ihre männlichen Kollegen. Im MDAX lag ihr Gehalt mit 1,44 Millionen Euro durchschnittlich um etwa 115.000 Euro und damit 8,7 Prozent höher. Im Vergleich lässt sich bei den weiblichen Mitgliedern des Vorstands ein Gehaltsanstieg von rund 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr feststellen, während die Vergütung der männlichen Vorstandsmitglieder um rund elf Prozent gesunken ist. Im SDAX liegen erstmals seit Beginn der Untersuchung im Jahr 2013 die Frauen beträchtlich vorn. Ihre durchschnittliche Gesamtdirektvergütung fiel hier im Jahr 2019 mit 1,07 Millionen Euro etwa sieben Prozent höher aus als die durchschnittliche um die CEOs bereinigte Gesamtdirektvergütung männlicher Vorstände (998.000 Euro). Im Vergleich zum Vorjahr stieg sie um 35 Prozent.

Ausblick auf 2020: Rückläufige Gehaltsentwicklung aufgrund von Corona

Es ist davon auszugehen, dass die durchschnittliche Vergütung deutscher Vorstandsmitglieder im aktuellen Geschäftsjahr weiter sinken wird, vermutlich sogar deutlich stärker als in den Vorjahren, sagt Massmann: „Die schlechte gesamtwirtschaftliche Lage in Folge der Corona-Pandemie wird zwar wenig Einfluss auf die Grundvergütung und die langfristige Vergütung haben, sehr wohl aber auf die kurzfristigen Jahresboni der Vorstandsmitglieder.“ Sinkende Umsatzzahlen und zu erwartende Gewinneinbrüche werden sich seiner Einschätzung nach ebenso in geringeren kurzfristigen Vergütungszahlen widerspiegeln, wie die bereits von mehreren Unternehmen angekündigten Komplettverzichte auf diesjährige Bonuszahlungen.

Da die Unternehmen ihr Vergütungssystem auf langfristige Erfolge ausgerichtet haben, ist der erwartete Effekt auf die Vorstandsvergütung dennoch überschaubar. Massmann: „Wir erwarten insgesamt eine durchschnittlich um zehn bis 15 Prozent niedrigere Gesamtdirektvergütung der Vorstände deutscher Unternehmen für 2020.“

 

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