3 Minuten Lesezeit 9 September 2021
Familie belädt Kofferraum eines Elektroautos

Welche steuerlichen Vorteile für Elektro- und Hybridfahrzeuge geboten werden

Von Tax & Law Magazine

Das Kundenmagazin von EY Deutschland zu aktuellen Steuer- und Rechtsthemen.

3 Minuten Lesezeit 9 September 2021

Der Fiskus bietet steuerliche Vorteile, um Hybrid- und Elektrofahrzeuge als Dienstwagen zu fördern. 

N

ach einem zähen Start schnellen die Verkaufszahlen für Elektro- und Hybridfahrzeuge in die Höhe. In diesem Jahr dürfte der Absatz in Deutschland die Marke von einer Million Autos deutlich überschreiten. Der Erfolg hängt mit den verschiedenen Fördermaßnahmen zusammen, mit denen die Bundesregierung endlich den Stromern zum Durchbruch verhelfen will. Als Hebel werden die Dienstwagen benutzt. Deren Förderung beginnt bereits beim Listenpreis. Bei der einkommensteuerrechtlichen Berechnung des geldwerten Vorteils für die Privatnutzung von Elektro- und Hybridfahrzeugen erfolgt eine drastische Minderung der Bemessungsgrundlage. Anstelle der 1-Prozent-Regel gilt bei reinen E-Autos eine 0,25-Prozent-Regel, d. h., die Dienstwagennutzer müssen nur ein Viertelprozent des Listenpreises monatlich versteuern – sofern der Bruttolistenpreis 60.000 Euro nicht übersteigt. Wer ein Hybridauto fährt, das höchstens 50 Gramm CO2 in die Luft pustet oder wenigstens 40 Kilometer mit einer Batteriefüllung schafft, kann sich immerhin noch über 0,5 Prozent freuen.

Private Ladekosten

Entstehen dem Arbeitnehmer durch die Nutzung eines Elektro- oder Hybrid-Firmenwagens Energiekosten und werden diese vom Arbeitgeber ersetzt, liegt grundsätzlich ein steuer- und sozialversicherungsfreier Auslagenersatz in Höhe der tatsächlich nachgewiesenen und erstatteten Kosten vor. Werden die Kosten nicht erstattet, gewährt die Finanzverwaltung für die nächsten Jahre bis Ende 2030 eine monatliche Pauschale, die den geldwerten Vorteil mindert. Diese beträgt 15 Euro, wenn es eine Lademöglichkeit beim Arbeitgeber gibt, sonst sogar 35 Euro.

Einstecken beim Arbeitgeber …

Auch das kostenlose oder verbilligte Aufladen der Batterien im Betrieb ist zunächst bis ins Jahr 2030 für den Arbeitnehmer grundsätzlich als steuerfrei und nicht sozialversicherungspflichtig zu behandeln. Erforderlich hierfür ist nur, dass diese Leistung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gewährt wird. Die Regelung gilt nicht nur für Dienstwagen, sondern auch wenn der Arbeitnehmer sein privates Fahrzeug innerhalb der betrieblichen Einrichtungen auflädt.

… oder daheim

Wird dem Mitarbeiter von seinem Arbeitgeber eine Ladevorrichtung (Wallbox) für die häusliche Nutzung in einem zeitlich begrenzten Rahmen überlassen, ist dieser Vorgang ebenfalls steuerfrei. Nur bei einer Übereignung an den Arbeitnehmer fallen 25 Prozent der Kosten als geldwerter Vorteil an. Die Aufwendungen umfassen dabei Aufbau, Installation und Inbetriebnahme der Ladevorrichtung, deren Wartung und Betrieb sowie notwendige Vorarbeiten (z. B. Verlegung von Starkstromleitungen). Die Frage, ob eine „schonende“ Unterbringung von Dienstwagen aller Antriebsarten in einer privaten Garage dazu führt, dass deren Abschreibung den geldwerten Vorteil mindert, wurde vom Finanzgericht Niedersachsen im letzten Jahr verneint. Es stellte darauf ab, dass es im konkreten Fall keine Verpflichtung des Arbeitnehmers gab, den Dienstwagen in seiner privaten Garage unterzustellen. Ob der Bundesfinanzhof im Rahmen der anhängigen Revision generelle Nachhaltigkeitsgedanken sowie die Aspekte der Wallbox berücksichtigt, bleibt abzuwarten (Az.: VIII R29/20).

Bestand von Elektroautos mit Batterie und Plug-in-Hybriden in Deutschland

 

 

Vorsicht, Umsatzsteuer!

Die Förderung von E- und Hybridfahrzeugen als Dienstwagen erstreckt sich jedoch nicht auf umsatzsteuerliche Fragestellungen. Die Überlassung eines Firmenwagens für Privatfahrten (einschließlich Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und Familienheimfahrten) an einen Arbeitnehmer gilt als umsatzsteuerlicher Sachbezug. Für die Ermittlung der umsatzsteuerlichen Bemessungsgrundlage ist auch bei alternativen Antrieben der volle Bruttolistenpreis maßgeblich.

Co-Autoren: Kevin Holtus, André Thoß

Elektro- und Hybrid-Dienstwagen: Schadstoffe und Steuern adé?

In dieser Folge des Tax & Law-Hörfunk geht es um Steuern bei Dienstwagen, die elektrisch oder hybridelektrisch betrieben werden.

Hören Sie rein!

Fazit

Mit Entwurf vom 17. Juni 2021 hat das BMF sein Anwendungsschreiben zur privaten Nutzung betrieblicher Elektro- und Hybridfahrzeuge überarbeitet und in die Verbändeanhörung gegeben. Hierin finden sich auch Beispielsfälle für Sonderkonstellationen und Berechnungen der Nutzungsentnahmen nach der Fahrtenbuchmethode.

Für private Ladekosten ergänzt der BMF-Entwurf die bestehenden Pauschalen um die Möglichkeit, einen Nachweis über die tatsächlichen Kosten durch einen separaten Stromzähler nachzuweisen. Hierfür genügt ein repräsentativer Zeitraum von 3 Monaten, wobei auch ein zu zahlender Grundpreis anteilig zu berücksichtigen ist.

Über diesen Artikel

Von Tax & Law Magazine

Das Kundenmagazin von EY Deutschland zu aktuellen Steuer- und Rechtsthemen.