3 Minuten Lesezeit 15 September 2020
Mehrere Personen in einem Meetingraum

Wie die digitale Transformation von Banken trotzdem gelingt

Autoren

Armin Schmitt

Leiter Financial Services Consulting, Partner Unternehmensberatung | Österreich

Begleitet mit seinem Team Financial-Services-Institute bei Transformationsprojekten. Dabei greift er auf umfassende Erfahrungen erfolgreich abgeschlossener Projekte im In- und Ausland zurück.

Stephan Taborsky

Technology Transformation Lead, Consulting l Österreich

Ist Spezialist für Programm- und Projektmanagement in komplexen Systemintegrations- und Kernbankmigrationsprojekten. Lebt mit seiner Familie in Wien. Ist begeisterter Fußballfan und Hobbyläufer.

3 Minuten Lesezeit 15 September 2020

Die digitale Transformation kann auch Banken mit gewachsenen Strukturen und trotz einer veralteten IT- Landschaften gelingen.

Man könnte meinen das Bankgeschäft ist so alt wie die Menschheit selbst: Vermutlich setzten die Menschen schon zweitausend Jahre vor Christus auf die buchmäßige Aufzeichnung von Forderungen, Kontoführung und Anleihen. Noch heute existiert die 1472 in Italien gegründete „Banca Monte die Paschi di Sienna“ – sie gilt damit als die älteste Bank der Welt.

Gerade deshalb gilt das Bankwesen als eher traditioneller Geschäftszweig, welcher allerdings zunehmend von Wettbewerbern, die nicht aus dem Bankenbereich kommen, unter Druck gesetzt wird. Die Strukturen von Banken sind meist historisch gewachsen und ihre erprobten IT-Systeme sind oft schon etwas in die Jahre gekommen. Und trotzdem kann die notwendige digitale Transformation gelingen – für die international agierende Großbank aber auch für österreichische Banken mittlerer Größe. Wie das geht, lesen Sie hier:

Schritt 1: Standortbestimmung der Bank

Die Situation des IT-Bereichs bzw. der organisatorischen Bereiche etablierter Banken ist meist sehr ähnlich. Oft ist sie auf die Entwicklung des Bankenmarkts in den letzten Jahren und der zunehmenden Regulierung zurückzuführen. Viele Banken mussten jahrelang die eigene Erneuerung zurückstellen, um Kapazität für regulatorische Anforderungen bündeln zu können.

Wenn Sie also eine historisch gewachsene Organisation sind, die über geringe Ownership der Fachbereiche für deren IT verfügt, geringe Innovationskraft aufgrund von dominierenden Betriebsorganisationen aufweist, über eine in die Jahre gekommene IT-Architektur verfügt und keine Digitalisierungsstrategie aufweisen kann, dann befinden Sie sich nach wie vor in guter Gesellschaft.

Um die Dinge ändern zu können, ist es aber wichtig seinen genauen Standort zu kennen. Dabei konzentrieren Sie sich auf den aktuellen Stand der Dinge und berücksichtigen bereits laufende Initiativen. Dadurch wird vermieden, bestehende Assets und „good practices“ auf dem Weg hin zur digitalen Bank mit einer starken IT als Enabler für Digital Banking zu verlieren. 

Schritt 2: Definition einer Digitalisierungsstrategie

Im Optimalfall umfasst die Digitalisierungsstrategie die Strategie für den gesamten COO und CIO-Bereich bzw. der IT-Organisation. Auf Basis einer Vision wird der Zielzustands der IT-Organisation ausgearbeitet und eine Reihe von Maßnahmen definiert, welche für die Zielerreichung basierend auf dem Status Quo notwendig sind.

Kernbereiche dieser Strategie sind die Entwicklung einer Technologievision unter Berücksichtigung der wichtigsten Funktionen, die zur Unterstützung der Geschäftsstrategie erforderlich sind, sowie die Aufbauorganisation, welche die Erreichung der gesetzten Ziele bestmöglich unterstützt.

In jedem Fall handelt es sich bei der Umsetzung einer solchen Digitalisierungsstrategie um ein Change Projekt. Daher ist es für den langfristigen Erfolg entscheidend die Mitarbeiter abzuholen und den Wandel professionell zu begleiten. Am besten gelingt das, indem insbesondere der kulturelle Wandel im Zuge der Digitalisierungsstrategie von Anfang an mit geplant wird.

Schritt 3: Einbringen von Best Practices

Bei Transformationsprojekten ist es ratsam, auf Best Practices der Branche aufzusetzen und darauf aufbauend eine für das Unternehmen zugeschnittene Roadmap zu entwickeln. Wir stützen uns dabei meist auf den sogenannten „IT-Operating Model Framework“ (iTOM) und berücksichtigen unsere Erfahrungen aus zahlreichen Projektreferenzen. Ziel des iTOM ist es, mit Hilfe eines übergreifenden Models die Lücke zwischen IT und Business zu schließen und dem CIO/IT-Leiter ein wertvolles und praxiserprobtes Handwerkszeug an die Hand zu geben.

Hinter den Dimensionen und Prozessen des iTOM befinden sich detaillierte Tools für die Unterstützung der Ermittlung und der Auswertung der Ergebnisse sowie für die Ableitung
konkreter Maßnahmen. 

Quick Wins: Es geht auch schneller

Digitalisierung baut auf der bestehenden Systemlandschaft auf und wird schrittweise für einzelne Business Use Cases umgesetzt, was schnelle Erfolge ermöglicht. Hierbei werden Digital Banking Applikationen und bestehende, in die Jahre gekommene IT-Architekturen im Sinne einer losen gekoppelten Architektur sinnvoll kombiniert. Die wesentlichen Kristallisierungspunkte hierbei sind die Entkoppelung von Frontend- und Backend-Systemen sowie die Datenintegrationsarchitektur.

Mittels einer losen gekoppelten Architektur lassen sie die Vorteile eines „green field-approach“ für neue, digitale Bankprodukte nutzen, unabhängig davon, ob Sie eine neue Digital Banking Plattform aufbauen oder digitale Bankprodukte über eine Partnerschaft mit einem FinTech anbieten wollen.

Einzelne digitale Business Use Cases lassen sich auf diese Art und Weise selbst ohne Vorarbeiten innerhalb von 6-9 Monate realisieren. Verfügt die IT-Architektur der Bank bereits über eine geeignete Integrationsarchitektur lassen sich digitale Bankprozesse auch in deutlich kürzerer Zeit end-to-end umsetzen.

Fazit

Wir sind überzeugt davon, dass jede Bank das Potential hat, schon in wenigen Monaten erste Quick-Wins hinsichtlich Digitalisierung zu erreichen. Gerne überlegen wir gemeinsam mit Ihnen, wie die digitale Transformation in Ihrer Bank gelingt. Die beste Zeit damit zu starten ist jetzt, denn der Marktdruck steigt.

Über diesen Artikel

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Armin Schmitt

Leiter Financial Services Consulting, Partner Unternehmensberatung | Österreich

Begleitet mit seinem Team Financial-Services-Institute bei Transformationsprojekten. Dabei greift er auf umfassende Erfahrungen erfolgreich abgeschlossener Projekte im In- und Ausland zurück.

Stephan Taborsky

Technology Transformation Lead, Consulting l Österreich

Ist Spezialist für Programm- und Projektmanagement in komplexen Systemintegrations- und Kernbankmigrationsprojekten. Lebt mit seiner Familie in Wien. Ist begeisterter Fußballfan und Hobbyläufer.