3 Minuten Lesezeit 30 Juni 2020
Homeoffice

Wann die Kosten für Homeoffice steuerlich absetzbar sind

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Tax & Law Magazine

Das Kundenmagazin von EY Deutschland zu aktuellen Steuer- und Rechtsthemen.

3 Minuten Lesezeit 30 Juni 2020

Viele Büros daheim genügen den Ansprüchen des Finanzamtes nicht. Die meisten Menschen werden nur einen Bruchteil steuerlich absetzen können.

Plötzlich arbeiten Millionen Beschäftigte von zu Hause aus. Doch nur wenige haben ein eigenes häusliches Arbeitszimmer. Als solches gilt im steuerlichen Sinne, wenn es durch das äußere Bild (Büromöbel) erkennbar ist, von anderen Räumen abgetrennt ist und (nahezu) ausschließlich zur Erzielung von Einkünften genutzt wird. Damit schauen Millionen „Homeofficers“ steuerlich in die Röhre; sie können die Kosten für ihre Arbeitsfläche (etwa anteilige Miete, Wasser- und Energiekosten, Grundsteuer sowie die Absetzung für Abnutzung – AfA) nicht absetzen.

Dass das nicht auf Verständnis bei den Bürgern trifft, sieht auch die Politik. So kam bereits Mitte April aus den Reihen der politischen Opposition der erste Vorschlag einer zusätzlichen Werbungskostenpauschale für Arbeitnehmer, die kein häusliches Arbeitszimmer geltend machen können. Mittlerweile haben sich auch einzelne Stimmen aus den Reihen der Koalition für eine Homeoffice-Kostenpauschale ausgesprochen. Beide Seiten scheinen sich einig zu sein, dass in den allermeisten Fällen ein Abzug versagt wird und die Steuerpflichtigen auf ihren Kosten sitzen bleiben.

Nutzung des Arbeitszimmer: Unbegrenzt oder begrenzt?

Wer ein Arbeitszimmer sein Eigen nennt, muss dieses, um es absetzen zu können, noch vom Finanzamt anerkennen lassen. Handelt es sich bei dem Zimmer um den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit, lassen sich sämtliche damit verbundenen Kosten geltend machen. Hat der Arbeitgeber Homeoffice angeordnet und darf der Steuerpflichtige nicht im Betrieb arbeiten, sollte er sich dies vom Arbeitgeber schriftlich bestätigen lassen und den heimischen Arbeitsplatz zwecks Nachweises beim Finanzamt für die anstehende Steuererklärung 2020 fotografieren.

Befindet sich der berufliche Mittelpunkt zwar woanders, ist aber ein Arbeitszimmer daheim für die Berufsausübung notwendig, ist die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 Euro begrenzt. Dabei handelt es sich nicht um einen Freibetrag, sondern um einen personenbezogenen Höchstbetrag. So können die Kosten jedem Ehepartner grundsätzlich zur Hälfte zuzuordnen sein, wenn die Eheleute das häusliche Arbeitszimmer gemeinsam nutzen, beide die Kosten hierfür tragen und die Voraussetzungen für das häusliche Arbeitszimmer jeweils in der eigenen Person erfüllen.

Wann ist ein Arbeitszimmer (k)ein Arbeitszimmer?

Bei einer privaten Nutzung darf ein Arbeitszimmer nicht steuerlich geltend gemacht werden. Eine untergeordnete private Mitbenutzung von weniger als zehn Prozent ist indes unschädlich. Nach der Rechtsprechung liegt bei folgenden Gestaltungen kein häusliches Arbeitszimmer vor:

  • Arbeitsecke
  • Wohnzimmer
  • Bürozimmer beispielsweise mit Bügelbrett, Fahrrad oder leerem Spiegelschrank
  • Durchgangszimmer
  • Keller-/Dachgeschoss
  • durch Raumteiler oder Sideboard getrennter Arbeitsbereich
  • Empore oder offene Galerie

Alternativer Abzug

Bei einer sogenannten schädlichen privaten Nutzung greift beim Erwerbstätigen zwar das Abzugsverbot in der Steuererklärung, jedoch nur für das häusliche Arbeitszimmer. Das spezielle Abzugsverbot im Rahmen des häuslichen Arbeitszimmers verdrängt nämlich nicht den allgemeinen Werbungskostenabzug. Vielmehr können Aufwendungen für Räume innerhalb eines privaten Wohnbereichs, die nicht die hohen Anforderungen des häuslichen Arbeitszimmers erfüllen, unbeschränkt als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden, vorausgesetzt sie sind so gut wie ausschließlich betrieblich oder beruflich veranlasst.

Kosten für Arbeitsmittel

800 €

netto können als Werbungskosten in der Steuererklärung sofort abgezogen werden. Dazu zählen zum Beispiel Ausgaben für Schreibtisch, Laptop oder Fachbücher.

So können Kosten für Arbeitsmittel wie etwa Schreibtisch, Laptop, Bürostuhl, Fachbücher oder Bücherregal als geringwertige Wirtschaftsgüter bis zu einem Betrag von 800 Euro netto (952 Euro brutto) als Werbungskosten in der Steuererklärung sofort abgezogen werden. Bei höheren Anschaffungskosten müssen die Kosten über die Dauer der Nutzung verteilt werden. Die amtliche Nutzungsdauer für Büromöbel beispielsweise liegt bei 13 Jahren. Ob in der Corona-Situation mit viel Homeoffice-Tätigkeiten auch die Miete von gemischt genutzten Zimmern anteilig absetzbar ist, müsste die Finanzverwaltung letztlich klären.

Autoren: Sophia Schuhmann, Anna Peterich

Fazit

Die Corona-Krise katapultierte im März 2020 viele Mitarbeiter ins Homeoffice – und das von einem Tag auf den anderen. Ein richtiges eigenes Büro haben viele zu Hause nicht. Doch Wohnzimmer, Arbeitsecke oder Küchentisch können in der Steuererklärung bislang nicht geltend gemacht werden. Jetzt mehren sich auch in der Politik Stimmen, dies zu ändern.

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