4 Minuten Lesezeit 8 Juni 2020
Woman planning with sticky notes

Wie österreichische Unternehmen über Nachhaltigkeitsaspekte berichten

Von

Georg Rogl

Leiter Climate Change and Sustainablity Services, Wirtschaftsprüfung | Österreich

Unterstützt Unternehmen dabei, verantwortungsvolles Handeln gegenüber der Umwelt, den Mitarbeitern und der Gesellschaft noch stärker in die eigene Unternehmens-DNA einzubinden.

4 Minuten Lesezeit 8 Juni 2020

In der EY-Analyse 2020 stehen die Berichterstattung zum Klimawandel und die Umsetzung gesetzlicher Berichtspflichten im Fokus.

Ziel der zehnten Ausgabe unserer Studie „Nachhaltigkeitsberichterstattung österreichischer Top-Unternehmen“ ist es, einen aktuellen Überblick über nationale und internationale Trends sowie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung zum Geschäftsjahr 2018 in Österreich zu geben. Die Themenschwerpunkte liegen in diesem Jahr auf der Berichterstattung zum Klimawandel und der Umsetzung der Anforderungen des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetzes (NaDiVeG).

Anstieg der Anzahl der Nachhaltigkeitsberichte

Der Anteil der Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen, ist bereits 2018 aufgrund des NaDiVeG deutlich gestiegen. Aber auch 2019 ist der Anteil der Unternehmen mit einem Nachhaltigkeitsbericht vor allem bei den Top-Unternehmen von 35 auf 42 Prozent angestiegen. Von den Unternehmen des Prime Market haben, wie im Vorjahr, 95 Prozent einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt, bei den öffentlichen Unternehmen ist ebenso ein Anstieg erkennbar (von 33 auf 38 Prozent). 

Anteil der Nachhaltigkeitsberichte österreichischer Top-Unternehmen

Deutlicher Anstieg an Nachhaltigkeitsberichten unter den Top-Unternehmen ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau von 35 auf 42 Prozent.

NaDiVeG: eigenständige Berichte auf dem Vormarsch

Bei Unternehmen, die dem NaDiVeG unterliegen, ist ein Anstieg der eigenständigen Berichte außerhalb des Lageberichts von 50 auf 56 Prozent zu erkennen. Der Anteil der integrierten Berichterstattung verringerte sich von sieben auf drei Prozent.

„GRI-referenced“-Option bei immer mehr Berichten

Die Anwendung der „GRI-referenced“-Option findet immer mehr Beachtung bei der Erstellung der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Ein Anstieg ist sowohl bei den Top-Unternehmen von fünf auf sieben Berichte (15 Prozent) als auch bei den Unternehmen des Prime Market von sechs auf elf Prozent erkennbar.

Auffallend hoch ist auch der Anteil der „GRI-referenced“ Berichte bei den NaDiVeG-pflichtigen Unternehmen. Diese Option wurde bereits von 16 Prozent der Unternehmen mit NFI angewandt, letztes Jahr lag der Anteil noch bei sieben Prozent. Umgekehrt ist der Anteil an Berichten „in Übereinstimmung mit GRI“ von 49 auf 35 Prozent gesunken.

Auffallend bei den GRI-Berichten ist außerdem, dass fast nur mehr die Option „Kern“ Beachtung findet. In allen drei Segmenten gibt es gemeinsam betrachtet nur mehr einen Bericht nach der umfassenden Option.

Unterschiedliche Entwicklung bei der externen Prüfung

Eine deutliche Steigerung des Anteils der extern geprüften Berichte schlägt sich vor allem bei den Unternehmen des Prime Market nieder. 2018 unterzogen sich 42 Prozent einer Prüfung, 2019 bereits die Hälfte (50 Prozent). 

Aber auch bei den Top-Unternehmen (50 Prozent) und den öffentlichen Unternehmen (44 Prozent) stieg der Anteil der geprüften Berichte auf annähernd die Hälfte der erstellten Berichte.

Hingegen ist bei den Unternehmen, die nach dem NaDiVeG berichtspflichtig sind, der Anteil unverändert deutlich niedriger, er liegt bei lediglich 27 Prozent.

Externe Prüfung

27 %

Nur rund ein Viertel der Unternehmen mit Berichtspflicht lässt sich extern prüfen.

Berichterstattung zum Klimawandel verbreitet, aber qualitativ sehr schwach

Bei der erstmaligen Erhebung der Berichterstattung zum Klimawandel im Prime Market hat sich gezeigt, dass die Mehrheit der dort vertretenen Unternehmen den Klimawandel zwar als wesentlich wahrnimmt (74 Prozent) und Zahlen zu Emissionen berichtet (76 Prozent), die inhaltliche Qualität und Tiefe der Berichterstattung jedoch noch nicht sehr weit entwickelt ist. So hat sich weniger als ein Drittel der Unternehmen quantitative Klimaschutzziele gesetzt oder zu Scope 3 berichtet (jeweils 31 Prozent). 

Drei Viertel der Unternehmen im Prime Market sehen das Thema als wesentlich an und berichten zu Emissionen, jedoch hat weniger als ein Drittel quantitative Klimaschutzziele.

Einen noch geringeren Teil des Prime Market machen die Unternehmen aus, die sich mithilfe international gängiger Rahmenwerke mit den finanziellen Auswirkungen des Klimawandels auf ihr Geschäftsmodell auseinandergesetzt haben: Nur zwei Unternehmen haben nach TCFD (Task Force on Climate-related Financial Disclosures) berichtet und nur drei haben sich ein Science-Based Target gesetzt.

Insgesamt spiegelt die Berichterstattung also noch nicht die Rolle wider, die der Klimaschutz derzeit in der öffentlichen Diskussion spielt.

Integration der Sustainable Development Goals hat sich etabliert

Der Anteil der Unternehmen, die zu den Sustainable Development Goals (SDGs) berichten, ist deutlich angestiegen. Zwei Drittel der Top-Unternehmen, -Banken und -Versicherungen haben die SDGs in ihre Berichterstattung qualitativ oder quantitativ aufgenommen. Im Vergleich zur Studie 2018 hat sich der Anteil verdoppelt. Am stärksten in den Fokus gerückt ist erstmals SDG 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“, das neben SDG 4 „Hochwertige Bildung“ und SDG 8 „Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum“ am häufigsten priorisiert wurde.

SDG Integration

66 %

In zwei Drittel der Berichterstattung der Top-Unternehmen sind die SDGs etabliert.

Es ist zu erwarten, dass sich die Berichterstattung zu den SDGs stetig weiterentwickeln wird. Wünschenswert wäre dabei eine vermehrte Verbindung der SDGs mit den unternehmenseigenen Zielen und eine klare Verknüpfung zur Unternehmensstrategie..

Fazit

Getrieben durch gesetzliche Anforderungen, mediale Präsenz des Themas Klimawandel und weitere Initiativen wird die österreichische Nachhaltigkeitsberichterstattung in Zukunft mit zahlreichen Herausforderungen versehen sein. Besonders im Klimabereich kann man annehmen, dass sich die Berichterstattung dazu in Qualität und Tiefe verbessern wird und die Empfehlungen der TCFD immer mehr Berücksichtigung finden.

Über diesen Artikel

Von

Georg Rogl

Leiter Climate Change and Sustainablity Services, Wirtschaftsprüfung | Österreich

Unterstützt Unternehmen dabei, verantwortungsvolles Handeln gegenüber der Umwelt, den Mitarbeitern und der Gesellschaft noch stärker in die eigene Unternehmens-DNA einzubinden.