5 Minuten Lesezeit 7 Februar 2020
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Welchen Mehrwert bringt eine nichtfinanzielle Berichterstattung?

Von Bernhard Gehmayr

Senior Assistant, Climate Change and Sustainability Services, Wirtschaftsprüfung | Österreich

Sustainable Development Goals Supporter. Hobbykoch und Gin Lover.

5 Minuten Lesezeit 7 Februar 2020

Forderungen nach mehr Transparenz von verschiedenen Seiten sind maßgebende Treiber, um nichtfinanzielle Informationen offenzulegen.

Globale Herausforderungen, Kundenanforderungen und steigender Druck von Behörden sind maßgebende Treiber für Unternehmen, um das Prinzip der Nachhaltigkeit zu implementieren und die eigenen Leistungen im Nachhaltigkeitsbereich offenzulegen.

Ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen, der Schutz von Kundendaten sowie demographische Veränderungen führen zu neuen Risikofaktoren in der Unternehmenslandschaft. Kunden fragen immer stärker nachhaltige Produkte nach und Investoren fordern immer häufiger mehr Transparenz im Nachhaltigkeitsbereich. Zudem erhöht sich der Druck von Regulierungsbehörden, Nachhaltigkeitskriterien gleichermaßen in der Unternehmensstrategie und der -berichterstattung zu berücksichtigen, insbesondere von Seiten der EU (z. B. EU-Aktionsplan für Sustainable Finance, Richtlinie zur Nichtfinanziellen Berichterstattung, European Green Deal).

Für Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie profitabel sein und gleichzeitig zur nachhaltigen Entwicklung beitragen können.

Global Sustainability Reporting Standards

Durch die Nachhaltigkeitsberichterstattung, auch nichtfinanzielle Berichterstattung genannt, können Unternehmen über ihre ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen und somit über ihre positiven oder negativen Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung berichten. Ein passendes Rahmenwerk für die Umsetzung sind die Global Sustainability Reporting Standards der Global Reporting Initiative (GRI), die sogenannten GRI-Standards.
 

Die GRI-Standards sind das weltweit am meisten angewandte Rahmenwerk zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung und auch in Österreich werden diese am häufigsten herangezogen

Die GRI-Standards gelten als internationale Best Practice für die Berichterstattung zu ökonomischen, ökologischen und sozialen Auswirkungen. Durch die modulare Struktur der GRI-Standards und den Fokus auf die wesentlichen Themen stehen den Unternehmen individuelle Gestaltungsmöglichkeiten bei der Umsetzung offen. Des Weiteren bieten diese Standards einen passenden Rahmen für die Umsetzung des Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG), welches große Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 MitarbeiterInnen dazu verpflichtet, ihre Leistungen im Nachhaltigkeitsbereich offenzulegen.

Anteil Nachhaltigkeitsbericht GRI Österreich

Zentral sind bei den GRI-Standards u.a. das Prinzip der Wesentlichkeit und das Prinzip der Stakeholdereinbindung, welche die Grundlage für die Auswahl zentraler Handlungsfelder und die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeits-Roadmap sind.

Inhaltlicher Aufbau der GRI-Standards

Die GRI-Standards haben eine modulare Struktur, wobei drei „universelle“ Standards für alle Organisationen anwendbar sind: Durch den Standard „GRI 101: Grundlagen“ werden die zehn Berichterstattungsgrundsätze und dabei auch die Wesentlichkeitsanalyse abgedeckt. Im „GRI 102: Allgemeine Angaben“ wird auf die kontextbezogenen Informationen von Unternehmen und die Berichterstattungspraxis eingegangen. Der Standard „GRI 103: Managementansatz“ inkludiert eine Erklärung, warum ein Thema wesentlich ist, wie das Unternehmen damit umgeht und welche Ziele gesteckt werden.

Darauf aufbauend gibt es über 30 themenspezifische Standards, die in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Wesentlichkeitsanalyse anzuwenden sind. Darunter fallen Wirtschaftliche Standards (200 Serie), Umweltstandards (300 Serie) und Soziale Standards (400 Serie). Mit diesen Standards kann dann einheitlich zu Themen wie Anti-Korruption, finanzielle Auswirkungen des Klimawandels, Treibhausgasemissionen, Arbeitssicherheit und Diversität berichtet werden. So soll in gewissem Maße eine Vergleichbarkeit von Unternehmen gefördert werden.

Mehrwert durch Nachhaltigkeitsberichterstattung

Ein effektives Nachhaltigkeitsmanagement und die Berichterstattung dazu werden zum „Must Have“ einer verantwortungsvollen und transparenten Unternehmensführung. Darüber hinaus können Unternehmen von weiteren Vorteilen profitieren.

Vorteil der Nachhaltigkeitsberichterstattung

GRI-zertifizierte Trainings zur Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten

Als zertifizierter GRI-Trainingspartner bietet EY laufend maßgeschneiderte zweitägige Trainings zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung nach den GRI-Standards an.

Dabei erfahren Sie, wie die GRI-Standards aufgebaut sind und effektiv im Rahmen der eigenen Nachhaltigkeitsberichterstattung umgesetzt werden können. Das Training umfasst unter anderem die folgenden Aspekte:

  • Business Case für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und Ihr Mehrwert
  • Wesentliche Schritte eines GRI-Berichterstattungsprozesses
  • Prinzipen der Berichterstattung
  • Methoden zur Stakeholderidentifizierung und -einbindung
  • Durchführung einer Wesentlichkeitsanalyse
  • Einbindung der UN Sustainable Development Goals in die Nachhaltigkeitsberichterstattung
  • Nutzen einer externen Prüfung
  • Praktische Übungen und Fallbeispiele

Das Training richtet sich an alle Organisationen, die Prozesse nachhaltiger Entwicklung ansteuern und eine Nachhaltigkeitsberichterstattung nach GRI etablieren beziehungsweise verbessern wollen. Alle TeilnehmerInnen erhalten umfassende Trainingsunterlagen und nach erfolgreichem Abschluss ein Zertifikat der Global Reporting Initiative.

Fazit

Regulatorische Anforderungen und freiwillige Verpflichtungen fordern vermehrt eine intensivere Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Geschäftstätigkeit. Auch Investoren berücksichtigen immer stärker Nachhaltigkeitsaspekte in ihren Investitionsentscheidungen. Die GRI-Standards für Nachhaltigkeitsberichterstattung bieten ein passendes Rahmenwerk für Unternehmen, um Informationen über die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit transparent offenzulegen.

Über diesen Artikel

Von Bernhard Gehmayr

Senior Assistant, Climate Change and Sustainability Services, Wirtschaftsprüfung | Österreich

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