Luxemburger Wort, September 2018

Neuer Countdown für MiFID II

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Die Europäische Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II), die seit 3. Januar 2018 in Kraft ist, birgt weiterhin große Herausforderungen für Fondsverwalter, Banken und Vermögensverwalter. Ziel der Richtlinie ist es, die Transparenz und den Anlegerschutz in den Europäischen Finanzmärkten zu erhöhen. Der Anlegerschutz wird durch eine neue und genauere Definition des Zielmarktes von Finanzprodukten gestärkt, welcher von Beratern für den Kunden überprüft werden muss. Ferner muss Kunden ein detailierter Kostenausweis zur Verfügung gestellt werden, welcher es ermöglicht die Auswirkungen von Kosten auf die Rendite von Finanzprodukten zu bewerten.


Um diese Ziele zu erreichen, ist ein enger Datenaustausch zwischen Vertrieb und Produktanbietern, wie z.B. Fondsverwaltern, notwendig. Im Besonderen die detaillierte Kostenoffenlegung verursacht signifikante Aufwände für die betroffenen Unternehmen, welche in einigen Fällen die Wirtschaftlichkeit in Frage stellen. Hierbei müssen sowohl ex-ante Kosten, die vor Anlagentscheidungen kalkuliert werden, als auch ex-post Kosten, die tatsächlich angefallen Aufwände, dargestellt werden. Letztere stellen betroffene Unternehmen vor besondere Herausforderung, da zum Jahresende 2018 erstmalig alle über die gesamte Wertschöpfungskette anfallenden Kosten in einem einzigen Kundenkostenbericht ausgewiesen werden müssen.

Die Branche fühlt sich an den letzten Countdown vor einem Jahr erinnert, bei dem viele Beteiligten nur mit intensiver externer Unterstützung die Ziellinie erreichen konnten oder  mit erheblichen Anfangsschwierigkeiten kämpfen mußten. Eine Vielzahl an Unternehmen setzte in einem ersten Schritt taktische Lösungen um, da  strategische, langfristige Lösungen nicht rechtzeitig implementiert werden konnten. Knackpunkte waren primär die notwenidgen Veränderungen an der IT-Systemlandschaft, der hohe Dokumententationsaufwand sowie die Verfügbarkeit relevanter Daten.
Mittlerweile ist der Datenaustausch wesentlich vereinfacht worden, indem sich das European MiFID Template (EMT) als Europäischer Standard etabliert hat. Die aktualisierte Version 2.0 dieses Standards, welche es nun umzusetzen gilt, betrifft vor allem die Veränderung zur Darstellung der ex-post Kosten.

Trotz dieser Vereinfachung des Datenaustauschs, wird das Hauptproblem weiterhin die Verfügbarkeit der Datengrundlage für die Berchnung der ex-post Kosten sein. Ferner stellt die Aggregierung der Produktkosten mit den Portfoliokosten unter Berücksichtigung unterschiedlicher Berechungsansätze viele IT-Systeme vor signifikante Herausforderungen.

Bei Fondsinvestments muss eine sogenannte „Durchschau“ bei den Kosten vollzogen werden, welche auch Transaktionskosten des Fonds beinhaltet. Bei diesen referenziert MiFID II auf die Berechungsmethoden der Verordnung über Basisinformationsblätter für verpackte Anlageprodukte für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte (PRIIPs) , welche Transaktionskosten oft zu hoch oder gar negativ ausweist. Der Industrieverband EFAMA (European Fund and Asset Management Association) hat hierzu im Sommer ein Beweispapier über die Schwachstellen der PRIIPs Verordnung veröffentlicht und den Gesetzgeber zu Nachbesserungen aufgefordert.

Aufgrund des Countdowns zum nächsten Stichtag, liegt der momentane Hauptfokus auf der Umsetzung der Berechnung der ex-post Kosten, sowie von strategischen, langfristigen Lösungen.
Sollte diese Klippe erfolgreich umschifft werden, ist auch neun Monate nach der Einführung kein Ende des MiFID II abzusehen, da es in Zukunft auch noch zu klären gilt, wie eine Überprüfung des Zielmarktes, sowie die „Vertriebs-Due Dilligence“ durch Fondsverwalter effizient gestaltet werden können.