3 Minuten Lesezeit 2 Februar 2021
Businessmann trägt VR Brille im Office

Warum eine nachhaltige Immobilienwirtschaft Digitalisierung voraussetzt

Autoren
Christian Schulz-Wulkow

Leiter Real Estate, Hospitality & Construction Sector | Deutschland, Schweiz, Österreich; Managing Partner Ernst & Young Real Estate GmbH

Immobilienprofi mit den Schwerpunkten M&A, Strategie und Digitalisierung. Neben dem Beruf ist er Kunstfreund, der sich mit Crossfit und Golf fit hält, im Privaten leitet ihn seine junge Tochter.

Alexander Hellmuth

Senior Manager, Real Estate, Strategy and Transactions | Deutschland

Arbeitet gemeinsam mit seinem Team an der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft. Dabei fokussiert er sich stark auf den Einsatz innovativer Technologien.

3 Minuten Lesezeit 2 Februar 2021

Um zielführende Klimaschutzmaßnahmen im Gebäudesektor zu identifizieren und umzusetzen, bedarf es einer soliden Datenbasis und -analyse.

Überblick
  • Der enorme ökologische Fußabdruck des Gebäudesektors zwingt die Immobilienbranche zum Handeln.
  • ESG-Ziele zu formulieren ist dabei nur der erste Schritt. Sie zu realisieren erfordert valide Daten – auch über Unternehmensgrenzen hinaus.
  • Data Analytics und Technologien wie Künstliche Intelligenz versetzen Unternehmen in die Lage, datenbasierte und zukunftsgerichtete Entscheidungen zu treffen.

Den Energiebedarf und CO2-Ausstoß von Immobilien zu reduzieren ist eine entscheidende Stellschraube im Kampf gegen die fortschreitende Erderwärmung und den damit einhergehenden Klimawandel. Immerhin rund 35 Prozent des Gesamtenergiebedarfs entfällt auf den Gebäudesektor, der gleichzeitig rund 30 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland verursacht. Das wurde auch von der Politik erkannt, die in Deutschland, aber auch in Europa die Klimaziele für den Gebäudesektor kontinuierlich verschärft und in den jeweiligen Gesetzgebungen verankert. Dadurch verlagert sich auch das Investoreninteresse zunehmend hin zu nachhaltigen Investments, was sich immer häufiger in ESG-getriebenen Anlagekriterien spiegelt. Das wiederum zwingt Immobilieneigentümer und Asset-Manager zum Handeln. Das Problem: Sie können derzeit kaum verlässliche Aussagen zum energetischen Status quo ihrer Immobilien oder Portfolios treffen und aus diesem Mangel heraus auch keine Maßnahmen zur Optimierung von Verbräuchen und Emissionen ableiten. Hier kommt Digitalisierung ins Spiel.

Keine Nachhaltigkeit ohne digitale Technologie

Gemeinsam mit dem ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss hat EY Real Estate bereits die fünfte Digitalisierungsstudie der Immobilienwirtschaft in Folge veröffentlicht. Sie zeigt, dass die Unternehmen nach Grundlagenarbeit in den vergangenen Jahren überwiegend im Arbeitsmodus angekommen sind, um die digitale Transformation zu meistern. Das ist nicht zuletzt an den gestiegenen Digitalisierungsbudgets abzulesen. Infolge der Corona-Pandemie erfährt Digitalisierung zudem verstärkte Aufmerksamkeit – sie war und ist Voraussetzung dafür, dass Unternehmen handlungsfähig bleiben. Mehr noch: Die Pandemie hat der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft Rückenwind gegeben.

Diesen Schwung gilt es nun mitzunehmen, um der Klimakrise zu begegnen. Fakt ist: Ohne digitale Technologien lässt sie sich nicht bewältigen. Folgerichtig schreiben die Studienteilnehmer der Digitalisierung eine herausgehobene Stellung bei den mit dem Begriff „ESG“ (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) umschriebenen Nachhaltigkeitsbestrebungen zu. Digitalisierung ist der Schlüssel für eine professionelle Umsetzung von ESG-Richtlinien, meinen 84 Prozent der Befragten. Um nur auf die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit einzugehen: Energieverbräuche zu analysieren, entsprechende Maßnahmen zur Reduktion einzuleiten und zu überwachen – das erfordert eine Vielzahl von Daten und deren Analyse. Die daraus erwachsende Komplexität ist so hoch, dass sie sich mit bisherigen Ansätzen nicht lösen lässt. Das gilt umso mehr, wenn man bedenkt, dass es nicht mehr genügen wird, unternehmenseigene Daten auszuwerten. Datenkollaboration wird erfolgsentscheidend sein, um Mehrwerte zu generieren – auch weit über Nachhaltigkeitsaspekte hinaus.

Data Analytics: Datenschätze heben

Insbesondere mit Blick auf ökologische, aber auch ökonomische und soziale Aspekte gilt: Ohne Digitalisierung wird die Immobilienbranche die Klimaziele nicht erreichen. Gleichzeitig etablieren sich die Potenziale digitaler Technologien und Anwendungen mehr und mehr als wertstiftendende Treiber und geben der Branche das notwendige Werkzeug an die Hand. Ein Beispiel ist Data Analytics, was enormes Potenzial bei der intelligenten Analyse und Nutzbarmachung von Daten entfalten kann. Dies bildet die Basis für zielführendes ESG-Management, wie 87 Prozent der Befragten angaben. Dass nur 38 Prozent der Studienteilnehmer derzeit Data Analytics aktiv nutzen und sein Einsatz damit weit hinter den Möglichkeiten – und Erfordernissen – zurückbleibt, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Data Analytics für die Hälfte noch eine Black Box darstellt.

Hier ist Aufklärung und Beratung erforderlich, denn die Immobilienbranche verfügt über einen enormen Datenschatz, der durch die Anwendung neuer Technologien, etwa im Bereich Sensorik, weiter wächst. Das beschränkt sich keineswegs auf Daten im Kontext der Nachhaltigkeit. Man denke etwa an Prozessoptimierungen und Effizienzsteigerungen auf Basis intelligenter Datenauswertungen. Dennoch verdienen Nachhaltigkeitsaspekte besondere Aufmerksamkeit, denn hier ist Eile geboten und das Potenzial von Data-Analytics-Verfahren besonders groß. Übergeordnetes Ziel muss es sein, basierend auf Daten und unter Einsatz von Algorithmen Immobilien und Unternehmen intelligenter managen zu können und so eine bessere und nachhaltigere Immobilienwirtschaft zu schaffen.

EYCarbon

Die Dekarbonisierung treibt die nächste große Transformation voran, die unsere Wirtschaft und Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit umgestaltet. Um die Herausforderungen der Dekarbonisierung zu meistern und die Chancen zu nutzen, haben wir EYCarbon gegründet.

Kontaktieren Sie uns

Fazit

Die Immobilienbranche steht vor enormen Herausforderungen. Der Klimawandel und seine Konsequenzen, allen voran Regulatorik und die veränderte Nachfrage seitens Investoren und Nutzern, erfordern schnelles und entschiedenes Handeln. Grundlage dafür bilden Digitalisierung und insbesondere Daten – letztere gilt es nutzbar zu machen und zu harmonisieren. Data-Analytics-Verfahren können hierbei enormes Potenzial entfalten und der Immobilienbranche zu datenbasierten Entscheidungsprozessen verhelfen.

Über diesen Artikel

Autoren
Christian Schulz-Wulkow

Leiter Real Estate, Hospitality & Construction Sector | Deutschland, Schweiz, Österreich; Managing Partner Ernst & Young Real Estate GmbH

Immobilienprofi mit den Schwerpunkten M&A, Strategie und Digitalisierung. Neben dem Beruf ist er Kunstfreund, der sich mit Crossfit und Golf fit hält, im Privaten leitet ihn seine junge Tochter.

Alexander Hellmuth

Senior Manager, Real Estate, Strategy and Transactions | Deutschland

Arbeitet gemeinsam mit seinem Team an der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft. Dabei fokussiert er sich stark auf den Einsatz innovativer Technologien.