Steuerkontroversen sind ein globales Thema – ist Ihr Unternehmen gut vorbereitet?

Von

Rob Hanson

EY Global Tax Controversy Leader

Frequent lecturer on legislative and regulatory tax policy issues.

5 Minuten Lesezeit 16 Mai 2018

Globale Vernetzung bedeutet, dass die Unternehmen von heute stärker von Steuerkontroversen betroffen sind als früher. Wie können Sie dieses Risiko managen?

Die Regierungen weltweit können heute in rasanter Geschwindigkeit Steuerdaten sammeln und untereinander austauschen. Gleichzeitig können Änderungen an der Steuerpolitik und der Gesetzeslage in einem Rechtsraum – zum Beispiel eine Steuerreform in den USA – weltweit Auswirkungen haben, da jedes Land wettbewerbsfähig bleiben und seine Steuerbasis schützen will. Die Steuerfunktionen sind immer stärker miteinander vernetzt, und Unternehmen müssen jetzt aktiv werden, damit ihre Mitarbeiter, ihre Vorschriften und etablierte Systeme mit den Entwicklungen Schritt halten können.

95 Prozent aller Unternehmen erwarten, dass ihr Steuerrisikoprofil zunimmt

Die Steuerkontroverse: ein typisches Bild

Wie erleben Unternehmen diese Vernetzung? Betrachten wir das folgende Szenario, das heutzutage keine Seltenheit mehr darstellt. Ein multinationaler Konzern ist rund um den Globus in zahlreiche Steuerstreitigkeiten verwickelt:

  • Ein Steuerstreit wegen Verrechnungspreisen mit dem Bundeszentralamt für Steuern
  • Die zuständigen Behörden in Argentinien wollen dem Unternehmen eventuell die Betriebserlaubnis entziehen
  • In Südostasien wird eine reputationsschädigende Medienkampagne gegen das Unternehmen vorbereitet
  • Etliche Streitigkeiten sind in verschiedenen Rechtsordnungen, in denen das Unternehmen operiert, anhängig

Außerdem plant die Firma eine Umstrukturierung in Russland, mit der weitere Steuerrisiken verbunden sind. Bis zum Ende des Jahres ist das Unternehmen in Kontroversen mit Dutzenden von Steuerbehörden verwickelt – und alle Augen sind auf den Vice President of Tax gerichtet, der eine Strategie dafür liefern soll, wie die bestehenden Streitigkeiten beigelegt werden können und das Risiko künftiger Steuerkontroversen gemindert werden kann.

Dieses Unternehmen erfährt am eigenen Leib, um wie viel schneller Steuerdaten heutzutage erhoben und ausgetauscht werden, wodurch Steuerkontroversen gehäuft auftreten. Die Regierungen erzielen mehr Steuereinnahmen von Unternehmen und nutzen eine Kombination aus multilateralen Transparenz-Reformen, Digitalisierung, der Erhebung großer Datenmengen und besseren Analyseverfahren, um Fälle von Steuerverstößen effektiver aufzudecken und zu ahnden.

Es gibt branchenübergreifende Sorgen wegen inkonsistenter Steuerpositionen

Stärkere Vernetzung

Durch intensiven Informationsaustausch und Vernetzung werden kooperierende Steuerverwaltungen über Grenzen hinweg schnell darüber informiert, wenn ein Unternehmen mit den Steuervorschriften in einem Land in Konflikt geraten ist. Sie können bei Bedarf entsprechende Maßnahmen ergreifen. Die Zusammenarbeit wird durch die Digitalisierung und große Datenmengen unterstützt, die aus den Country-by-Country-Reports (CbCR) und der Stammdatei hervorgehen, die große Unternehmen allen zuständigen Steuerbehörden vorlegen müssen.

Bessere Tools ermöglichen es den Steuerverwaltungen von heute, sich ein umfassendes, globales Bild von den Aktivitäten, den Mitarbeitern, den Umsätzen, den immateriellen Wirtschaftsgütern und den Steuertransaktionen eines Unternehmens zu machen. Sie sind außerdem Ausdruck des „langsamen Sterbens“ des jährlichen Zyklus, der einmal die Steuerfunktion bestimmte. Auch wenn immer noch jedes Jahr eine Steuererklärung abgegeben wird, die nur von einer Steuerbehörde eingesehen und geprüft wird, ist inzwischen in mehreren Rechtsordnungen im Gespräch, diese Steuerdaten öffentlich verfügbar zu machen. Die traditionelle Steuerklärung könnte also in nicht allzu ferner Zukunft der Echtzeit-Berichterstattung weichen.

So erlangen „einfache“ Steuerkontroversen in Form eines zweiseitigen Disputs in bestimmten Ländern schnell eine multidimensionale und multinationale Dynamik. Dazu bemerkt Alex Postma, EY Global International Tax Services Leader: „In einer Welt des wachsenden Informationsaustausches zwischen den Steuerverwaltungen, der aggressiven Durchsetzung von Steuergesetzen und den damit verbundenen Reputationsrisiken ist es von entscheidender Bedeutung, dass ein Unternehmen einen globalen Überblick über alle Rechtsräume behält, in denen es tätig ist.“

Zollgrenze

Ein Unternehmen in einem solchen Umfeld braucht also einen holistischen und durchgehenden Ansatz gegenüber Steuerkontroversen, der Aufschluss darüber gibt, was auf dem Spiel steht, und wie sich das künftige Konfliktpotenzial darstellt. Gebraucht wird eine zentralisierte Strategie für das Management von Steuerkontroversen, die auch eine global einheitliche Anwendung von Richtlinien beinhaltet. Bei Rechtsstreitigkeiten müssen Ressourcen bereitstehen, die als „Brücke“ zwischen den Steuerbehörden und dem Unternehmen dienen, Orientierung im Steuerdschungel bieten und mit deren Hilfe sich Probleme schnell und effizient klären lassen.

Auch wenn Führungskräfte immer häufiger angeben, dass diese Problematik bekannt sei, sprechen die Zahlen eine andere Sprache. So gaben im globalen 2017 Tax Risk and Controversy Survey von EY, an dem leitende Mitarbeiter von Steuer- und Finanzabteilungen in 69 Rechtsordnungen und etwa 17 Branchen teilnahmen, 46 Prozent der Befragten an, keinen Einblick in aktuelle Steuerstreitigkeiten ihres Unternehmens zu haben.[1]

Das Management von Steuerkontroversen wird angesichts zunehmender Transparenz und von Vollzugsveränderungen immer wichtiger.

*Rundungsdifferenzen können zu Abweichungen in der Summe führen.

Nicht nur Steuerabteilungen benötigen eine umfassendere Perspektive. „Das Steuerrisiko ist auch für die Geschäftsführung und die Vorstände zu einem Schlüsselthema geworden. Das Interesse daran, Streitigkeiten zu vermeiden und zu begrenzen sowie Probleme schnell zu lösen ist größer denn je“, meint EY Global Tax Controversy Leader Rob Hanson.

Risiken managen: Welche Schritte Sie jetzt ergreifen sollten

  1. Einen globalen Ansatz für Steuerkontroversen verfolgen (Top-down und End-to-End), einschließlich geeigneter Richtlinien und Verfahren, mit denen Sie immer den Überblick behalten und Potenziale für mögliche globale Steuerkontroversen frühzeitig erkennen können.
  2. Herausfinden, ob Sie über die richtigen Mitarbeiter mit den richtigen Fähigkeiten in den richtigen Rechtsordnungen für die Prävention, das Management und die Klärung von Steuerkontroversen verfügen. Die betreffenden Personen sollten auch über genaue Kenntnisse darüber verfügen, wie der Umgang mit einem Steuerproblem in der einen Rechtsordnung ein weiteres Problem in einem anderen Rechtsraum auslösen kann.
  3. Evaluieren Sie, ob die existierenden Systeme ein vollständiges Bild aller Steuerkontroversen in sämtlichen Rechtsordnungen liefern, in denen Sie tätig sind.
  4. Integrieren Sie die Steuerplanung in die Geschäftsplanung, um ein aktives Management von Steuerkontroversen zu ermöglichen, das alle Steueraspekte eines Unternehmens berücksichtigt.
  5. Bleiben Sie immer auf dem Laufenden über die globalen gesetzlichen, regulatorischen und steuerrechtlichen Entwicklungen.

Je weiter wir uns von einer Welt der separaten Beziehungen zu einer vernetzten Welt bewegen, in der Daten gemeinsam genutzt und Informationen von Behörden in Echtzeit ausgetauscht werden, desto mehr werden solche Unternehmen Erfolg haben, die agil und offen für neue Denkansätze im Bereich Steuern, Steuerdaten und Tax Controversy Management sind. Da eine immer stärkere Vernetzung des steuerlichen Umfelds unausweichlich ist, haben die Unternehmen keine Wahl. Verlieren Sie also keine Zeit und handeln Sie jetzt.

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EY unterstützt Unternehmen dabei, in einem vernetzten globalen steuerlichen Umfeld auf Kurs zu bleiben. Das EY Global Tax Controversy Network umfasst 85 Länder und besteht aus über 1.300 Spezialisten für Steuern und Verrechnungspreisdokumentation, darunter viele ehemalige Regierungsangestellte. Mit unserem umfangreichen Know-how schaffen wir den Brückenschlag zwischen dem Terrain, auf dem sich die Steuerverwaltungen von heute bewegen, und dem Umgang mit Steuerkontroversen in der Vergangenheit. Mehr erfahren Sie hier.

Fazit

In einer vernetzten globalen Steuerumgebung haben die Unternehmen Erfolg, die agil und offen für neue Denkansätze in den Bereichen Steuern und Steuerdaten und dem Umgang mit Steuerkontroversen sind.

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Rob Hanson

EY Global Tax Controversy Leader

Frequent lecturer on legislative and regulatory tax policy issues.