Börsenzeitung, Oktober 2018

Private Equity Häuser aus der ganzen Welt entscheiden sich für Luxemburg

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Die Attraktivität des Grossherzogtums als Standort für die Geschäftstätigkeiten von Private Equity nimmt weiter zu. Die weltweit 13 grössten PE Häuser haben hier Geschäftstätigkeiten und 10% aller Private Equity Fonds sind am Standort Luxemburg domiziliert. Die Vermögenswerte Luxemburger PE/ VC Strukturen belaufen sich auf 400 Mrd. EUR und rund 6.000 auf Private Equity spezialisierte Fachkräften aus aller Welt arbeiten hier.


Stabilität und globale Akzeptanz
 

Beeindruckende Fakten aus Luxemburg, einem geographisch zweifelsfrei überschaubaren Standort. Fakten, welche das zunehmende Volumen der globalen PE Branche und die globale Vernetzung Luxemburg’s spiegeln. Dabei hat sich in den letzten Jahren viel getan in der PE Branche und entsprechend auch in Luxemburg. Abgesehen vom Kern-Geschäftsmodell, das seit jeher unverändert und massgeblicher Schlüssel des Erfolgs ist, befindet sich die Branche heute in einem vollständig geänderten Umfeld: Aufsichts- und Steuerbehörden haben PE nach der Finanzkrise in den Griff genommen. Die AIFM-Richtlinie sowie die OECD-Maßnahmen gegen Gewinnkürzung und Gewinnverlagerung (BEPS) können beispielhaft benannt werden und stellen langjährig bewährte Geschäftsstrukturen auf den Prüfstand. Eine geopolitisch zunehmende Instabilität nimmt Einfluss auf die strategische Planung von PE Häusern und bewertet Stabilität als Standortfaktor neu. Gleichzeitig befindet sich das Volumen der Branche auf Rekordniveau: mit 637 Mrd. USD an neuen Commitments im Jahr 2017 hat die Branche die bisherigen Fundraising-Rekordjahre 2007-2008 gebrochen und verfügt über den Höchststand an nicht-investiertem Kapital (Dry Powder) jeher. Dies Alles hat Auswirkungen auf das operative Geschäft: Digitalisierung, eine Straffung und ggfs. Neuordnung der Organisation, der Aufbau von Skaleneffekten und eine weitere Spezialisierung sind heute Top Prioritäten für jedes PE Haus.


Breites Produktangebot für Private Equity
 

Eine Stärke Luxemburg’s liegt seit jeher darin, auf relevante Marktentwicklungen nicht nur zeitnah und mit Weitblick zu reagieren sondern diese regelmässig auch zu antizipieren. Das durch die AIFM Richtlinie europaweit erstmals regulierte PE Umfeld war in Luxemburg mit den regulierten, klassischen PE Produkten der Investmentgesellschaft in Risikokapital (SICAR) und dem Spezialisierten Investmentfonds (SIF) gedanklich bereits vorweggenommen. Die Umsetzung der AIFM Richtlinie im Juli 2013 wurde zur Einführung der Spezialisierten Kommanditgesellschaft (SCSp) genutzt. Als Äquivalent zum angelsächsischen Limited Partnership eingeführt, hat die SCSp das System der Luxemburger Kommanditgesellschaften wesentlich erweitert und bietet erhöhte Flexibilität sowie erweiterte steuerliche Transparenz. Heute zählt der Markt über 1.800 dieser Spezialisierten Kommanditgesellschaften. Im Jahr 2016 ergänzte sich die Produktpalette um den ausschliesslich über einen autorisierten externen AIFM regulierten Reservierten Alternativen Investmentfonds (RAIF). PE Häuser aus aller Welt nutzen SCSp sowie RAIF und schätzen deren operationelle Flexibilität. Vormals regelmässig genutzte Zwischengesellschaften kommen derweil weniger zum Einsatz.


Stärken liegen heute woanders als in der Fiskalität
 

Das hat auch mit einem global veränderten Fiskal-Umfeld zu tun: OECD BEPS und die EU-Richtlinie zur Bekämpfung von Steuervermeidungspraktiken (ATAD) haben das Geschäftsmodell von Private Equity verändert und auch Luxemburg hat diesbezüglich eine geänderte Ausrichtung eingenommen:  die Steuerrechtslage des Grossherzogtums ist in den letzten Jahren grundlegend modernisiert worden. Nischen, die es in der Vergangenheit gab und die legal waren, sind heute unterbunden. Die Stärken Luxemburg’s liegen – das kann heute ganz klar gesagt werden - in anderen Aspekten als der Fiskalität.
Bereits in 2017 unterzeichnete Luxemburg gemeinsam mit 67 anderen Staaten das sog. Multilaterale Instrument (MLI) zur Umsetzung der DBA-bezogenen Massnahmen aus dem OECD BEPS-Aktionsplan. Über das MLI werden auf einen Schlag weltweit Tausende von zwischenstaatlichen Steuerabkommen verändert - u.a. in Bezug auf Massnahmen gegen hybride Gestaltungen, DBA Missbrauch und künstliche Vermeidung von Betriebsstätten. Am 3. Juli 2018 hat die Luxemburger Regierung in einem Gesetzesentwurf (No. 7333) dem Text des MLI zugestimmt. Nach Verabschiedung des Gesetzes werden die neuen Regeln erwartungsgemäss zum 1. Januar 2020 in Kraft treten. Betroffen sind alle 81 DBAs, die Luxemburg in der Welt hat.
Den Gesetzesentwurf zur Umsetzung der EU-Richtlinie ATAD 1 legte die Luxemburger Regierung am 20. Juni 2018 vor. Für die PE Branche ist in ATAD 1 vor allem die Regelung zur Zinsabzugsbeschränkung relevant. ATAD 2 kommt erst Anfang 2020 zum Tragen und zielt vor allem auf hybride Steuerkonstruktionen ab.


Internationales PE Zentrum
 

Nicht nur angesichts einer neuen fiskalpolitischen Weltordnung verändern sich die Geschäftstätigkeiten, welche in Luxemburg angesiedelt sind. Aus einem vormals reinen Back-Office-Standort ist schon lange ein internationales PE-Zentrum geworden, welches Back-, Middle- und auch Front-Office-Tätigkeiten umfasst. In Linie mit den Anforderungen aus der AIFM Richtlinie finden sich in Luxemburg zunehmend Funktionen des Risiko- und Portfoliomanagaments. Die hohe Lebensqualität bietet Mitarbeitern vor Ort ein attraktives Umfeld, das geschätzt wird.


Zugang zu EU Investoren
 

Als AIFM-Standort bietet Luxemburg gesicherten Zugang zu EU Investoren. Ein wichtiger Grund, warum sich viele PE Häuser aus London aktuell für Luxemburg als neuen Standort ihrer Wahl entscheiden. Das Grossherzogtum bietet Stabilität und Planungssicherheit - nicht nur in der Vermarktung. Darüber hinaus ist Luxemburg nach London der wohl internationalste Standort in Europa. Das Grossherzogtum ist durch die vier weltweit grössten Rating Agenturen mit der höchsten Kreditwürdigkeitsstufe, einem AAA Rating, ausgezeichnet. Es bietet eine wettbewerbsfähige Unternehmensbesteuerung und eine Mehrwertsteuerbefreiung auf die Vergütung von Verwaltungsdienstleistungen.
Luxemburg ist der zweitgrösste Fondsstandort der Welt und Sitz von 140 internationale Banken. Die Luxemburger Börse ist im Listing internationaler Wertpapiere weltweit die Nr. 1 ist und PE Häuser nutzen seit jeher den Euro-MTF Markt zur Wachstumsfinanzierung ihrer Portfoliounternehmen. Luxemburg liegt weltweit auf Platz 2 im Ranking der Green Finance Infrastruktur. Ein Drittel aller weltweiten grünen Investitionsfonds und zwei Drittel aller Mikrofinanzfonds sind heute in Luxemburg notiert.


Dynamische Start-Up Szene
 

Zunehmend wächst auch die Anzahl von Start-up Unternehmen, welche auf private und öffentliche Inkubatoren und Accelerators zurückgreifen können. Im Juni diesen Jahres wurde beispielsweise das House of Start-ups eröffnet und bietet ein attraktives Ökosystem für bis zu 200 Start-Ups. Daneben lockt die Finanzbranche und bringt insbesondere FinTech Start-ups nach Luxemburg. Diese suchen und schaffen wichtige Synergien in der Digitalisierung und transformieren die Branche nicht nur mittels Blockchain-Technologien.


Innovationskraft und Weitblick
 

Das Dienstleistungsangebot für die PE Branche ist stark und ein wichtiger Standortvorteil von Luxemburg. Seit einigen Monaten zeichnet sich eine Konsolidierung ab, die positiv gewertet werden kann, weil sie Skaleneffekte ermöglicht und Digitalisierung sowie Prozess-Optimierung vorantreibt. So wie sich die Dienstleistungsakteure transformieren und fit machen für die Zukunft, so passt sich auch Luxemburg neuen Gegebenheiten und Anforderungen aus dem Markt kontinuierlich an. Mit Innovationskraft und Weitblick arbeitet die Regierung gemeinsam mit den Akteuren aus dem Markt kontinuierlich an einem Umfeld, welches Private Equity Häusern Planbarkeit, Sicherheit, Expertise und Flexibilität bietet. Private Equity ist in Luxemburg Willkommen!