Venture Capital Magazine, March 2017

Folgen vom Brexit für den Standort Luxemburg

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Nach dem Votum der Wähler des Vereinigten Königreiches vom 23. Juni 2016 soll der eigentliche Austrittsvorgang von der britischen Regierung bis Ende des ersten Quartals 2017 in Gang gesetzt werden, so dass nach der vertraglich vorgesehenen zweijährigen Verhandlungsperiode mit dem Austritt für März 2019 zu rechnen ist. Im Januar 2017 legte die Premierministerin einen Zwölf-Punkte-Plan vor, der einen „harten Brexit“ vorsieht, keine EU-Teilmitgliedschaft oder assoziierte Mitgliedschaft. Großbritannien soll aus dem europäischen Binnenmarkt, der Zollunion und dem Europäischen Gerichtshof ausscheiden; stattdessen strebt die britische Regierung offenbar ein Freihandelsabkommen mit der EU an.

 

Folgen eines Brexit – Passporting

Die Londoner City ist ein führender Finanzmarktplatz. Wie keine andere Branche hängen die Banken vom Wohl ab, Zugang zum Binnenmarkt zu haben, da ein Großteil der Finanzgeschäfte des europäischen Kontinents auf der Insel abgewickelt wird. Viele Großbanken, Versicherungen, Fonds und Investmentgesellschaften nutzen London als ihren europäischen Brückenkopf. Dieses wird durch das EU-weite rechtlich vereinbarte „Passporting“ von Finanzprodukten ermöglicht. ein von der zuständigen Behörde des Herkunftsmitgliedsstaats gebilligter Wertpapierprospekt kann in allen EU/EWR-Staaten ohne zusätzliches Billigungsverfahren oder aufwendigem Zustimmungsverfahren genutzt werden. Dies gilt ebenso für das Fundraising von Private Equity Fondsmanagern, für welche der Zugang zu europäischen Investoren versperrt wäre.

Die weitere Ausgestaltung des Verhältnisses zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ist offen und muss erst noch verhandelt werden; Großbritannien würde nach dem EU-Austritt als Drittstaat gelten. Die Zulassung obliegt dann jeweils den nationalen Aufsichtsbehörden. Die konkrete Frage für Fondsmanager, die Ihr Geschäft vom Vereinigten Königreich aus betreiben, lautet, wie in der Zukunft die Investorenansprache im europäischen Binnenmarkt erfolgen soll.

 

Vorteil Luxemburg

Investmentgesellschaften, welche ihren Sitz in Großbritannien haben und von dort ihre Investorenansprache organisieren, müssten, um ihre Fonds weiterhin in der EU verkaufen zu können, ihren eigenen AIF-Manager in der EU gründen oder eine Vertriebszulassung eines „3rd Party AIFM’s“ erwerben, um Zugang zum EU-Markt zu haben. Luxemburg ist als spezialisierter Fondsstandort mit über 200 AIFM‘s bestens aufgestellt. Es gibt eine Reihe professioneller Anbieter am Markt, welche die notwendigen Kernfunktionen des AIFM als auch ergänzende Dienstleistungen erbringen, und so der Private Equity Gesellschaft eine Fokussierung auf das Kerngeschäft ermöglichen. Die Frage ob eigener AIFM oder Nutzung eines 3rd Party AIFM’s ist sowohl eine Time-to-Market Frage als auch eine Kostenfrage; die letztere hängt auch mit dem Zielvolumen an Assets under Management der Fonds zusammen.

Bereits sein Jahrzehnten positioniert sich Luxemburg als EU-Standort für Investmentfonds, und hat sich zu einem Finanzcluster inklusive europäischer Institutionen, (alternativer) Fonds- und Investmentmanager, spezialisierter Finanzdienstleister und einer proaktiven Finanzaufsichtsbehörde entwickelt. Nach Angaben des Luxemburger Branchenverbandes ALFI beläuft sich das in Luxemburger Investmentfonds verwaltete Nettovermögen auf rund 3,622 Milliarden Euro - Luxemburger Fonds werden zudem in über 70 Ländern vertrieben.

Als Erfolgsfaktoren des Luxemburger Fondsstandorts werden vor allem die folgenden Aspekte genannt:

 

(1)        Steuerliche, politische sowie wirtschaftliche Stabilität, die den Akteuren am Finanzplatz langfristige Planbarkeit ermöglichen

(2)        Eine langjährige Erfahrung im Umgang mit Investmentfonds und zahlreichen spezialisierten Dienstleistern

(3)        Eine zunehmende Anzahl von alternativen Fondsmanagern, welche in Luxemburg in den vergangenen Personal eingestellt, und wichtige Funktionen im Rahmen der AIFMD aufgebaut haben, darunter einige der weltweit grössten Private Equity Investoren

 (4)       Kontinuierliche Produktinnovation, welche den Standort attraktiv für ausländische Investoren macht

 

Gerade im alternativen Fondsbereich hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Anfänglich waren im Wesentlichen die Gesetze vom Februar 2007 über die Spezialfonds (“SIF-Gesetz”) und vom Juni 2004 über Wagniskapitalgesellschaften (“SICAR-Gesetz”) für die Anlageformen Private Equity und Venture Capital maßgeblich. Allerdings hat Luxemburg im Zuge der Einführung der AIFM Richtlinie die Modernisierung des Rechts der Kommanditgesellschaften vorangetrieben, welche sowohl als reguliertes Vehikel in Form einer SICAR oder eines SIF-Fonds als auch unreguliert aufgesetzt werden kann. Als unregulierte Struktur kann die Kommanditgesellschaft von einem alternativen Fondsmanager (AIFM) verwaltet werden.

Der Gesetzentwurf über die Einführung des sogenannten reservierte alternativer Investmentfonds (RAIF) wurde am 14. Juli 2016 vom Luxemburger Parlament verabschiedet. Der reservierte alternative Investmentfonds (“RAIF”) vereint, je nach Ausgestaltung des Prospektus, die rechtlichen und steuerlichen Vorteile der SIF oder der SICAR, ohne jedoch einer direkten Aufsicht der CSSF zu unterstehen. Die Regulierung des Fonds findet durch einen AIFM statt. Der RAIF kann als als Umbrella Fonds mit verschiedenen Teilfonds ausgestaltet werden, und umgeht die Doppelregulierung eines regulierten Fondsproduktes.

 

Fazit

Der Brexit stellt Fondsmanager, die Ihr Geschäft bisher aus dem Vereinigten Königreich betrieben haben, vor grosse Probleme, da sie möglicherweise bald den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren könnten. Luxemburg bietet als spezialisierter EU-Fondsstandort überzeugende Angebote, das Geschäft weiterzufüren; viele geläufige Private Equity Investmentvehikel sind den angelsächsichen Modellen nachempfunden, und ähnlich schnell und kostengünstig aufzusetzen.