A portrait  photograph of  Daniela and Emanuel Steiner
The big challenge will be cultivating corporate culture.

Daniela and Emanuel Steiner

After studying at the University of St. Gallen, Daniela Steiner worked for Partners Group in New York and San Francisco, where she was responsible for Venture & Growth within the Investment Team. Inspired by the start-up scene, she returned to Zurich in 2013 and founded HEYLIFE, a drinks company that she later sold. It was around then that she met Emanuel Steiner. Following studies at Columbia and Harvard, he worked for BCG in Zurich before creating FELFEL. Today, Emanuel Steiner leads the company as CEO and Chairman of the Board of Directors, focusing on strategy, product innovation and customers. His wife Daniela Steiner is on the Board of Directors and Executive Committee, where she is responsible for product development and corporate culture. The family-run business with locations in Lausanne and Zurich – and partners throughout Switzerland – is shaped by the trust, motivation and passion of every individual at FELFEL. FELFEL uses an intelligent fridge to provide companies throughout Switzerland with food that is healthy, affordable and easy to access.

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17 May 2021

Mit dem Überwinden der akuten Phase der COVID-19-Krise beginnt unsere Reise zu einer neuen Normalität. EY hat verschiedene Vordenker und Entscheidungsträger gebeten, Bilanz zu ziehen und ihre Erkenntnisse über die nächsten Schritte auszutauschen. Daniela und Emanuel Steiner, Gründer von FELFEL, sprechen über das Potenzial von starken Kundenbeziehungen, warum interne Kommunikation so wichtig ist und wieso sich Unternehmen künftig noch mehr mit ihrer Firmenkultur auseinandersetzen sollten.
War euch Anfang Jahr bewusst, was euch im Frühling bevorstehen würde?

Daniela: Auf keinen Fall. Ich glaube, überhaupt niemand hat geahnt, dass so etwas passieren kann. Auch wenn man von Asien gehört hatte, ein solcher Einfluss auf die Wirtschaft und die Gesundheit war im Januar noch unvorstellbar.

Emanuel: Lustigerweise haben wir durch Kunden realisiert, dass sich etwas zusammenbrodelt. Medizintechnik-Unternehmen wie auch Spitäler riefen uns an und orderten per sofort Kühlschränke. Normalerweise dauert das einen Monat. Da haben wir gemerkt, dass sich gewisse Märkte vorbereiten.

Wie hat sich der Lockdown auf euch ausgewirkt?

Daniela: Ich war hochschwanger. Vor zwei Wochen haben wir Zwillinge bekommen. Für das Private war der Lockdown also gar nicht so schlecht. Wir hatten natürlich sehr viele Events, die abgesagt wurden. Auf der einen Seite war das sehr schade, auf der anderen Seite konnten wir so etwas Energie tanken, hatten mehr Familienzeit und sehr viel Fokuszeit. Wir haben mittlerweile 100 Mitarbeitende, entsprechend geschäftig ist es bei FELFEL, sodass wir uns normalerweise nur nachts der Strategie und dem Fokus widmen können. Während dieser Zeit konnten wir wirklich auch tagsüber in Fokuszeit investieren, was sehr positiv war.

Welche Chancen und Risiken haben sich für euch ergeben?

Daniela: Das Essen ist natürlich essenziell im Arbeitsalltag. Jeder muss essen. Gerade weil die Leute jetzt Angst haben ins Restaurant oder in die Kantine zu gehen, ergeben sich neue Chancen für uns. Auf der anderen Seite sind mehr Leute im Homeoffice und wir haben auch Kunden in Industrien, denen es nicht gut geht. Hier sehen wir natürlich auch Risiken, deren wirtschaftlichen Folgen wir noch nicht abschätzen können.

Emanuel: Wir konnten unsere Beziehungen mit unseren Geschäftskunden extrem vertiefen. Die Kunden hatten plötzlich Zeit, um sich mit uns zu beschäftigen. Wir konnten Diskussionen führen über die Mitarbeiterzufriedenheit und was man machen kann, um die Leute zu motivieren in so einer schwierigen Situation. Was wir über unsere Kunden gelernt haben und wie wir mit ihnen arbeiten können, wird einen langfristigen Effekt haben.

Wir konnten unsere Beziehungen mit unseren Geschäftskunden extrem vertiefen.
Daniela und Emanuel Steiner
Gründer von FELFEL
Was hat sich in den letzten drei bis vier Monaten am meisten verändert?

Emanuel: Vor Corona bedankte sich kaum einer für die eigentlich belastende Arbeit, Leute zu führen. Die Krise hat Führungsleuten eine Plattform gegeben, um sich gegenüber ihren Teams beweisen zu können. Während dieser Zeit waren sehr spezielle Führungskompetenzen gefragt. Die Teammitglieder schätzten oder lernten zu schätzen, dass der Chef oder die Chefin mitdenkt und sich um ihr Wohl sorgt. Ich glaube, das ist etwas, das nachhaltig bleibt.

Welchen Herausforderungen musstet ihr euch stellen?

Emanuel: Wir haben gelernt, wie wichtig es ist, Zeit in die Kommunikation zu investieren. Wir haben nie verstanden, warum jemand interne Kommunikation macht. Jetzt verstehen wir, wieso man diese braucht. Sie ist extrem aufwendig, sie ist extrem wichtig und sie ist extrem schwierig – insbesondere, wenn man nicht vor seine Leute stehen kann, sondern via Google Hangout oder Zoom kommunizieren muss. Bei der Kommunikation der Homeoffice Policy etwa passierte uns ein Fauxpas. Wir stellten die Leute, die Homeoffice machen konnten, zu stark in den Vordergrund und vergassen, dass ein Sechstel unserer Mitarbeitenden physisch arbeiten muss, weil sie im Warehouse sind, Kühlschränke installieren oder Produkte kommissionieren. Es ist also extrem wichtig, in der Kommunikation immer inklusiv zu sein, niemanden ausser Acht zu lassen und alle abzuholen.

Es ist extrem wichtig, in der Kommunikation immer inklusiv zu sein, niemanden ausser Acht zu lassen und alle abzuholen.
Daniela und Emanuel Steiner
Gründer von FELFEL
Habt ihr weitere Learnings aus der Krise mitgenommen?

Daniela: Meistens ist die erste Reaktion, defensiv zu sein, sich zu verstecken, ja nichts zu sagen und besser zu warten, bis die Kunden auf einen zukommen. Wir haben recht schnell bewusst das Gegenteil gemacht. Ich glaube, das war eines der grössten Learnings in dieser Phase, dass es sich lohnt, wirklich aktiv auf die Leute zuzugehen, Beziehungen aufzubauen, Transparenz zu schaffen und zu schauen, wie man helfen kann.

Es lohnt sich, wirklich aktiv auf die Leute zuzugehen, Beziehungen aufzubauen, Transparenz zu schaffen und zu schauen, wie man helfen kann.
Daniela und Emanuel Steiner
Gründer von FELFEL
Gibt es etwas, das ihr im Nachhinein besser oder anders machen würdet?

Emanuel: Never stop hiring. Als sich im Februar und März die Unsicherheit breit machte, beschlossen wir, abzuwarten und nicht 40 oder 50 neue Leute einzustellen. Jede Woche, die wir zugewartet haben, müssen wir jetzt nachholen. Das ist Zeit, die sehr schwierig zurückzuholen ist. Im nächsten Jahr gilt es nun 70 Leute zu finden. Wer in einem High Growth Business ist, sollte also nie aufhören anzustellen.

Wer in einem High Growth Business ist, sollte nie aufhören anzustellen.
Daniela und Emanuel Steiner
Gründer von FELFEL
Wird sich die Arbeitsweise nachhaltig verändern

Emanuel: Vor allem bei den grossen Arbeitgebern haben die Arbeitnehmenden jetzt bewiesen, dass sie sehr gut von zuhause aus arbeiten können. Diese Firmen werden auch künftig viel komfortabler sein mit Homeoffice und werden daher, so meine These, grosse Büroflächen abstossen. Trotzdem wollen sie einen Sitz haben, wo die Leute zusammenkommen; die Firmenkultur über Zoom zu fördern, ist sehr schwierig. Um die Leute aber zurück ins Büro zu kriegen, muss dieses attraktiv sein. Vor allem in der Schweiz ist die Schwelle für eine Rückkehr ins Büro aufgrund der grossen Pendlerkultur relativ hoch. Deshalb glaube ich, dass viele zwar Flächen abstossen, dafür aber mehr in die bestehenden sowie in deren Qualität investieren werden. Das beginnt mit schönen Möbeln und endet mit Essen – mit FELFEL.

Daniela: Das Thema Kultur ist heute ein wenig ungelöst und viele Unternehmen müssen sich dazu Gedanken machen. In der Schweiz haben wir viele Dienstleistungsbetriebe und ich glaube, am Ende entscheidet sich ein Kunde gerade wegen der coolen Kultur und der lässigen Leute für einen. Das wird die grosse Herausforderung sein, wo sich viele noch überlegen müssen, wie sie das künftig machen wollen, wie sie die Kultur fördern wollen.

Das Thema Kultur ist heute ein wenig ungelöst und viele Unternehmen müssen sich dazu Gedanken machen.
Daniela und Emanuel Steiner
Gründer von FELFEL

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