5 Minuten Lesezeit 7 Februar 2020
Man surfing on a big wave.

Wie sich Bezahldienstleister auf die dritte M&A-Welle vorbereiten können

Von

Kai-Christian Claus

Global Payments Leader, Geschäftsführer EY Innovalue | Deutschland, Schweiz, Österreich

Unterstützt als strategischer Berater die führenden Unternehmen in der globalen Payments-Industrie. Ist Enthusiast mit viel Leidenschaft und Energie.

Co-Autoren
5 Minuten Lesezeit 7 Februar 2020

Die Zeit drängt: Der europäische Payment-Markt ist auf Konsolidierungskurs. Dafür brauchen Unternehmen eine Strategie.

Der Markt der Bezahldienstleister ist in Aufruhr. Drei große M&A-Wellen schwappen heran und lassen keine Wahl: Wer sich weiterhin als erfolgreicher Finanzdienstleister positionieren möchte, muss spätestens jetzt eine Strategie vorbereiten. Unsere Datenanalyse zeigt Konsolidierungstrends auf – und gangbare Wege.

In unserem Artikel drei M&A-Wellen verändern das Segment der Bezahldienste beschreiben wir, wie die drei Konsolidierungswellen den europäischen Bezahldienstmarkt destillieren. Aus der ehemals zersplitterten Landschaft, vor allem im Segment der Händlerakquise, wird ein Markt mit wenigen internationalen Teilnehmern.

  • Erste Welle: Verkauf inländischer Assets aus dem Bezahldienstmarkt
  • Zweite Welle: Konsolidierung regionaler Assets durch Unternehmen mit Degressionswachstum und regionaler Expansion
  • Dritte Welle: weltweite M&A durch überregional starke Payment-Dienstleister

Je eher man die Charakteristiken und das Timing dieser drei Wellen versteht, desto besser können strategische Entscheidungen für Investitionen oder Desinvestitionen von Bezahldiensten getroffen werden. Auf Basis der EY Finanzdatenbank haben wir 56 Transaktionen mit europäischen Käufern oder Verkäufern im Bezahldienstsektor aus den Jahren 2010 bis 2018 analysiert. 

Was bedeuten die einzelnen Wellen für Unternehmen? 

Erste Welle: Verkauf inländischer Assets

Das Fazit gleich vorab: Diese Phase der Desinvestitionen ist praktisch vorbei. 22 Transaktionen zählen zur ersten Welle mit einem Höhepunkt im Jahr 2012. Die Mehrheit wurde vor 2017 abgeschlossen. Der aktuelle Rückgang dieser Art von Transaktionen signalisiert das bevorstehende Ende der ersten Welle.  

Die ersten beiden Wellen sind praktisch abgeschlossen, daher müssen Unternehmen jetzt handeln, um für die dritte Welle bereit zu sein. Wer sich jetzt keine zukunftsfähige Strategie zulegt, könnte Marktanteile verlieren – oder mit einer feindlichen Übernahme konfrontiert werden.

Die meisten Banken haben ihre Vermögenswerte aus dem Bezahldienstsektor bereits an Händler verkauft. Ein gutes Beispiel für ein solches Transaktions-Cluster ist der Verkauf von Euroline durch die SEB Kort Bank an Nordic Capital in 2014.

  • Beispiel für die erste Welle im Jahr 2014

    Für 210 Millionen Euro veräußerte die SEB Kort Bank Euroline an Nordic Capital. Haupttreiber für die Verkaufsentscheidung waren verstärkte regulatorische Anforderungen und technologische Entwicklungen – die SEB Kort Bank entschied, sich mehr auf ihre Kernaktivitäten zu fokussieren. Der neue Besitzer Nordic Capital hat Euroline als Basis für den Bezahldienst „Bambora“ genutzt, und in innovative Produkte und Dienstleistungen, digitale Prozesse und Größe investiert, um einen Marktführer im Bezahldienstmarkt zu schaffen.

Die zweite Welle: Konsolidierung regionaler Assets

Transaktionen, die regionale Marktführer aufbauen, begannen im Jahr 2014 und hatten 2017 ihren Höhepunkt. 31 von uns analysierte Transaktionen können zur zweiten Welle der Konsolidierung gezählt werden.

  • Beispiel für die zweite Welle in 2017

    Nur drei Jahre später verkauft Nordic Capital das Start-up Bambora (ehemals Euroline) für rund 1,5 Milliarden Euro an die Ingenico Group, die zu den größten Bezahldienstanbietern weltweit gehört. Der Deal ermöglicht Ingenico zum regionalen Marktführer in den nordischen Ländern aufzusteigen und sich online und vor Ort zu vergrößern und so für die dritte Welle der Konsolidierungen zu positionieren. Für Nordic Capital bedeutete der Verkauf den Abschluss einer erfolgreichen Wachstumsstrategie. Analysten zufolge wurde die Investitionssumme verfünffacht.

Im Laufe des Jahres 2018 beobachteten wir einen starken Rückgang dieser Transaktionen. Man kann davon ausgehen, dass auch die zweite Welle kurz vor ihrem Ende steht und wir uns im Übergang zur dritten Welle der Konsolidierungen befinden.

Dritte Welle: weltweite M&A global führender Payment-Dienstleister

Die dritte Konsolidierungswelle hat zwar in den vergangenen beiden Jahren an Tempo zugenommen, befindet sich allerdings immer noch im Anfangsstadium. Bis 2018 gab es nur drei Transaktionen, die wir der dritten Welle zuordnen. Ein Beispiel ist die Akquise der SIX Payments Services durch Worldline. 

  • Beispiel für die dritte Welle in 2018

    Worldline übernimmt von der SIX Group die Sparte SIX Payment Services für 2,44 Milliarden Euro. Die beiden Unternehmen ergänzen sich sowohl geografisch als auch im Produktportfolio ideal. Der Zusammenschluss hat das Unternehmen zum führenden Anbieter in Europa mit rund 10 Prozent Marktanteil bei Zahlungssystemen aufsteigen lassen.

Die Welle hat im Jahr 2019 stark zugelegt. Weitere Beispiele dafür sind größere Transaktionen, wie der Aufkauf von Worldpay durch FIS oder FirstData durch Fiserv, und Fusionen, wie der von Global Payments und Total System Services (TSYS).

Die Prognose ist klar: Unternehmen schließen sich zusammen, um globale Marktführer zu werden. Es ist daher höchste Zeit, sich für eine Zukunftsstrategie zu entscheiden.

Wie können Unternehmen auf den zunehmenden Konsolidierungsdruck reagieren?

Wir haben drei machbare und nachhaltige Strategien ausgemacht.

  1. Globale Plattformen

Indem Unternehmen globale Plattformen bilden, können sie Konsolidierungsprozesse lenken und leiten, und Größenvorteile für ein hohes Effizienzlevel nutzen. Durch nicht-organisches Wachstum zielen Marktteilnehmer darauf ab, alle Etappen des Bezahlvorgangs abzudecken. Damit die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse befriedigt werden können, bieten Unternehmen nicht mehr nur ihre klassischen Produkte an, sondern werden zu globalen Plattformen.

   2. Lokaler Fokus

Kleinere, regional fest etablierte Unternehmen sollten sich auf lokale Händler und ihre Langzeitkunden konzentrieren. Die Strategie ist, einen Markt mit hohen Eintrittsbarrieren zu schaffen oder zu finden. Regulatorische, technische oder kulturelle Hürden können zum Erfolgsrezept im Wettbewerb mit internationalen Konkurrenten werden.

   3. Spezialisierung

Die Strategie für Spezialanbieter ist, sich auf Bereiche zu konzentrieren, die besondere Kompetenzen erfordern. Mit dieser Strategie finden Unternehmen ihre Nischen sowie angrenzende Märkte, die eine nachhaltige Zukunftsplanung ermöglichen.

Fazit

Die Welt der Bezahldienstleister verändert sich rapide. Die ersten beiden Wellen sind praktisch abgeschlossen, daher müssen Unternehmen jetzt handeln, um für die dritte Welle bereit zu sein. Unternehmen, die sich jetzt keine zukunftsfähige Strategie zulegen, könnten Marktanteile verlieren — oder mit einer feindlichen Übernahme konfrontiert werden. Eine klare Strategie und eine fehlerfreie Umsetzung waren noch nie so wichtig wie heute.

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Kai-Christian Claus

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