4 Minuten Lesezeit 1 April 2021
Wasserstoff-Produktionsanlage der Linde AG, Leuna, Deutschland, Europa

Warum Wasserstoff als Energieträger neue Chancen für Unternehmen birgt

Von Tax & Law Magazine

Das Kundenmagazin von EY Deutschland zu aktuellen Steuer- und Rechtsthemen.

Co-Autoren
4 Minuten Lesezeit 1 April 2021

Um den hoffnungsvollen Energieträger voranzubringen, gibt es zahlreiche Förderinstrumente – und Gestaltungschancen für Unternehmen.

Überblick
  • Grüner Wasserstoff kann bei der Verwirklichung ambitionierter Klimaschutzziele eine wichtige Rolle einnehmen.
  • Mehrere Fördermaßnahmen entlang der gesamten Wasserstoffwertschöpfungskette sind bereits in Planung, angekündigt und in Teilen umgesetzt.
  • Unternehmen haben die Möglichkeit, in den politischen Austausch zu treten und Regulatorik und Förderpolitik mitzugestalten.

Deutschland und die EU haben sich ambitionierte Klimaschutzziele gesetzt. Bei der Senkung der Treibhausgasemissionen gerade im gewerblichen Bereich soll grüner Wasserstoff, der aus erneuerbaren Quellen gewonnen wird, eine zentrale Rolle spielen. Dazu hat die Bundesregierung Mitte 2020 eine Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Ins Auge gefasst werden in 37 konkreten Maßnahmen nicht nur die industrielle Nutzung, sondern auch die Erzeugung, der Transport sowie die Speicherung von Wasserstoff. Auch die EU bietet Unterstützung, um Wasserstoff in absehbarer Zeit wettbewerbsfähig zu machen und die Wasserstoffwirtschaft insgesamt zu etablieren. Für Unternehmen eröffnen sich nicht nur Finanzierungsquellen, sondern auch Chancen in den aktuellen politischen Austausch zu treten und im Diskurs die Regulatorik und die Wasserstoffwertschöpfungskette mitzugestalten.

Farbenlehre Wasserstoff

  • Grüner Wasserstoff

    Herstellung durch Elektrolyse von Wasser und ausschließliche Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energien (CO2-frei).

     

  • Türkiser Wasserstoff

    Wird durch thermische Spaltung von Methan hergestellt, anstelle von CO2 entsteht fester Kohlenstoff.

     

  • Blauer Wasserstoff

    Blauer Wasserstoff ist CO2-neutral, da das bei der Produktion anfallende CO2 nicht in die Atmosphäre gelangt, jedoch gespeichert werden müsste.

     

  • Grauer Wasserstoff

    Aus fossilen Brennstoffen gewonnen, jedoch fallen bei der Produktion von etwa einer Tonne Wasserstoff rund 10 Tonnen CO2 an.

     

Aktive Förderpolitik entlang der Wertschöpfungskette

Für die Etablierung der Wasserstoffwirtschaft spielt neben notwendigen regulatorischen Anpassungen insbesondere eine aktive Förderpolitik eine zentrale Rolle. Aus diesem Grund hat z. B. die Bundesregierung Fördermaßnahmen entlang der gesamten Wasserstoffwertschöpfungskette in Planung, angekündigt und in Teilen bereits umgesetzt.

Dabei sind insbesondere die folgenden Beschlüsse zu nennen:

  • Vorgesehen sind der Aufbau von Wasserstoffproduktionsanlagen und der erforderlichen Offshore- und Onshore-Energiegewinnung, ein Pilotprogramm zur Unterstützung des Betriebs von Elektrolyseanlagen auf der Basis des „Carbon Contracts for Difference“-Ansatzes, die Befreiung von der EEG-Umlage und außenwirtschaftliche Partnerschaften im Rahmen des 2020 angekündigten Zukunftspaktes (Finanzvolumen: 9 Milliarden Euro).
  • Auch das Strukturstärkungsgesetz zur Transformation der Kohleregionen (Finanzvolumen 40 Milliarde Euro) sieht die Förderung von Wasserstofftechnologien vor: in der Stahl- und Chemieindustrie, im Wärme- und auch im Verkehrsbereich.
  •  Zudem hält das Bundesumweltministerium ein ca. 1,5 Milliarden Euro starkes Förderprogramm zur Dekarbonisierung der Industrie bereit, das vom neu gegründeten „Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI)“ betreut wird.
  • Auch das Bundeswirtschaftsministerium hat mit der „Technologieoffensive Wasserstoff“ und mit „CO2-Abscheidung und Nutzung in der Grundstoffindustrie“ zwei Förderaufrufe geschaffen, für die man sich derzeit bewerben kann. Im Rahmen der „Reallabore der Energiewende“ sind darüber hinaus bereits zahlreiche Wasserstoffprojekte in der Umsetzung.
  • Im Rahmen des vom Bundesforschungsministeriums organisierten Ideenwettbewerbs „Wasserstoffrepublik Deutschland“ wurden jüngst Fördermittel in Höhe von 700 Mio. Euro für Leitprojekte zur Elektrolyse im Industriemaßstab, Transportlösungen und die Systemintegration von Wasserstofftechnologien angekündigt.

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Wasserstoff-IPCEI für europäische Leuchttürme

Eine zentrale Rolle der bundesdeutschen Förderpolitik kommt insbesondere dem Wasserstoff-IPCEI („Important Project of Common European Interest“) zu. Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am 17. Dezember 2020 zusammen mit der EU-Kommission den Prozess zur Formierung eines transeuropäischen Wasserstoff-IPCEI gestartet. 22 EU-Mitgliedstaaten plus Norwegen machen sich hier die Entwicklung und die Etablierung einer europäischen Wasserstoff-Wertschöpfungskette zur Aufgabe. Kerngedanke ist es, die Finanzierungslücke bei der Etablierung der Wasserstoffwirtschaft durch öffentliche Förderung zu schließen und Projekte im europäischen Kontext und über Landesgrenzen hinweg erfolgreich zu gestalten, auch wenn es sich letztendlich um nationale Fördergelder handelt. Mit der operativen Umsetzung auf nationaler Ebene ist das Bundeswirtschaftsministerium betraut, das für Projekte im Bereich der Mobilität mit dem Bundesverkehrsministerium kooperiert.

Auch die EU fördert Wasserstoff

Seitens der EU werden ebenfalls unternehmerische Anstrengungen zur europaweiten Etablierung von Wasserstofftechnologien finanziell unterstützt. So sind im kommenden Rahmenprogramm „Horizon Europe“ insgesamt rund 95 Milliarden Euro für Forschung, Entwicklung und Innovationsprojekte vorgesehen, die natürlich nicht allein für Dekarbonisierung reserviert sind. Bereits im auslaufenden „Horizon 2020“-Programm werden im Rahmen des Green Deals unterschiedliche Wasserstoffprojekte gefördert. Zusätzlich bieten der Innovation Funds und auch das LIFE-Programm (L’Instrument Financier pour l’Environnement) Chancen der Förderung von Wasserstoffprojekten. 

Fazit

Hohe Dynamik in der Förderpolitik: Die Bundesregierung und die EU arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung einer zielgerichteten Förderstrategie für Wasserstoff. Die beschriebenen Förderprogramme sind wichtige Schritte, jedoch werden und sind weiter Maßnahmen zu erarbeiten (beispielsweise die Förderung über Carbon Contracts for Difference). In diesem Zusammenhang ist die Politik auch auf die Beteiligung der Wirtschaft angewiesen, was Unternehmen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette die Möglichkeit bietet, in den politischen Austausch zu treten und im Diskurs die Regulatorik und die Förderpolitik mitzugestalten.

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