Pressemitteilung

14 Dezember 2021 Eschborn/Frankfurt (Main), DE

Ausnahmejahr für den weltweiten IPO-Markt: Stärkstes Wachstum in Europa

Frankfurt, 14. Dezember 2021. Der weltweite IPO-Markt bleibt auch im vierten Quartal im Wachstumsmodus: Insgesamt wagten zwischen Oktober und Dezem-ber weltweit 621 Unternehmen den Sprung aufs Parkett

Verwandte Themen Börsengang (IPO)
  • „  „Rekordjahr auf dem weltweiten IPO Markt: Zahl der Börsengänge steigt 2021 im Vergleich zu Vorjahr um 64 Prozent, Emissionsvolumen um 67 Prozent
  • „  Weltweit stärkstes Wachstum in Europa
  • „  Deutschland: Zahl der Börsenneulinge auf höchstem Stand seit 2007
  • „  Höchste SPAC-Aktivität - für den indirekten Weg an die Börse 

Der weltweite IPO-Markt bleibt auch im vierten Quartal im Wachstumsmodus: Insgesamt wagten zwischen Oktober und Dezember weltweit 621 Unternehmen den Sprung aufs Parkett – 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Emissionsvolumen stieg um 9 Prozent auf 112 Milliarden US-Dollar.

Damit setzt sich der Aufwärtstrend aus den Vorquartalen fort. Insgesamt wurden in diesem Jahr weltweit 2.388 Börsenneulinge gezählt – 64 Prozent mehr als 2020. Das weltweite Emissionsvolumen kletterte sogar um 67 Prozent auf 453 Milliarden US-Dollar.

Damit war 2021 sowohl in Bezug auf die Zahl der Börsengänge als auch beim Emissionsvolumen das stärkste IPO-Jahr weltweit seit dem Jahr 2000.

Das stärkste Wachstum wurde in Europa registriert: Im Vergleich zu 2020 hat sich die Zahl der Börsengänge an europäischen Börsen von 191 auf 485 mehr als verdoppelt (plus 154 Prozent), das Emissionsvolumen hat sich sogar fast verdreifacht: von 27,5 auf 81,1 Milliarden US-Dollar (plus 195 Prozent).

Die meisten Börsengänge wurden hingegen erneut in China (einschließlich Hongkong) registriert, dort entwickelte sich das IPO Geschehen aber in der zweiten Jahreshälfte schwächer als im Vorjahr: Im Reich der Mitte wagten in diesem Jahr 593 Unternehmen den Schritt an die Börse, das waren 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Emissionsvolumen stieg um 3 Prozent auf 122,8 Milliarden US-Dollar. Im vierten Quartal wurde in China hingegen ein Rückgang beim Emissionsvolumen um 31 Prozent und bei der Zahl der Börsengänge um 1 Prozent registriert.

Insgesamt sehr stark entwickelte sich der US-Markt – sowohl im Gesamtjahr 2021 als auch im vierten Quartal: Die Zahl der Börsengänge an US-Börsen stieg um 86 Prozent auf 416, das Emissionsvolumen wuchs um 81 Prozent auf 155,7 Milliarden US-Dollar.

Das sind Ergebnisse des aktuellen IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young).

„2021 war ein extrem starkes IPO-Jahr“, sagt Dr. Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY. „Zwar sorgte die Pandemie immer wieder für Turbulenzen und Unsicherheit. Dennoch war das Investorensentiment weltweit unterm Strich sehr positiv, die Volatilität hielt sich in Grenzen und neue Konjunktureinbrüche blieben aus. Vor allem aber erfreuen sich digitale Geschäftsmodelle weiterhin größter Beliebtheit bei Investoren. Und gleichzeitig ist enorm viel Geld im Markt, das nach vielversprechenden Anlagemöglichkeiten sucht. Alles in allem ist damit das Umfeld für Börsengänge derzeit ausgesprochen gut.“

Die Pandemie habe zumindest für den IPO-Markt deutlich an Schrecken verloren, beobachtet Steinbach: „Die Wirtschaft hat sich relativ schnell auf die neue Realität eingestellt. Und je mehr die Unternehmen lernen, mit der Pandemie umzugehen, desto geringer werden die mit Corona und etwaigen neuen Virusvarianten verbundenen Risiken von Investoren gewichtet.“

Tech Unternehmen bevorzugt

Vor allem Tech-Unternehmen zogen das Interesse der Investoren auf sich: Insgesamt wurden im Jahr 2021 611 IPOs in diesem Sektor mit einem Gesamtvolumen von 147 Milliarden US-Dollar gezählt. Damit entfiel jeder vierte Börsengang weltweit (26 Prozent) und sogar 33 Prozent des gesamten Emissionsvolumens auf Technologieunternehmen.

Laut Steinbach hat der Tech-Boom auch mit den wirtschaftlichen Veränderungen zu tun, die von der Pandemie verstärkt wurden: „Die digitale Transformation der Wirtschaft hat durch die Pandemie einen enormen Schub bekommen. Zudem ist die Bereitschaft stark gestiegen, etablierte Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen und auch radikale Maßnahmen einzuleiten, um die Zukunftsfähigkeit und Agilität von Unternehmen zu sichern. All das führt zu einem steten Zustrom von Börsenneulingen. Auch im kommenden Jahr wird es in großer Zahl stark wachsende Unternehmen aus dem Technologie- und Healthcare-Bereich an die Börse ziehen,“ erwartet Steinbach.

Weltweit höchste Aktivität an SPAC-Emissionen

Im laufenden Jahr wurden weltweit insgesamt 646 SPAC-Transaktionen gezählt, ein Wachstum von 136 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Mantelgesellschaften erzielten ein Emissionsvolumen von insgesamt 161 Milliarden US-Dollar (+97 Prozent).

Von den 646 SPAC-Transaktionen im laufenden Jahr entfielen 587 (91 Prozent) auf die USA und 20 SPAC Emissionen auf Asien, während in Europa 39 derartige Emissionen verzeichnet wurden. „SPACs sind vor allem ein US-Phänomen, aber wir beobachten auch in Europa ein großes Interesse“, sagt Steinbach. „Die Zahl der SPAC-Emissionen in Europa stieg immerhin von sechs im Gesamtjahr 2020 auf 39 im Jahr 2021.“ Er rechnet daher mit einer steigenden Zahl indirekter Börsengänge im kommenden Jahr: „Die Kassen der derzeit rund 660 aktiven SPACs sind mit gut 160 Milliarden US-Dollar prall gefüllt – das eröffnet interessierten Unternehmen über den Zusammenschluss mit einer Mantelgesellschaft einen vielversprechenden alternativen Weg aufs Parkett – ob in Europa oder den USA.“

Zahl der Börsenneulinge auf höchstem Stand seit 2007

Auch der deutsche Markt habe sich bemerkenswert gut entwickelt, so Steinbach. Mit insgesamt 30 Börsengängen von deutschen operativ tätigen Unternehmen und 4 SPAC-Emissionen ergebe sich in Deutschland eine sehr positive Bilanz – und bei der Zahl der Börsenneulinge der höchste Stand seit dem Jahr 2007.

22 Börsengänge fanden an deutschen Börsen statt, 8 Unternehmen zog es an ausländische Börsen. Über einen Zusammenschluss mit einer Mantelgesellschaft (SPAC) gingen 3 operativ tätige deutsche Unternehmen aufs Parkett und feierten ihr Börsendebüt, 27 Unternehmen wählten den klassischen Weg.

Die Börsengänge in Deutschland spülten insgesamt 9,3 Milliarden Euro in die Kassen der Unternehmen, die Börsengänge deutscher Unternehmen an ausländischen Börsen kamen auf ein Emissionsvolumen von insgesamt 1,8 Milliarden Euro. Die vier SPAC Emissionen am deutschen Markt brachten es insgesamt auf ein Volumen von 0,9 Milliarden Euro.

Die größte Transaktion in Deutschland war der Börsengang des Funkmastenbetreibers Vantage Towers, der im März 2,2 Milliarden Euro erlöste, gefolgt vom Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1, der bei seiner Erstnotiz im Februar 1,8 Milliarden Euro erzielte. Die drittgrößte Transaktion war der Börsengang des Softwareanbieters SUSE mit einem Volumen von knapp 1,1 Milliarden Euro.

Steinbach sagt: „2021 war auch am deutschen Primärmarkt sehr stark. Und das Interesse potenzieller Börsenkandidaten ist nach wie vor groß, so dass auch 2022 spannend werden dürfte.“ Auf Basis des positiven Momentums rechnet er mit 17 bis 23 Börsenneulingen in Deutschland – bei einer guten wirtschaftlichen Entwicklung und weiteren Zusammenschlüssen mit Mantelgesellschaften könnte das Niveau von 2021 wieder erreicht oder übertroffen werden.

Rivian ist der größte Börsengang des Jahres

Der mit Abstand größte Börsengang des Jahres fand an der NASDAQ statt: Der Elektroautohersteller Rivian erlöste im November 13,7 Milliarden US-Dollar.

Der Telekommunikationsanbieter China Telecom kam bei seinem Börsendebüt auf ein Emissionsvolumen von 7,4 Milliarden US-Dollar. An dritter Stelle rangiert die Erstnotiz der Kurzvideoplattform Kuaishou Technology mit einem Emissionsvolumen von 6,2 Milliarden US-Dollar. Dahinter folgt der südkoreanische Onlinehändler Coupang mit einem Emissionsvolumen von 4,6 Milliarden US-Dollar.

In Europa belegt der Börsengang der polnischen InPost mit 3,9 Milliarden US-Dollar den ersten Platz im Ranking der größten IPOs, gefolgt von Volvo Car (2,7 Milliarden US-Dollar) und Vantage Towers (2,6 Milliarden US-Dollar). 

 

 

- Ende -

EY im Überblick

EY ist eine der großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist EY deutscher Marktführer. EY beschäftigt rund 11.500 Mitarbeiter an 20 Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2019/2020 einen Gesamtumsatz von 2,2 Milliarden Euro. Gemeinsam mit den 300.000 Mitarbeitern der internationalen EY-Organisation betreut EY Mandanten überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Strategy and Transactions, Consulting und Immobilienberatung.