6 Minuten Lesezeit 22 Jänner 2020
Controller bei der Arbeit

Controlling - Umbruch ins digitale Zeitalter

Von

Mirko Waniczek

Associate Partner, Managementberatung | Österreich

Hilft Unternehmen diverser Branchen seit über 25 Jahren dabei, die Bereiche Controlling und Finance zu optimieren. Erkundet mit seiner Familie die Welt.

6 Minuten Lesezeit 22 Jänner 2020

Die digitale Transformation des Controlling-Bereichs erst am Anfang. Eine neue Umfrage erläutert den aktuellen Status-Quo im Controlling.

Unternehmen beschäftigen sich branchenübergreifend mit dem Thema Digitalisierung. Das zeigen die Ergebnisse des Controlling-Panels. Zwar ist der Wert derer, die sich sehr intensiv mit der Digitalisierung auseinandersetzen, nur leicht angestiegen (27 % 2018 vs. 25 % 2017), allerdings ist der Anteil jener Unternehmen, die sich selten oder gar nicht mit dem Thema auseinandersetzen, sehr deutlich gesunken (3,8 % 2018 vs. 11,3 % 2017) und liegt in keiner Branche über 10 Prozent.

Während sich in einigen Branchen wie Telekommunikation/Medien/Technologie (42 %) und Finanzindustrie/Versicherungen (31 %) bereits große Teile sehr intensiv mit der Digitalisierung beschäftigen, wird das Thema in anderen Branchen wie etwa der Bau- und Immobilienbranche nur in den wenigsten Unternehmen sehr intensiv behandelt (13 %).

  • Details zur Umfrage

    Die jährliche Umfrage unter Controlling-Leitern aus dem deutschsprachen Raum soll zeigen, welche Bedeutung der Digitalisierung beigemessen wird, welche Technologien heute und in Zukunft eingesetzt werden und wie sich die Rolle des Controllings in den kommenden Jahren verändern wird.

    Das Controlling-Panel wird seit 2007 vom Controller Institut, seit 2016 gemeinsam mit EY, durchgeführt. 2018 nahmen insgesamt 280 Unternehmen teil, darunter 80 aus Österreich, 124 aus Deutschland und 70 aus der Schweiz. Die restlichen sechs Unternehmen haben ihren Sitz in anderen Ländern. Die teilnehmenden Unternehmen waren in Bezug auf Unternehmensstruktur, Branche und Unternehmensgröße breit gestreut. Dies stellt eine valide Basis für eine ganzheitliche und sektorenunabhängige Betrachtung sicher.

Geringer Fortschritt

Obwohl zahlreiche Branchen angeben, sich intensiv mit der Digitalisierung zu beschäftigen, ist diese im Controlling branchenübergreifend nur in einem Bruchteil der Unternehmen weit entwickelt (ca. 11 %). Nicht einmal ein Prozent der Unternehmen sieht die Digitalisierung im Controlling als sehr weit entwickelt an.

Dabei überraschen vor allem die kleinen Unternehmen. In der Gruppe der Unternehmen mit bis zu 10 Mio. Euro Umsatz gibt rund ein Viertel an, dass die Controlling-Digitalisierung weit fortgeschritten sei. Grund dafür könnte sein, dass viele der kleineren Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung gegründet wurden und so von Beginn an auf Digitalisierung setzen konnten. Neben den kleinen Unternehmen sind es vor allem sehr große Unternehmen, die bereits deutliche Fortschritte in der Controlling-Digitalisierung erzielt haben.

Selbst in Branchen, die angeben, sich sehr intensiv mit der Digitalisierung zu beschäftigen, ist die Digitalisierung des Controllings nur in den wenigsten Fällen weit entwickelt. So gab nur jedes fünfte Unternehmen aus der Branche Telekommunikation/Medien/Technologie an, dass die Digitalisierung im Controlling bereits weit fortgeschritten sei. In allen anderen Branchen ist der Anteil der Unternehmen mit einem ähnlichen Fortschritt geringer. Schlusslicht ist die Energiebranche, in der kein einziges Unternehmen angegeben hat, dass die Digitalisierung im Controlling weit fortgeschritten sei.

Mitwirkung am Unternehmenswandel

78 Prozent der Controlling-Einheiten geben an, teilweise aktiv bis sehr aktiv am digitalen Wandel des Unternehmens mitzuarbeiten. Branchen, in denen besonders viele Controlling-Bereiche aktiv an der Digitalisierung des Gesamtunternehmens mitarbeiten, sind Finanzdienstleistungen/Versicherungen (88 %) sowie Pharma/Gesundheit (84 %).

Gestaltung der Controlling-Digitalisierung

Acht von zehn Teilnehmern des Panels geben an, dass die Digitalisierung des Controllings zumindest teilweise vorangetrieben werde. Besonders intensiv ist die Mitarbeit in Österreich, wo 65 Prozent der Befragten eine aktive oder sehr aktive Beteiligung des Controllings sehen. In Deutschland und der Schweiz ist es jeweils nur rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer.

Kernaufgaben im Mittelpunkt

Wichtige Ziele der Digitalisierung im Controlling sind für einen Großteil der Panel-Teilnehmer die Entlastung der Controller von automatisierbaren Aufgaben und Tätigkeiten. So nannten rund neun von zehn Befragten Reaktionszeitenreduktionen und Zeitersparnisse durch Prozessschrittautomatisierung als wichtige oder sehr wichtige Ziele. Für 83 Prozent der Befragten ist eine Qualitätssteigerung ein wichtiges Ziel. Im Gegensatz dazu steht überraschend das Ziel der Kostensenkungen ganz unten auf der Prioritätenliste. Dieses wird nur von 45 Prozent der Befragten als wichtig oder sehr wichtig gesehen.

Digitalisierungstechnologien im Vormarsch

Die für die Befragten relevanteste Technologie stellt Dashboarding dar. Es wird von 96 Prozent der Befragten als relevant angesehen. Insgesamt 35 Prozent der Unternehmen geben an, diese Technologie in operativer Anwendung zu verwenden, weitere 26 Prozent im Projektstadium. Trotz der hohen Nutzerzahlen ist in den nächsten zwei bis drei Jahren mit einer weiteren Steigerung von rund 40 Prozent im Vergleich zur aktuellen Nutzung zu rechnen.

Die Analyse der Bedeutung und Nutzung verschiedener Digitalisierungstechnologien zeigt, dass leitende Führungskräfte des Controllings die Möglichkeiten der einzelnen Technologien kennen, sie jedoch nur zum Teil nutzen. Beispielhaft dafür sind die Bereiche Advanced Analytics (inkl. Data Mining) und Predictive Analytics. Obwohl jeweils 86 Prozent der Befragten glauben, dass diese Systeme Relevanz für das Controlling besitzen, haben nur 25 Prozent der Unternehmen ein solches System im Projektstadium oder im operativen Betrieb im Einsatz. Jeweils rund sechs von zehn Befragten wollen eine der beiden Technologien in zwei bis drei Jahren im Einsatz haben. Österreichische Unternehmen liegen bei der Nutzung verschiedenster Technologien vor deutschen und Schweizer Unternehmen und können diesen Vorsprung auch in den nächsten Jahren aufrechterhalten. Beispielsweise liegt die aktuelle Nutzung von Big Data in Österreich mit rund 36 Prozent deutlich vor Deutschland (17 %) und der Schweiz (23 %). In zwei bis drei Jahren wollen rund 70 Prozent der österreichischen Unternehmen die Technologie nutzen, in Deutschland und der Schweiz sind es nur rund 55 Prozent.

Neue Controller-Kompetenzen

70 Prozent der Befragten sehen starke oder sehr starke Auswirkungen der Digitalisierung auf die Kompetenzanforderungen von Controllern. In großen Unternehmen wird mit stärkeren Auswirkungen gerechnet als in kleinen. Besondere Notwendigkeit wird von den Befragten in der Aneignung neuer Technologiekenntnisse (IT-Skills, Data Science, Programmierkenntnisse) gesehen.

Außerdem stimmen rund drei Viertel der Befragten überein, dass Positionen für Digital-Tool-Experten (z. B. SAP S/4HANA, Tableau, Blue Prism) geschaffen werden müssen. Des Weiteren sehen viele der Befragten Prozessmanager (57 %) und Projektmanager (52 %) als notwendige neue Rollen. Reine IT-Experten und Data Scientists werden von nicht einmal der Hälfte der Befragten im Controlling-Team der Zukunft gesehen.

Fazit

Obwohl sich viele Unternehmen intensiv mit der Digitalisierung auseinandersetzen, steht die Transformation des Controlling-Bereichs erst am Anfang. Die Möglichkeiten, die sich aus der Digitalisierung im Controlling bieten, bleiben trotz des prinzipiellen Wissens um die damit verbundenen Optimierungspotenziale meist noch ungenutzt.

In den nächsten Jahren kann mit einem rasanten Anstieg in der Nutzung verschiedenster Digitalisierungstechnologien gerechnet werden. Tools, die derzeit oft noch ein Nischendasein führen, werden aus dem Controlling schon in wenigen Jahren nicht mehr wegzudenken sein. Ziel der digitalen Transformation ist für den Großteil der Befragten die Verbesserung der Datenqualität und der Schnelligkeit der Controlling-Prozesse. Durch die Automatisierung von Prozessen bekommen Controller die Möglichkeit, den Fokus auf ihre Hauptaufgaben zu legen.

Dass nur große Player eine solche Transformation meistern können, widerlegt das Segment der Kleinunternehmen, das den größten Anteil an Unternehmen mit weit fortgeschrittener

Digitalisierung im Controlling aufweist. In den nächsten Jahren werden zahlreiche Unternehmen Projekte zur Controlling-Digitalisierung starten, denn nur so kann der Sprung auf das nächste Level des Controllings vollzogen werden.

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Mirko Waniczek

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