2 Minuten Lesezeit 5 Februar 2020
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OECD is watching you: Wie Firmendaten unter die Lupe genommen werden

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erfasst Zahlen und Fakten über multinationale Unternehmen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nimmt 100 multinationale Unternehmen genau unter die Lupe, um zu verstehen, wo sich Unternehmen und ihre Wertschöpfungsketten auf der Welt befinden, wie sie arbeiten und wo sie Steuern zahlen.

Dazu hat die in Paris ansässige Organisation ihre Datenanalysten, Statistiker, Informatiker und Programmierer in einer Projektgruppe zusammengebracht und 2018 eine Datenbank installiert. Diese trägt das Kürzel ADIMA (Analytical Database on Individual Multinationals and Affiliates) und nutzt eine Reihe offener Big-Data-Quellen wie Jahresabschlussberichte, Nachrichtenagenturen, Internetseiten und Wikidata.

Bisher nur wenige Statistiken

Begründet wird das Vorgehen damit, dass bisher nur wenige amtliche Statistiken zu einzelnen multinationalen Unternehmen vorlägen und deren Verhalten eine zunehmend wichtige Bedeutung für einzelne Länder habe. Die OECD will die Datenbank kräftig ausbauen und im Laufe dieses Jahres auf 500 Unternehmen erweitern. Allerdings fehlen dort bisher chinesische Unternehmen.

Umsätze der ADIMA-100

20%

des globalen BIP bzw. zehn Billionen US-Dollar: Umsätze in dieser Höhe erzielten die ersten 100 multinationalen Unternehmen im Jahr 2016.

Laut ADIMA kamen die ersten 100 multinationalen Unternehmen 2016 auf einen Umsatz von fast zehn Billionen US-Dollar – das entspricht nahezu einem Fünftel des globalen BIP. Sie erzielten Gewinne in Höhe von 730 Milliarden US-Dollar und zahlten Steuern in Höhe von 185 Milliarden US-Dollar.

ADIMA

Der durchschnittliche effektive Steuersatz (ETR) der ADIMA-100 lag bei etwa 25 Prozent. Das widerlegt die allgemein formulierte These von Kritikern, dass gerade große Konzerne ihre Steuerlasten drastisch drücken und damit den Staaten schaden würden. Allerdings zeigen sich beachtliche Unterschiede je nach Branche. Hersteller von Computern, Elektronik und Pharmazeutika, die über erhebliche immaterielle Vermögenswerte verfügen, kommen auf deutlich niedrigere ETRs als Einzelhandels- und Telekommunikationskonzerne.

Aufteilung der effektiven Steuersätze der untersuchten Unternehmen gemäß ADIMA-100

Die OECD versucht auch zu ergründen, wie multinationale Unternehmen ihre physischen Operationen in verschiedenen Ländern strukturieren. Hier geht ADIMA über die in Unternehmensberichten üblichen Informationen hinaus und wertet weitere Informationen aus. Aus den Jahresberichten der Unternehmen geht beispielsweise hervor, dass 74 der ADIMA-100-Unternehmen im Vereinigten Königreich physisch präsent sind.

Weitere elf multinationale Unternehmen wurden mithilfe ergänzender Quellen identifiziert (z. B. Legal Entity Identifier, Website-Hyperlink-Diagramme, Serversicherheitszertifikate und Wikidata). Die Zahl der im Vereinigten Königreich tätigen multinationalen ADIMA-100-Unternehmen steigt so auf 85. 

Anzahl der ADIMA-100 nach Fundstelle

Es bleibt abzuwarten, was die Finanzverwaltungen aus diesen Daten machen werden. Mit Blick auf die Digital Services Tax geben die Daten beispielsweise bereits Hinweise darauf, in welchem Land ein Unternehmen welchen Umsatz getätigt hat.

Fazit

Um zu beleuchten, wo sich Unternehmen und ihre Wertschöpfungsketten auf der Welt befinden, wie sie arbeiten und wo sie Steuern zahlen, hat die OECD eine Datenbank ins Leben gerufen. Für die Analytical Database on Individual Multinationals and Affiliates (ADIMA) wurden bislang Daten über 100 multinationale Unternehmen erhoben. Der durchschnittliche effektive Steuersatz (ETR) der ADIMA-100 lag bei etwa 25 Prozent, es gibt jedoch beachtliche Unterschiede je nach Branche. Im Laufe dieses Jahres soll die Datenbank ausgebaut und auf 500 Unternehmen erweitert werden.

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Von Tax & Law Magazine

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