3 Minuten Lesezeit 12 April 2019
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Warum nationalen Ölfirmen ein Wandel bevorsteht

In einem Niedrigpreisumfeld müssen NOCs stärker als IOCs agieren. Nur so bleiben sie wettbewerbsfähig und können den Staat weiterhin unterstützen.

Viele aufstrebende Volkswirtschaften hängen stark vom Öleinkommen ab. Mit teilweise dramatischen Folgen: Der drastische Preissturz löst eine Kettenreaktion aus. Das beeinflusst den Regierungshaushalt, staatliche Investitionen, Anreize für die wirtschaftliche Entwicklung und insbesondere Fördermittel und Sozialprogramme. Das erhöht den Druck auf nationale Ölfirmen (NOCs, National Oil Companies) und verändert grundlegend die Art der Beziehung zum Staat (ihrem Hauptinteressenvertreter).

Also suchen Regierungen nach Alternativen, um ihren Kapitalbedarf zu decken oder Projekte zu finanzieren. Sie denken so oft wie nie an Teilprivatisierungen oder den Börsengang. Doch wie dringend ist der Handlungsbedarf? Das hängt vor allem vom Niveau wirtschaftlicher Diversifizierung – und demzufolge dem relativen Beitrag der Öl- und Gasbranche zum BIP eines Landes – ab.

Die Art und Weise, wie diese NOCs agieren, ihre Strukturen und ihr Beitrag an den Staat ändern sich parallel. Dieser tiefgreifende Wandel lässt sich mit den Verstaatlichungen vor einigen Jahrzehnten vergleichen. Das waren entscheidende Momente in der Geschichte dieser Länder.

Rolle der NOCs – der „Vertrag mit dem Staat“

NOCs mit einem Anteil von 58 Prozent an globalen Reserven und von 56 Prozent an der Produktion sind wichtige Akteure in der globalen Öl- und Gasbranche. Sie spielen häufig eine führende Rolle in aufstrebenden Volkswirtschaften. Normalerweise überwachen sie die Ressourcenentwicklung und Energiesicherheit eines Landes. Sie sollen sich in dieser neuen Ölpreisumgebung behaupten und darin wachsen. Darin liegt ein System „finanzpolitischer Verantwortung“. Es ist eindeutig auf Profitabilität und Gewinnqualität ausgerichtet.

Neudefinition der NOC-Strategie: vom Volumen zum Wert

Mit Erträgen (gerechnet in BOE, Barrel of Oil Equivalent, einer standardisierten internationalen Energieeinheit) von weniger als der Hälfte der Spitzenwerte von 2014 erkennen NOCs zunehmend: Sie müssen den Fokus nicht auf Volumen, sondern auf die Wertschöpfung legen. Sie müssen in dieser kapitalschwachen Umgebung nachhaltig das Maximum aus dem Kapitalvermögen holen – oder besser gesagt: Sie müssen „mehr“ mit „weniger“ erreichen. Für internationale Ölunternehmen (IOCs, International Oil Companies) ist der Wechsel vom Volumen zum Wert kein neues Konzept. Für NOCs steht es erst seit Kurzem auf dem Plan.

Die NOCs, denen das erfolgreich gelingt, werden ihren höchsten Beitrag an den Staat leisten. Sie werden auch Bestwerte in Baukapital und Betrieb erzielen und erfolgreich in ihre Kultur integrieren können.

Wie Sie den Weg für den NOC-Wandel ebnen

Wie der NOC-Wandel aussehen wird, ist klar: Auf ihrem Weg zu „kommerziellen NOCs“ werden die kommenden Jahre für diese Unternehmen entscheidend sein: Sie müssen den notwendigen Wandel als Chance begreifen.Branchenwandel ist nie einfach. NOCs sollten die Beziehung zu ihrer jeweiligen Regierung auf den Prüfstand stellen. Nur so können sie ihre wichtige Rolle innerhalb des globalen Öl- und Gasmarkts und innerhalb ihrer Regierungen bewahren.

Wenn sie an einigen Stellschrauben drehen, dürften NOCs für das neue Zeitalter des Überflusses gerüstet sein: Sie sollten offen für den Wandel sein, ihre Margen maximieren und die Kapitaleffektivität steigern. So sollten sie nicht nur überleben, sondern wachsen können. Doch der Erfolg kommt nicht automatisch: Natürlich möchten NOCs die Qualität der Erträge steigern und die Unterstützung des Staates maximieren. Dafür sollten sie in die Zukunft blicken und viele Erfolgskriterien berücksichtigen.

Fazit

NOCs sollten offen für den Wandel sein, um die Qualität ihrer Erträge zu steigern und die Unterstützung des Staates zu maximieren.

Über diesen Artikel

Von

Andy Brogan

EY Global Oil & Gas Leader

Oil & Gas sector leader, speaker and industry advocate, optimist, music addict and avid traveler.